Reiten gehört für Esther zum Unterricht

Gerade mal eine Woche ist der jüngste Nachwuchs auf dem Grünbacher Reiterhof Lienemann alt. Stute Lancara Croft hat den kleinen Hengst, zur Welt gebracht. Einen Namen hat er noch nicht. Sein Papa ist ein Pachthengst aus dem Landgestüt Moritzburg.

Von Margitta Rosenbaum

Bei Lienemanns in Grünbach werden Deutsche Sportpferde gezüchtet und auch das Fohlen gehört zu den springbetonten Pferden. Im vergangenem Jahr wurden drei Fohlen auf dem Hof geboren und auch heuer ist noch mehr Nachwuchs zu erwarten. Lancara Croft, die ganz einfach "Schimmel" gerufen wird, soll auch wieder gedeckt werden. Über elf Monate beträgt die Tragzeit.
Nicht nur Heiko und Claudia Lienemann, die den Reiterhof betreiben, haben in diesen Tagen alle Hände voll zu tun, auch wenn die Pension im Moment keine Gäste haben kann. Nur ein paar Handwerker haben sich einquartiert. Tochter Esther ist seit drei Wochen zuhause und arbeitet fleißig mit. Geplant war das nicht. Ihre Schule ist schon am 8. März wegen Coronaverdacht geschlossen worden. Esther Lienemann besucht die Prinz-von Homburg-Schule in Neustadt (Dosse) im Bundesland Brandenburg. Dort gibt es eine Spezialklasse für Reitsport. Bundesweit einzigartig ist das Projekt "Reiten in der Schule" in Kooperation mit dem Brandenburgischen Haupt- und Landgestüt für die Klassen 7-13. Jedes Jahr werden 24 Schüler für eine neue Klasse aufgenommen. Sie kommen aus allen Bundesländern und auch aus dem Ausland.
Nach der 6. Klasse konnte Esther Lienemann dorthin wechseln. Vorher musste sie einen Eignungstest machen und gute Schulzeugnisse vorweisen. Im Bundesland Brandenburg endet die Grundschulzeit erst nach der 6. Klasse.
Jetzt lernt die begeisterte Reiterin in der 11. Klasse und bereitet sich auf das Abitur in zwei Jahren vor. Schüler, die dauerhaftes Interesse am Reitsport haben, werden an dieser Schule auf sportliche Spitzenleistungen vorbereitet. Sie bekommen eine solide Grundlagenausbildung in Theorie und Praxis des Reitens.
Der Schulalltag sieht etwas anders aus, als in den üblichen Schulen. Meistens sei es so, dass morgens zwei Stunden normaler Unterricht stattfinden. Dann geht es für drei Stunden aufs Gestüt zum Training. Am Nachmittag geht es dann mit Unterricht an der Schule weiter. Ab der 9. Klasse müssen die Schüler ihr eigenes Pferd haben.
Mit ihrem Sunny Boy hat Esther schon etliche Erfolge erreicht, denn die Teilnahme an Turnieren gehört dazu. Ihr Ziel ist es, bald die ganz großen Turniere zu reiten. An der Landesmeisterschaft in Brandenburg hat sie schon teilgenommen, die Kreismeisterschaft im brandenburgischen Wulko hat sie vor zwei Jahren gewonnen. Derzeit reitet sie in der Klasse M**. Von den fünf Klassen beim Springreiten ist das die Klasse Mittelschwer. Das bedeutet, dass die Hindernisse bis zu 140 Zentimeter hoch sind und neun oder zehn Hindernisse bewältigt werden müssen. Die S-Klasse ist dann die höchste, die Klasse mit den schweren Prüfungen.
Die will Esther Lienemann noch dieses Jahr erreichen. Darum trainiert sie auch jetzt täglich. Pferd und Reiterin dürfen nicht aus der Übung kommen.
Und dann hofft sie, dass sie nach den Osterferien an ihrer Schule weiter trainieren kann, immer das große Ziel im Blick.