Reißners Wahlprogramm "zerpflückt"

In Oelsnitz tobt der Wahlkampf unter vier Kandidaten um den OB-Stuhl. Tobt? Na, ja. Aber bissig wurde es Freitagabend im "Hemingway's". Vier Oelsnitzer zerpflückten das Wahlprogramm von Robert Reißner.

Von Renate Wöllner

Oelsnitz - Von den Plakaten lächelt er schon eine ganze Weile. Für die Fragen der Bürger stand er am Morgen auf dem Wochenmarkt. In die Kneipe hatte er zum Diskussionsabend eingeladen - Robert Reißner aus Plauen, Kandidat für Die Linke. Ein rundes Dutzend Leute einschließlich der Unterstützer aus Partei und Oelsnitzer Fraktion kam. Reißner ist 35 Jahre alt, parteilos, ledig und von Beruf Marketingmanager, tätig für eine Firma in Greiz. Von der Welt hat er schon einiges gesehen. Vom Studium in Erfurt kam er über VW nach Südafrika, lebte einige Jahre in London und war eine Zeitlang selbstständig, erzählt der junge Mann. Mit seiner Kandidatur will er "ein Zeichen gegen Politikverdrossenheit und Xenophobie setzen". 
Reißner arbeitet die zahlreichen Vorhaben seines Wahlflyers ab - Motto: "Potenziale nutzen, Neues wagen". Da lassen ihm schon die Zwischenfragen kaum Luft. Was er von Oelsnitz wisse, interessiert Buchhändlerin Kathrin Jacob. "Nicht sehr viel", gesteht Reißner. Später setzt Jacob nach: "Warum Oelsnitz? Weil ein Posten frei ist?" Reißner erklärt sein Interesse als Vogtländer. Zwischenruf: "Warum bewerben Sie sich nicht als Landrat?"
Stadtrat Christoph Apitz (DSU) erwartet konkrete Vorstellungen zum Thema "Gesicherte Gesundheitsversorgung", bei dem für den Bewerber "das Werben von Hausärzten" ganz vorn steht. Wie er das schaffen wolle, "wenn die Kassenärztliche Vereinigung erkläre, dass alle Stellen belegt sind, wie die Mediziner bewegen, von Plauen in die Schlafstadt Oelsnitz zu kommen?" "Dann muss man eben Angebote schaffen, schnell zum Arzt in Plauen zu kommen", meint Reißner. 
Christine Wöllner vermisst Aussagen, wie der Kandidat in der Kommunalpolitik Bewährtes fortführen will, ja, ob er darüber aus den vergangenen sieben Jahren Kenntnis hat. Sie wundere sich über "die Leute von irgendwoher, die jetzt Oberbürgermeister werden wollen". Fördern will Reißner "Wirtschaft und Handel" und dabei in allen Ortsteilen die Gastronomie. Den Ansatz findet Apitz plakativ, das Kneipensterben sei allgemein zu beobachten. Wie soll die Unterstützung aussehen, wenn Wirte nicht von ihrem Einkommen leben können? Dann müssten in den Ortsteilen Taxis bereit stehen, damit die Leute nach Oelsnitz fahren können, schlägt Reißner vor. Der Stadtrat pickt sich einen weiteren Punkt heraus: "in bewährte Strukturen der Jugendarbeit investieren und in den Ortsteilen ausbauen". Doch auf Nachfrage kann Reißner die Strukturen in Oelsnitz nicht erklären. Die Analyse mache er nach der Wahl. "Es würde sehr gut erscheinen, wenn sie die schon gemacht hätten", wirft Göran Schmidt trocken ein. Ortsvorsitzender Lars Legath wirbt um Verständnis. Es sei Reißners erster Diskussionsabend. 
Aus dem Wahlprogramm sticht ein weiterer Punkt hervor - "ein modernes Zentrum für Existenzgründerinnen und -gründer, um langfristig den Standort Oelsnitz von innen heraus entwickeln zu können". 
Das gab es hier schon mal in den 90er Jahren - im einstigen Kreiskrankenhaus. Es ging nur leider krachend scheitern. Das Gebäude steht seither leer. Aber, wer weiß, mit einem seriösen Träger? 
Sie sei gern in Oelsnitz, bekennt Buchhändlerin Kathrin Jacob, aber die Stadt habe ein Image-Problem. Es brauche junge Leute, die sich primär für Oelsnitz einsetzen. "Es ist wichtig, dass ein Kandidat sich mit der Stadt identifiziert, das kam bei Reißner nicht "raus", äußerte ein weiterer Gast.
Das Wahlprogramm von Robert Reißner ist auf der Internet-Seite www.dielinke-vogtland.de nachzulesen. Der Kandidat ist unter der Nummer 03741/201695 auch telefonisch zu erreichen.