Rein ins zweite Ich

Mal wer anderes sein: Im Kostümfundus des Plauener Theaters kann man sein wahres Ich ausleben. So wie Anton Ernst und Anna Peipmann, die als Steinzeitpärchen zum Fasching ihrem Affen Zucker geben.

Von Cornelia Henze

Plauen Wegen der roten Haare und des lustigen Zwirbels auf dem Kopf nennt ihre Familie sie seit der Kindheit gerne "Pebbles". Das ist das kleine süße Töchterlein von Fred und Wilma Feuerstein - eine Kult-Trickfilmserie aus den 60er Jahren, die heute fast kein Kind mehr kennt. In der Kindheit von Anton und Anna waren sie noch megapräsent, was die beiden auf die Idee brachte: "Zum Fasching in Strasberg am 15. Februar sind wir Pebbles und Bamm Bamm. Nur sind sie jetzt groß geworden".
Anton und Anna haben Glück, dass es Tino Helbig gibt. Der Herr aller 80.000 Kostüme im Plauener Vogtland-Theater weiß gleich, in welche Kleiderständer er zu greifen hat. Nach wenigen Minuten kommt Helbig mit einer zerfetzten Hose und mehreren scheinbar abgeschabten Lammfellwesten an. "Ich weiß schon, wie ihr damit ausseht - hab alles schon im Kopf", sagt der Tausendsassa-Theatermann mit verschmitztem Lächeln und fängt an, kaum hat sich das Plauener Pärchen umgezogen, an den Klamotten á la "Familie Feuerstein" zu zupfen.
Das ganze Jahr über steht der Kostümfundus des Theaters auch Nicht-Theaterleuten offen: Schüler greifen auf ihn für Theater-Schulaufführungen zurück, Vereine und Städte für Jubiläen und historische Festumzüge. Egal ob im Vereinsheim oder im großen Corso zum Tag der Sachsen. Jetzt zur Faschingszeit klopfen Plauener und viele Vogtländer nur zu gerne an Helbigs Tür. 16 Euro pro Kostüm sind für das einwöchige Leihen pro Kostüm zu berappen. Nach der Karnevalssause ist es gereinigt wieder zurück zu bringen. "Bei uns ist jedes Kostüm ein Unikat, keines gibt es mehrmals in verschiedenen Größen, wie sich manche Leute das so vorstellen", sagt der Funduschef. 16 Kostümbildner, eine Hutmacherin, Strickerin und weitere Kostümexperten kümmern sich um den Fundus, der mit jeder Inszenierung wächst. Da es das Plauener Theater seit 130 Jahre gibt, stammen auch die ältesten Kostüme aus jener Zeit: Das sind zum Beispiel Renaissance-Kleider, plaudert Helbig aus der Kleiderkiste.
Und als was gehen die Plauener am liebsten auf die Fastnacht? Klassiker, wie Cowboy und Indianer sind out. Dafür florieren "Digitale Themen" oder Fantasy-Helden aus TV, von Kinoleinwand und Musicalbühne. So kann es gut sein, dass man auf dem Kostümball Alice im Wunderland oder Captain Jack Sparrow begegnet. Und: Voll im Trend sind Motto-Kostümbälle im Look der Goldenen 20er Jahre. Das Sich-Verkleiden ist bei weitem keine Frage des Alters. Von Jung bis Alt kleidet Tino Helbig jeden auf Wunsch ein. "Ein Paar so um die 80 kommt seit Jahren. Die fahren immer zum Karneval nach Köln."

Kostümverleih Theater: Montag, 8 bis 12 und 12.30 bis 14 Uhr und dienstags nach Vereinbarung: 03741-28134878.