Reichenbach: Hochschul-Teil als Klotz am Bein

Reichenbachs Oberbürgermeister Dieter Kießling wirkt geschockt. Nach seiner Meinung, will die Westsächsische Hochschule ihre Außenstelle in Reichenbach fallen lassen wie eine heiße Kartoffel.

Reichenbach - Sichtlich betroffen berichtete Kießling am Montagabend dem Reichenbacher Stadtrat von den Schließungsplänen. Er befürchte, damit sei das Aus für den einzigen Hochschulstandort im Vogtland besiegelt, sagte er. Enttäuscht zeigt sich der OB vor allem davon, dass er zum wiederholten Male nur indirekt von Vorhaben erfahren habe, die die Belange Reichenbachs direkt betreffen. Hatte ihn die Wissenschaftsministerin vor wenigen Wochen über Landtagsabgeordneten Kienzle von den Schließungsplänen informiert, so erfuhr Kießling diesmal durch eine Pressemitteilung vom Sinneswandel der Hochschulleitung.

"Wenn Zwickau nicht will, kann auch das beste Konzept den Standort Reichenbach nicht mehr retten." Kurz und knapp fällt das Urteil von Stadtrat Volker Liskowsky aus, der selbst an der Westsächsischen Hochschule in Zwickau eine Professorenstelle innehatte. Er glaubt, die Außenstelle Reichenbach werde von der Hochschulleitung als "Klotz am Bein" empfunden.

"Wenn Zwickau nicht will, kann auch das beste Konzept den Standort Reichenbach nicht mehr retten", sagt der Reichenbacher Stadtrat Volker Liskowsky, der selbst an der Westsächsischen Hochschule in Zwickau eine Professorenstelle innehatte. Er glaubt, die Außenstelle Reichenbach werde von der Hochschulleitung als "Klotz am Bein" empfunden. Mit der Abkehr vom Vogtland wolle man den Standort Zwickau stärken. Liskowsky persönlich kann dieses Bestreben nicht verstehen. Schließlich sei Reichenbach der Standort der Hochschule gewesen, der sogar bis nach Franken hineingestrahlt habe. Diese Magnetwirkung werde nach einer Schließung verloren gehen. Andere bundesdeutsche Hochschulen würden ihre Außenstellen dagegen weiterentwickeln und stärken, weiß der Professor zu berichten. Als Beispiele nennt er Wolfsburg/Braunschweig und Esslingen.

Was sagen in Reichenbach tätige Mitarbeiter der Hochschule? Verwaltungsleiter Ulrich Pfitzner äußert sich enttäuscht. "Mit uns wurde nicht gesprochen, wir haben keine Informationen bekommen. Wir wurden wie die Öffentlichkeit informiert." Rainer Hertting-Thomasius, Dekan der Fakultät Architektur, würde gern den Standort Reichenbach halten - doch die Chancen stehen gering nach seinen Worten. "Das ist schade, denn das Reichenbacher Studienmodell hat sich bewährt: Ein eigener Arbeitsplatz für jeden Studenten, das gemeinsame Arbeiten und Leben hat sich bewährt - ein großer Vorteil, den man aufgeben würde. Aber für den Fall der Schließung muss die Architektur-Ausbildung in Zwickau weiter gehen", sagt der Professor.

Die Leitung der Westsächsischen Hochschule Zwickau (WHZ) hatte sich am Montag überraschend für ein Aus ihre Außenstelle in Reichenbach ausgesprochen, nachdem Zwickau wochenlang für Reichenbach gekämpft hatte. Jetzt sollen Textil- und Ledertechnik sowie Architektur nach Zwickau "gehen". Als Gründe führt die WHZ hohe Investitionskosten in Reichenbach an. Die kursierenden Zahlen bezeichnet Professor Hertting-Thomasius als zu hoch: "13 Millionen halte ich für überzogen. Nach meiner Meinung reichen 3 bis 4 Millionen aus."

Offiziell ist ein Variantenvergleich (Ausbau Reichenbach und Umzug nach Zwickau) in Arbeit. Auf Basis dieser Zahlen wolle das Ministerium entscheiden.    ina/ufa