Reichenbacher Bürgerpreis geht an Bitex

Sie geben nicht auf beim Kampf um den Erhalt der Hochschule in Reichenbach. Deshalb gebührte der Reichenbacher Bürgerpreis 2013 der Bürgerinitiative "Bitex", der mittlerweile schon 3000 Menschen angehören.

Reichenbach - Der Jahresempfang 2013 des Reichenbacher Oberbürgermeisters Dieter Kießling stand am Freitag ganz im Zeichen des ehrenamtlichen Engagements. Waren es in den vergangenen Jahren zumeist wirtschaftliche und städtebauliche Erfolge und Zielsetzungen, die im Vordergrund standen, so brauche die Stadt jetzt vor allem bürgerschaftliches Engagement, um die Herausforderungen der Zeit zu meistern, sagte er.

Noch unter dem Eindruck der jüngsten Hochwasserkatastrophe auch im Vogtland hatte Kießling die erst vor zwei Jahren eingeweihte neue Feuerwache der Stadt als Veranstaltungsort gewählt. Zudem verteidigte er die in der Reichenbacher Verwaltung angewandte Praxis, dass Feuerwehrleute bei einer Einstellung bei gleicher Eignung anderen Bewerbern vorgezogen werden. Auch die zunehmende Überalterung der Bevölkerung bereitet dem Reichenbacher OB Kopfzerbrechen. Die Stadt verliert jährlich 250 bis 300 Einwohner und er sieht keine Bevölkerungspyramide mehr, sondern eher einen Bevölkerungsbaum mit immer mächtig werdender Krone. Dadurch fehlen zunehmend einsatzfähige Kräfte bei Feuerwehr, THW, DRK und anderen Organisationen. Das führt aber auch zu Ärztemangel und zu einem Schwund an Studentenzahlen.

Ein Argument des Wissenschaftsministeriums, um das Aus des Hochschulteils Reichenbach der Westsächsischen Hochschule Zwickau zu begründen. Für den OB wie für viele Reichenbacher und Vogtländer stellt das eine "schmerzliche und schädliche Entwicklung" dar. Kießling setzt deshalb auf die Reichenbacher Jugend. Zum Jahresempfang hatte er die Abiturienten eingeladen, die er aufforderte, nach ihrer Ausbildung in die Heimat zurück zu kehren: "Reichenbach wartet auf Sie!" Bürgerschaftliches Engagement bedeute aber auch kommunalpolitischen Einsatz. Deshalb rief der OB die Reichenbacher auf, zur Kommunalwahl im nächsten Jahr zahlreich für den Stadtrat zu kandidieren. Mit dem Reichenbacher Bürgerpreis wird in diesem Jahr die Bürgerinitiative zum Erhalt des Hochschulstandortes Reichenbach (Bitex) geehrt. Die Gründungsmitglieder Wolfgang Horlbeck und Peter Tillack nahmen den Preis zum Jahresempfang des Oberbürgermeisters stellvertretend für mittlerweile fast 3000 eingeschriebene Mitglieder entgegen.

Zehn Bürgerpreise hat Reichenbach bisher vergeben, gläserne Stelen, in die der Wasserturm als Wahrzeichen der Stadt eingraviert war. Diese Serie wurde in diesem Jahr beendet. Der 11. Bürgerpreis steht ganz im Zeichen des bürgerschaftlichen Engagements: Im gläsernen Block wurde mittels 3-D-Laserung die Mattheuer-Plastik "Gesicht zeigen" nachempfunden. Außerdem erhielten die Preisträger eine Urkunde sowie einen 500-Euro-Geldpreis. Zudem trugen sich Horlbeck und Tillack ins Goldene Buch der Stadt ein. Unter dem Motto "Nur wer sich in Bewegung setzt, kann etwas bewegen" hatte sich die Bitex nach Bekanntwerden der Schließungspläne gegründet. Man wollte eine breite Öffentlichkeit für das Thema sensibilisieren und erreichen, dass der ältestes textile Bildungsstandort Deutschlands im Bewusstsein der Menschen bleibt, erinnerte Wolfgang Horlbeck. Heute gehe es mehr und mehr darum, eine angemessene und nachhaltige Alternative für den Bildungsstandort und die bestehenden Gebäude zu finden.

Die Schließung des Hochschulteils sei von der Staatsregierung ohne Einlenken auf den Bürgerwillen durchgezogen worden. "Da ist etwas faul im Staate Sachsen", bemühte Horlbeck William Shakespeare bei seinen Dankesworten.