Reichenbacher Wolfgang Viebahn kehrt BUND den Rücken

Wolfgang Viebahn, das Reichenbacher Urgestein des Umwelt- und Naturschutzes, hat dem BUND den Rücken gekehrt und sich dem "Landesverein Sächsischer Heimatschutz" zugewandt.

Reichenbach - Zerwürfnisse auf personeller Ebene im Landesverband Sachsen des "Bundes Umwelt und Naturschutz Deutschland", die bis ins Vogtland hineinreichen, nennt der pensionierte Lehrer als Gründe für seinen Austritt. Schade, denn Wolfgang Viebahn hat die Kreisgruppe Reichenbach des BUND 1991 mit gegründet und stand ihr bis zuletzt sogar vor. In all den Jahren hat er sich zusammen mit seinen Mitstreitern aktiv für den Natur- und Umweltschutz eingesetzt, sozusagen moralische Kontrolle ausgeübt und den Finger in viele Wunden gelegt, wenn es der Natur und intakten Umwelt an den Kragen gehen sollte.

Gründungsanlass der BUND-Kreisgruppe war beispielsweise eine geplante Baumfällung im Göltzschtal. "Wir haben bei solchen Aktionen für Gegenwind gesorgt und auch viel Aufklärungsarbeit betrieben", beschreibt Viebahn das ehrenamtliche Wirken der Naturschützer. Dabei habe man sich auch manchmal aufgerieben, bedauert er. Denn nicht immer habe der Einsatz zum Erfolg geführt. Und weil zudem ein Überalterungsprozess im Naturschutzbund einsetzte, der Nachwuchs fehlte und auch eine geplante Arbeitsgemeinschaft für Kinder und Jugendliche nicht zustande kam, habe sich die Arbeit im Laufe der Jahre nicht einfacher gestaltet. Die jüngsten Querelen im Verband gaben letztlich den Ausschlag für Viebahns Rückzug.

Dieser Schritt fiel dem agilen, ehemaligen Pädagogen ein wenig leichter, weil er zwischenzeitlich im Erforschen der Heimatgeschichte eine neue, "tagesausfüllende Beschäftigung" gefunden hat. Auf diesem Gebiet zählt Wolfgang Viebahn in seiner Heimatstadt mittlerweile zu den gefragten Persönlichkeiten, die sich auskennen und bei ihren Forschungen auch wichtige und interessante Details aus der Vergangenheit hervorholen.

Ausgehend von seinen Aktivitäten im Natur- und Umweltschutz richtete sich sein historischer Blick am Anfang auf Vorläufer der BUND-Gruppe. So erschien 2009 in der publizistischen Reihe des Neuberinmuseums ein erstes, von Wolfgang Viebahn verfasstes Büchlein mit dem Titel "Natur im Blick". Bereits ein Jahr später veröffentlichte er eine Biografie über die Jugendjahre von Heinrich Dathe, der in Reichenbach geboren wurde und seine Jugend hier verbrachte. Dathe ist mittlerweile Ehrenbürger von Reichenbach.

Viele Projekte in Arbeit

Noch in diesem Jahr will er zusammen mit anderen Autoren ein Buch über die Mühlen an der Göltzsch herausbringen. Umfangreiche Forschungen haben erbracht, dass es in unserer Gegend im Laufe der Jahrhunderte über 120 Mühlenstandorte gegeben hat, darunter beispielsweise Hammer-, Mahl-, Schneide-, Öl-, Knochen-, Walk- und Papiermühlen. Neben der schriftstellerischen Tätigkeit gibt Wolfgang Viebahn sein heimatgeschichtliches Wissen in Vorträgen unter anderem beim Verein "Aqua et Natura" ("Reichenbach am Wasser gebaut") und bei einer Stadtführung ("Auf kriminellen Spuren ...") weiter. Er widmet sich Reichenbacher Originalen und originellen Reichenbachern und hat auch bei der Ausgestaltung der städtischen Festveranstaltung zu Ehren des 100. Geburtstages von Heinrich Dathe mitgewirkt.

Auch die "Beiträge zur Geschichte der Stadt Reichenbach im Vogtland", aus Anlass der 1212 erfolgten Ersterwähnung der Stadt im vergangenen Jahr erschienen, tragen in einigen Beiträgen Viebahns Handschrift. Und die vogtländischen Baumseminare, die seit 1997 in zweijährigen Abständen stattfinden, hat er zusammen mit dem Biologie-Professor Siegfried Kluge aus Neumark aus der Taufe gehoben. Daraus ist im Jahr 2005 auch eine "Kleine Baumfibel" entstanden. Heimatgeschichte gehört heute zweifelsohne zu den großen Steckenpferden von Wolfgang Viebahn, der ständig nach neuen Themen Ausschau hält. Derzeit sind es unter anderem das Thema "Zwangsarbeit in Reichenbach und Umgebung" und 2014 die Erinnerung an den vor hundert Jahren ausgebrochenen Ersten Weltkrieg.

Wechsel des Vereins

Trotzdem bleibt Viebahn dem Natur- und Umweltschutz treu, nun im Rahmen des "Landesvereins Sächsischer Heimatschutz", der von dem in Reichenbach aufgewachsenen Prof. Dr. Hans-Joachim Hardtke geleitet wird. Der Landesverein wurde bereits 1908 in Dresden gegründet und auch nach 1945 nicht aufgelöst. Allerdings hat man nach dem Krieg die vereinseigenen Flächen enteignet. Die Stadt Reichenbach trat dem Verein 1909 bei.

Zwar agiert der Landesverein Sächsischer Heimatschutz verstärkt in der Dresdner Gegend, hat aber auch in anderen Teilen Sachsens Mitglieder. Viebahn ist jetzt dabei, die Vogtländer innerhalb des Vereins zusammenzuführen. Wie er sagt, beschränkt der Heimatschutz sein Wirken nicht nur auf den Natur- und Umweltschutz, sondern widmet sich auch der Heimat- und Industriegeschichte, der Denkmalpflege, der Volkskunst und der Volkskunde.