Ray am Klavier wie Charles

Der Plauener Klavierbaumeister Olaf Kirst hat am Wochenende in der Altstadt ein neues Geschäft eröffnet: den Piano Salon Kirst. Zur Einweihung schauten Freunde, Familie, Geschäftspartner, Kunden und Neugierige vorbei. Und ein prominenter Gast, der Piano spielte?

Plauen - Das in frischem Rot gestrichene Eckgebäude Obere/ Untere Endestraße gleich beim Altmarkt hat große Schaufenster, die den freien Blick auf eine imposante Ausstellung von verschiedenen Klavieren und Flügeln im Inneren bieten. Es sind die neuen Räume des Piano Salons von Olaf Kirst, der die Tradition der Familie und insbesondere die seiner Mutter Jutta Kirst nun in der Innenstadt fortführt.

Am Samstag öffnete die Tür des Geschäfts zum ersten Mal, es wurde eine Einweihung nach Maß. "Es kamen viele Leute, ich bin sehr froh über den Zuspruch, die Blumen, die Glückwünsche, es ist so, wie ich es mir vorgestellt habe", sagte Olaf Kirst im Gespräch mit dem Vogtland-Anzeiger.

Aufgeschlossen, erfreut und neugierig nahmen die ersten Gäste die Räume in Beschlag, den Salon für die Tasteninstrumente ebenso wie die kleine Werkstatt. Und wie es sich für einen Salon gehört, luden Sitzecken zum Verweilen und Sekt genießen ein - bei live vorgetragener Musik auf dem Klavier. Der Mann am Klavier war Ray Ghiorgis, ein gebürtiger Äthiopier, der in seinem Land ein berühmter Musiker war und später nach Deutschland kam, um auch hier Karriere zu machen.

Ray ist ein Pianist, der seit seinem siebenten Lebensjahr blind ist und sich das Spiel selbst beigebracht hat. "Das Schicksal teilt er mit seinem großen Vorbild - Ray Charles", sagte Olaf Kirst über seinen Freund, den er für seine Eröffnungsfeier ins Vogtland eingeladen hatte. "Wir haben uns vor einigen Jahren in Berlin auf der Internationalen Tourismusmesse (ITB) kennen gelernt. Er spielte, ich stimmte Klaviere. Seither sind wir in Kontakt und befreundet", so Kirst weiter.

Ray spielte in Plauen vor allem entspannte Bar-Musik, und das in einem überaus charmanten Stil, einladend, verträumt und verspielt, variantenreich, jazzig. Die Gäste des Salons erfuhren von seiner Geschichte, die als Bauernjunge begann und ihre Fortsetzung darin fand, dass der Junge vom damaligen Kaiser von Äthiopien gefördert wurde, eine Blindenschule besuchen konnte und später Piano am kaiserlichen Hof spielte. Auch die englische Königin gehörte zu den Zuhörern.

"In Deutschland war der Ray dann einige Jahre bei der berühmten Band Soulful Dynamics Mitglied und heute noch arbeitet er mit seinem Projekt, bei dem 20 Musiker vereint sind. Außerdem ist er staatlich geprüfter Klavierstimmer", berichtete Olaf Kirst. Dann spielte der Gastgeber selbst auch ein paar Weisen am Klavier und hofft nun auf erste Kaufinteressenten. "Reparaturaufträge sind auch schon einige hereingekommen", so Kirst.