Reiselust wird zu Frust

Eigentlich würde sich Christian Jacob jetzt unter der heißen Sonne Afrikas sonnen. Nun sitzt er aber in seinem Garten in Lengenfeld und genießt die Märzsonne. Corona hat ihm und vielen anderen Menschen die lang ersehnte Urlaubsreise vermiest. Auch die Reiseanbieter sind verzweifelt - und in der Verbraucherzentrale stehen die Telefone nicht still.

Von Cornelia Henze

Plauen/Lengenfeld Die Jacobs aus Lengenfeld und ein befreundetes Ehepaar aus Rostock hatten es sich so schön vorgestellt: Im Internet buchte der 76-Jährige vor längerer Zeit bei dem Reiseanbieter Sonnenklar TV eine Kombireise. Je eine Woche sollte es nach Senegal und dann zum Badeurlaub nach Gambia gehen. "Das war ein ganz schön großer Aufwand. "Wir mussten uns gegen Gelbfieber, Tollwut, Malaria und Cholera impfen lassen", so Christian Jacob. Doch dann kam Corona. Diesen Dienstag sollte der Flieger nach Afrika gehen - am Montag hatte Herr Jacob storniert. Der Veranstalter habe keine großen Probleme gemacht. Angeboten wurde ihm Geld zurück, umbuchen oder Reise verschieben. "Ich bin froh, dass wir in dieser Situation nicht geflogen sind und dass die Stornierung einfach ging", so der Lengenfelder, der sich wegen Alter und einiger Krankheiten selbst zur Risikogruppe zählt. So reibungslos wie bei Herrn Jacob geht es nicht überall zu. Wer Probleme hat, holt sich Hilfe bei der Verbraucherzentrale. Das Thema Reise beherrsche gerade die Thematik, sagt Plauens Verbraucherberaterin Claudia Neumerkel. Grundsätzlich gilt: "Die Reise stornieren kann man jederzeit, ob kostenfrei, ist die spannende Frage". Allerdings sei die Rechtslage nicht in allen Dingen klar. Wegen der Corona-Krise könnten die Leute derzeit meist problemlos Reisen, die bis Ostern gebucht sind, stornieren. Schwieriger werde es bei Reisen, die erst nach Ostern liegen und bis in den Sommer hinein gehen. Keiner könne derzeit in die Glaskugel schauen und sagen, ob sich nicht bis dorthin die Lage entspannt und das Auswärtige Amt die Reisewarnung wieder aufgehoben habe. Deshalb ließen sich manche Reiseveranstalter nicht gerne auf gebührenfreies Stornieren ein. Claudia Neumerkels Rat: Die Stornowünsche so zeitig wie möglich dem Reiseveranstalter mitteilen - und abwarten. Freilich gebe es auch aktuell Anbieter, die sich aus wirtschaftlichen Gründen weigern, den Kunden ohne Schaden aus der Reisebuchung rauszulassen - manchmal auch in Unkenntnis über geltendes Reiserecht. Mancher Reiseveranstalter will das Geld nicht zurückerstatten, dafür aber den verhinderten Reisenden mit Gutscheinen abspeisen oder in die Umbuchung drängen. "Das muss keiner machen", sagt Neumerkel. Wenn ein Anbieter das bereits bezahlte Geld nicht zurück zahlen will, ist das schmerzlich. Das sind zum Teil um die 8000 Euro für Kreuzfahrten - aber auch die 150 Euro für eine Bus-Tagestour ist für eine Oma mit schmaler Rente viel Geld. Den Anrufern geht es außerdem um Stornierungen für Hotels und gebuchte Säle: Hochzeiten, Konfirmationen und Jugendweihen sind wegen dem Corona-Virus passé.
Bitter ist die Lage auch für Reisebüros und Reiseunternehmen. "Für die Reisebranche ist es existenzbeängstigend - ohne vorgreifen zu wollen, ob es so bleibt", sagt Susanne Otto, Inhaberin von "Susis Reisetreff" in Auerbach und Falkenstein. Egal, ob es auf Kreuzfahrt rund um die Welt geht oder per pedes auf den Jacobsweg: Nirgendwo können die Menschen jetzt hinreisen - ergo wurden Reisen für die nächsten Wochen haufenweise abgesagt. Gebucht wurden schon Reisen über den Sommer bis in den Herbst hinein. Spezialisiert hat sich das Vierer-Team von "Susi" seit vorigem Jahr unter "Camino Tours" auf organisierte Wander- und Pilgerreisen auf dem Jacobsweg, der durch gerade von Corona heftig heimgesuchte Länder Spanien, Italien und Frankreich führt.
Kalt erwischt von der Absagewelle hat es auch den Rodewischer Busunternehmer Tino Dutzky von "Göltzschtalverkehr" und "Göltzschtalreisen". Ein Standbein waren für ihn Schülerreisen. Doch die Klassenfahrten wurden bis Schuljahresende alle abgesagt. Zum Glück fahre er nach wie vor für den Zwickauer Verkehrsbetrieb den ÖPNV-Linien- und Werksverkehr, so dass Dutzky noch für seine Fahrer noch keine Kurzarbeit anmelden musste.
Christian Jacob indes ist optimistisch. "Wenn die Krise vorbei ist und es uns noch gut geht, holen wir die Afrika-Reise nach."