Reichenbach: Frauen nutzen Zufluchts-Ort

Eine Frau stammte aus Zwickau, eine aus Freiberg. Von den 17 Frauen haben zwölf die dauerhafte Trennung der zerrütteten Partnerschaft geschafft. Fünf kehrten trotz negativer Erfahrungen zu ihrem Partner zurück. Darüber hinaus fanden auch 540 Beratungsgespräche mit Betroffenen statt. Da die Wohnung als Zuflucht und zum Schutz für Menschen dient, die von häuslicher Gewalt bedroht oder betroffen sind, wird ihr Standort nicht öffentlich bekannt gegeben.

Umso schwieriger ist es für Doreen Lindel, die Betreuerin, die Öffentlichkeit über diese spezielle Schutzmöglichkeit zu informieren. Ständig zieht sie durch den Landkreis, und versucht, Flyer und Plakate in Arztpraxen, öffentlichen Einrichtungen oder Ämtern auszulegen oder anzubringen. Am Montag stellte die Sozialpädagogin, die seit fast fünf Jahren die vom DRK Auerbach seit 1993 betriebene einzige derartige Einrichtung im Vogtlandkreis betreut, das Projekt Schutzwohnung dem Sozialausschuss der Stadt Reichenbach vor.

Denn dass die Frauen- und Kinderschutzwohnung gebraucht und angenommen wird, zeigen die Betroffenenzahlen der vergangenen Jahre. Frau Lindel zählt pro Jahr durchschnittlich zwanzig Frauen, die allein oder mit Kindern ihre Hilfe im Schutz der Wohnung in Anspruch nehmen. Die Dunkelziffer der Menschen, die zu Hause geschlagen beziehungsweise seelische oder sexualisierte Gewalt erfahren, ist vermutlich viel höher. Doch das Schamgefühl, private Missstände offen zu legen, überwiegt, so dass viele Betroffene die Demütigungen und Schmerzen lange Zeit ertragen.

Das muss nicht sein. Doreen Lindel ermutigt jeden Betroffenen, sich mit ihr in Verbindung zu setzen. Manchmal helfe schon ein Gespräch weiter, erklärt sie. Manchmal sei aber die Zuflucht in der Schutzwohnung unumgänglich. Dort können Frauen und Kinder bis zu neunzig Tagen durchschnaufen, sich erholen und ihr Leben mit Frau Lindels Unterstützung neu ordnen. Denn von der Sozialpädagogin kommt nicht nur schnelle Hilfe im Notfall. Sie unterstützt Betroffene auch beim Neuanfang.

Mit der Frauen- und Kinderschutzwohnung können Betroffene rund um die Uhr Kontakt aufnehmen. Ansprechpartner sind unter der Handy-Nummer 0173/37202670 beziehungsweise unter der Auerbacher Rufnummer 03744/83010 erreichbar. In Notfällen erhält man auch unter dem Polizeinotruf 110 Hilfe.