Raumfahrer im Vogtland

Die 14. Raumfahrttage in Morgenröthe-Rautenkranz erinnerten an den ersten Weltraumflug einer Frau: Walentina Tereschkowa startete am 16. Juni vor 50 Jahren zu ihrer historischen Mission.

Morgenröthe-Rautenkranz - "Zu ihrem Jubiläum hat sie Einladungen in 40 Länder bekommen", sagt Lokalmatador Sigmund Jähn als erster deutscher Kosmonaut. "Uns hatte sie schon fast zugesagt!" Immerhin wisse der 75-Jährige nun, dass Tereschkowa ihn liebe. Jähn augenzwinkernd: "Als wir uns jüngst in Gotha zu einer Konferenz trafen, hat sie mir ,lubju tibja' quer über den Marktplatz hinterhergerufen." Im Sternenstädtchen bei Moskau hatten die Familien beider Raumflieger zeitweise Tür an Tür" gewohnt. "Als wir mal unseren Wohnungsschlüssel verloren hatten, hat Walentina rasch die Handwerker zusammengetrommelt", erinnert sich Jähn.

Nach Tereschkowa, die heute 75 Jahre ist, waren nur noch zwei weitere sowjet-russische Frauen "oben", dafür aber allein 45 aus den USA. Mit einer weitere Amerikanerin wird Anton Schkaplarow im Herbst 2014 um die Erde kreisen: Samantha Christofertti (38); beide gehören zur nächsten Stammbesatzung der Internationalen Raumstation ISS. Von seinem ersten Weltraumeinsatz ist der 41-jährige Russe erst vor 14 Monaten zurückgekehrt. "Das schönste sind die viel rascheren und noch schöneren Sonnenauf- und -untergänge als auf der Erde", beschreibt er die Eindrücke während seines halbjährigen Einsatzes im Weltall, "und unser blauer Planet ist unendlich kostbar!"

Deshalb habe er seine, wegen der vielen Arbeit an Bord, ganz eng bemessenen Freizeit, am liebsten mit Fotografieren verbracht. Positiv beantwortet der zweifache Familienvater die Frage, ob er später gerne auf den Mond oder gar zum Mars fliegen möchte mit strahlendem Blick und ohne Zögern: "Da!". Allerdings gebe es in seinem Heimatland derzeit keine konkreten Überlegungen zu einer Rückkehr von Menschen auf den Erdtrabanten.

"Für 2017 plant Russland aber, die Landung eines Mondmobiles", erklärte dazu Thomas Reiter, als Raumfahrtdirektor der Europäischen Weltraumbehörde ESA. Und 2020 sei eine sogenannte Proben-Rückkehr-Mission geplant, bei der Gestein aus jenen Gegenden geholt werden soll, in welche die Amerikaner bei ihren Mondlandungen nicht vorgedrungen waren. Der deutsche Rekord-Astronaut Reiter: "Auf ähnliche Proben vom Mars, können wir frühestens im nächsten Jahrzehnt rechnen!" Deutschland wolle die Mond-Expeditionen unterstützen.

Und der Chef des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums (DLR), Johann-Dietrich Wörner, hofft, dass die Europäische Union (EU) Pläne für eine weitere Raumfahrtagentur, neben der ESA, wieder in der Schublade verschwinden lasse. "Denn bei der Erforschung des Weltalls sollten wir die Kräfte bündeln", so Wörner, "nur so können wir die natürliche Neugier des Menschen stillen." Ganz irdische Dinge gab es für Wörner, Reiter und Jähn als Erinnerungsgeschenk: Den Prototyp im Vogtland selbstgestrickter Pudelmützen samt Namensschild "Morgenröthe-Rautenkranz", das bekanntermaßen auch der Kältepol Sachsens ist. "Da werde ich das nächste Mal wohl im Winter vorbeikommen", freute sich Reiter, "Auf jeden Fall setz' ich sie beim Schneeschippen auf!" Und Sigmund Jähn lachte: "Da kommt bei der nächsten Schneeschuhtour nauf'n Nischel!" Denn sportlich ist der DDR-Fliegerkosmonaut auch 35 Jahre nach seiner Reise durch die Erdumlaufbahn noch immer ... va