Reichenbach verliert Hochschule

Das Aus für den Hochschulstandort Reichenbach scheint besiegelt. Gestern verkündete Sachsens Wissenschaftsministerin die anstehende Schließung wegen zu "geringer Nachfrage". Dresden/Reichenbach - An Sachsens Hochschulen sollen in den kommenden Jahren Außenstandorte geschlossen und Stellen abgebaut werden. Das sieht der Entwurf des Hochschulentwicklungsplans bis 2020 vor, den Wissenschaftsministerin Sabine von Schorlemer (parteilos) gestern in Dresden vorstellte. Damit will das Ministerium dem demografischen Wandel in Sachsen begegnen. Die Kunsthochschulen seien davon jedoch ausgenommen. Vom Aus betroffen seien die Außenstellen Reichenbach der Westsächsischen Hochschule Zwickau und Roßwein der Hochschule Mittweida. An beiden Standorten gebe es weniger als 180 Studenten, sagte Schorlemer. In Reichenbach soll die Fakultät für Architektur nach Leipzig und das Institut für Textil- und Ledertechnik nach Zwickau verlegt werden. Die Nachfrage dieser Fächer sei "sehr gering" und die Auslastung "nicht nachhaltig". Zudem seien an den Gebäuden in Reichenbach erhebliche Investitionen bis zu zwölf Millionen Euro nötig, ergänzte der zuständige Ministerialdirigent Ronald Werner. Schorlemer bestätigte, von Landrat Dr. Tassilo Lenk einen Protestbrief gegen die Abwicklung des Standortes erhalten zu haben. Sie werde die Entscheidung am Freitag persönlich in Reichenbach darlegen. Bis 2016 sollen dem Entwicklungsplan zufolge 300 Stellen an den sächsischen Hochschulen eingespart werden. Angesichts des derzeitigen Personalbestands von 9 000 Stellen sei dies ein moderater Abbau, ergänzte Schorlemer. Ab 2013 wären das jeweils einhundert. Die Universität Leipzig müsste demnach von 2013 bis 2015 72 Stellen abbauen. An der Technischen Universität Dresden wären es im gleichen Zeitraum 94, an der TU Chemnitz 42, an der TU Bergakademie Freiberg 36 und an der Fachhochschule Zittau-Görlitz drei. Kündigungen seien nicht vorgesehen, hieß es, nur "Altersabgänge". Das Ministerium erwartet, dass bis 2012 die Zahl der Studienanfänger von derzeit 18 200 auf 16 900 zurückgeht. Da der Rückgang stärker ausfalle als der Stellenabbau, werde sich das Betreuungsverhältnis an sächsischen Hochschulen verbessern, gab Schorlemer zu bedenken. Laut dem Entwurf sollen die Hochschulen die Streichungen nutzen, um ihr Profil zu schärfen und Schwächen abzubauen. Nach Bekanntgabe des Entwicklungsplanes würden konkrete Zielvorgaben mit den Universitäten ausgearbeitet. "Es wird aber keine Detailsteuerung geben", sagte die Ministerin. Je nachdem, wie gut die Hochschule die Ziele umsetze, gebe es zusätzliche Mittel aus dem Staatshaushalt. Schorlemer wies das Hochschulkonzept der FDP einer "Universität Sachsen" erneut zurück. "Was wir nicht brauchen, sind markige Sprüche, die sich nicht unterlegen lassen." Der Entwurf soll bis zum Sommer vom Kabinett verabschiedet werden. Bis dahin haben die Hochschulen Zeit, zu den Plänen Stellung zu nehmen. va