Razzia bei Plauener Rockern

Druck auf die Rockerszene: Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich verbietet erstmals einen Regionalverband. Fast tausend Polizisten und GSG 9-Beamte durchsuchen Wohnungen und Vereinsheime, darunter auch in mehreren Stadtteilen von Plauen.

Berlin/Dresden/Plauen - In fünf Bundesländern gab es am Mittwoch zeitgleich Razzien in der Rockerszene. Grundlage ist das ausgesprochene Verbot der Vereinigung "Regionalverband Sachsen Gremium MC" durch das Bundesinnenministerium. Mit einem Großaufgebot sind in Plauen, Chemnitz und Dresden Wohnungen und Clubräume der Rocker durchsucht worden. Festnahmen soll es nicht gegeben haben. In Plauen gab es Razzien in mehreren Stadtteilen, darunter am Klostermarkt und im Preißelpöhl. Im Visier der Ermittler standen die beiden Unterstützer-Vereinigungen "Gremium MC Plauen" und "Härte Plauen".

Die Durchsuchungen begannen am frühen Morgen. Landesweit waren hauptsächlich in den drei Städten laut sächsischem Innenministerium rund 350 Einsatzkräfte des Landeskriminalamtes und der Bereitschaftspolizei Sachsen im Einsatz. Wegen der Gefährlichkeit einzelner Vereinsmitglieder sei auch das SEK Sachsen beteiligt gewesen. Mit der Aktion und der Sicherstellung von Vereinsmaterial soll die Struktur des Clubs zerschlagen werden. Gleichzeitig erhofft sich die Polizei, weitere Beweismittel, welche die kriminellen Vereinsaktivitäten belegen, wie Hieb- und Stichwaffen, Schusswaffen, Munition und Betäubungsmittel, zu finden.

Als Vereinsvermögen sichergestellt wurden sachsenweit unter anderem 34 Kutten, 17 Motorräder, 222 Insignien, 275 Bekleidungsgegenstände und über 7000 Euro Bargeld. Gesichert wurde außerdem ein Grundstück. Beschlagnahmt hat die Polizei zudem 24 Computer, 185 Datenträger und 39 Handys. Eine Kurzwaffe, über 200 Schuss Munition, 99 Platzpatronen, 31 Sprengkörper, zwölf Hieb- und Stichwaffen, rechtsextremistisches Material und Drogen gehören ebenfalls zu den eingesammelten Gegenständen.

"Mit diesem Vereinsverbot beschreiten wir in zweifacher Hinsicht Neuland. Zum ersten Mal wird ein Regionalverband mit mehreren Teilorganisationen verboten. Das ist ein Novum. Und dieses Verbot ist länderübergreifend, denn eine der nunmehr verbotenen Teilorganisationen befindet sich in Brandenburg. Diese Überregionalität begründet auch, dass das Bundesinnenministerium das Verbot erlassen hat", sagt Innenminister Markus Ulbig. Zum Verbot haben die Ermittlungsergebnisse der Staatsanwaltschaft Frankfurt/Oder gegen Gremium-MC-Mitglieder wegen versuchten Mordes an einem Jugendlichen geführt. "Rockerclubs sind kriminelle Parallelgesellschaften, die wir nicht dulden. Das ausgesprochene Vereinsverbot ist Teil unserer Null-Toleranz-Strategie gegenüber diesen selbst ernannten Gesetzlosen", so Ulbig.