Reiche Ernte in Sicht

Die Fachleute der landwirtschaftlichen Versuchsstation in Christgrün an der Talsperre Pöhl schauen optimistisch in die Zukunft: "Wir erwarten gute bis sehr gute Erträge", sagt Stationsleiterin Sylvia Neuber.

Pöhl/Christgrün - "Die Roh-Erträge liegen bei der Winter-Gerste in Christgrün bei 85 Dezitonnen pro Hektar, bei Weizen bei 100 Dezitonnen und bei Sommer-Gerste bei etwa 80 Dezitonnen." Das Wetter helfe, die Ernte einzubringen, weil die Felder gut befahrbar seien. Spätestens Ende August sei die Ernte der Druschfrüchte abgeschlossen, also des Getreides und der Leguminosen (Bohnen, Erbsen).
Nach den Worten Neubers könnte es dann ruhig wieder mal regnen: "Das wäre gut für die Kolben vom Mais, dessen Ernte Ende September ansteht, und auch für das Grünland, das bereits recht ausgedörrt ist. Ansonsten gibt es Ertragsverluste und es fehlt an Winterfutter."
Wie war das Wetter 2020 bisher? "Durchwachsen", sagt die Fachfrau und spricht von nassen und trockenen Wochen. "Doch zur Kornfüllung, einer entscheidenden Phase im Getreideanbau, stand genug Wasser zur Verfügung."
Zu wenig Wasser sei schlecht, zu viel leider auch: Feuchte befördert Frau Neuber zufolge Pflanzenkrankheiten und -schädlinge: "Nach dem Juni-Regen kamen einige Krankheiten stärker zum Vorschein. Vor allem der Gelbrost, ein Pilz, befiel in Christgrün ungewöhnlich stark die Triticale, ein Getreide, das aus Weizen und Roggen gezüchtet ist. Nirgendwo im Vogtland oder Sachsen wurde Ähnliches beobachtet."
Welche Probleme gab es noch? Durch Nachtfröste im Frühjahr musste mancher Landwirt seine Winter-Gerste zu Viehfutter verarbeiten, um einen Totalverlust zu vermeiden. Und Frau Neuber nennt die Mäuseplage, die nächstes Jahr noch schlimmer werden könnte. "Die Population schaukelt sich auf - und bricht dann zusammen. Vermutlich befinden wir uns in de Aufbauphase, welche noch ein bis zwei Jahre anhalten kann."
Apropos Schädlinge: Laut Frau Neuber hat besonders der Sommer-Weizen unter der Getreidehalmfliege zu leiden, deren Larven sich in den Stängel bohren und die Leitbahnen anfressen; die Pflanzen verkümmern. "In Christgrün laufen derzeit Versuche, wann das Insektizid die meisten Getreidehalmfliegen tötet: Zum einen werden Rückschlüsse aus Tagestemperaturen gezogen, zum anderen Fliegenfallen aufgebaut."
In der Versuchsstation Christgrün werden mehr als 250 Sorten Getreide, Futterpflanzen und -gräser auf Hunderten kleinen "Feldchen" getestet: Welche Sorte eignet sich am besten - für welche Böden unter welchen klimatischen Bedingungen? "Wir testen auch Pflanzenschutzmittel sowie Dünger, Gülle und Gärreste. Am Ende des Jahres geben wir Empfehlungen, die auf unserer Homepage nachzulesen sind", erklärt Frau Neuber.
Sie verweist zudem auf öffentliche Veranstaltungen der Versuchsstation: Nachdem der Feldtag wegen Corona abgesagt worden war, findet am Donnerstag, 17. September, 9 Uhr, ein Maistag in Christgrün statt, zu dem die heimischen Landwirte herzlich eingeladen sind. ufa
www.landwirtschaft.sachsen.de/vorlaeufige-ergebnisse-aus-den-landessortenversuchen-2018-20071.html