Reichenbacher Bahnhof zu versteigern

Der Reichenbacher Bahnhof soll versteigert werden. Das ist ein neues Kapitel in der schier endlosen Geschichte des markanten Bahnhofsgebäudes, das 1870 errichtetet wurde.

Reichenbach - Abstieg und Verfall des Bahnhofs in der Neuberinstadt begannen bereits kurz nach der Wende. Jahrelange Verkaufsbemühungen der Bahn blieben seither erfolglos. Auch die private Initiative eines Mylauers, potenzielle Mieter für den Bahnhof zu finden, führten nicht zu einer sinnvollen Weiternutzung des Hauses. Ein Grund dafür waren wohl die Meinungsverschiedenheiten der Verhandlungspartner. Denn der Mylauer hatte eine Musikband an der Angel, die im Bahnhof zwei Großveranstaltungen durchgeführt hatten. Doch auf mehr und länger habe sich die Bahn mit den Musikern damals nicht einlassen wollen, erzählt er.

Jetzt nun die Versteigerung. Sie findet am 25. November auf der Sächsischen Grundstücksauktion in Dresden statt. Neben dem Reichenbacher stehen dort noch zahlreiche weitere Bahnhofsgebäude zur Versteigerung, unter anderem der Bahnhof Sankt Egidien bei Zwickau. Im Auktionskatalog wird Reichenbach als Stadt mit zirka 20 200 Einwohner bezeichnet, die zentral in der Vierländerregion Bayern, Tschechien, Sachsen und Thüringen, zwanzig Kilometer südwestlich von Zwickau und 25 Kilometer nordwestlich von Plauen liegt. Der Bahnhof befindet sich laut Katalog in guter Geschäftslage, 1,4 Kilometer vom Marktplatz entfernt.

Weiter wird angeführt, dass das denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude in den neunziger Jahren teilsaniert wurde, über eine Gas-Zentralheizung, etagenweise geflieste Sanitäranlagen sowie Holzthermofenster verfügt. Insgesamt wird der Gebäudezustand allerdings als sanierungsbedürftig eingeschätzt. Im Bahnhof befinden sich ein Kiosk sowie ein Reisezentrum. Laut Auskunft der Pressestelle der Bahn sollen Reiseagentur mit Fahrscheinverkauf, Aufzüge und Bahnsteigansagen auch über die Versteigerung hinaus erhalten bleiben. Das wird insbesondere mit dem Aufzug schwierig werden, weil Zu- beziehungsweise Ausgang sich in der Bahnhofshalle befinden.

Auf die Frage, ob es Einschränkungen für die Versteigerung oder Kaufinteressenten gebe, an die der Bahnhof nicht versteigert würde, antwortet die Bahn mit einem klaren "Nein". Anderswo haben die Städte teilweise ihre verwaisten Bahnhofsgebäude übernommen und sie beispielsweise zu Vereinshäusern oder Einkaufstempeln umgenutzt. In Reichenbach besteht dahingehend kein Interesse. Das Mindestgebot für den Bahnhof Reichenbach liegt zur Versteigerung Ende November bei 12 000 Euro.