Rathaus geht in Kur

Am 15. April geht‘s los: Das Rathaus bekommt ein Gerüst und wird saniert. Für knapp zehn Million Euro wird es zeitgemäßer und energetisch. Ein bisschen Charme der 70-er Jahre darf aber bleiben.

Von Cornelia Henze

Plauen - Am kommenden Montag wird der Bauzaun aufgestellt. Dann wandelt sich das Plauener Rathaus zur Baustelle. Die vorm Rathaus befindliche Straßenbahnhaltestelle Richtung Neundorf wird für die zwei Jahre Bauzeit nicht bedient. Die ersten Handwerkerleistungen für die Baustelleneinrichtung, für das Gerüst und die Beseitigung von Asbestmaterial sind vergeben, teilt Projektleiter Axel Markert mit.
Los geht es noch in diesem Monat im dritten und vierten Obergeschoss. Dort wird das Asbest, das sich noch in Treppenhaus- und Innenwänden versteckt, herausgerissen. Bis Oktober dieses Jahres dauern die Abbrucharbeiten im Inneren an. Parallel dazu stellt man ab 6. Mai außen das Gerüst. Diese Optik wird die Plauener über viele Monate begleiten. 
Verfolgen werden sie können, wie die Baufirma die Fassade abnimmt und die alten Fenster gegen doppelverglaste, und energetisch dämmende neue austauscht. Nicht trennen wird man sich von den senkrechten Fassaden-Stahlträgern, verzichten wird man hingegen auf das Wellblech. Abgekommen ist man davon, gedimmtes Fensterglas von E-Control einzubauen, wie ursprünglich gewünscht war. Dieses Spezialglas sei zu schwer, die Statik gebe es leider nicht her, sagt Baubürgermeister Levente Sárközy. Der Wechsel der Glasfassade steht bis Januar 2020 an, die Dachabdichtung wird von September bis November dieses Jahres erneuert. 
Optisch stärker verändern wird sich der Eingang ins Rathaus. Neu wird eine in Richtung Straßenbahnhaltestelle zeigende Freitreppe sein sowie ein Windfang. Die Eingangstreppe wird ins Gebäudeinnere verlegt. Wer später ins Foyer tritt, findet gleich zur linken Seite den Empfangstresen für Gäste vor. Von dort wird der Plauener ins künftig mit dem Einwohnermeldeamt gekoppeltem Bürgerbüro geleitet. Das Meldeamt entsteht am Platz der bisherigen Poststelle. Der Charme der 70er Jahre - das Rathaus wurde 1976 erbaut - soll, ja muss nach Auflagen des Denkmalamtes, sogar an vielen Stellen erhalten bleiben. Da ist zum Beispiel die Holzvertäfelung im Ratssaal oder der kantige, verwinkelte Treppenaufgang vom Foyer hoch zum Ratssaal. Trotzdem verlange die Optik Veränderung und moderne Ansichten - schließlich solle der Bürger ja auch sehen und spürren, was für zehn Millionen Euro verbaut wurde, so Markert. Eine davon wird zum Beispiel ein Lichthof sein, der Tageslicht bis ins Foyer hinunter strahlen lässt. Das Foyer vor dem Ratssaal wird eine ovale Optik erhalten. Viele Plauener werden sich freuen, dass die Wandgestaltung des Plauener Künstlers Karl-Heinz Adler erhalten bleiben und restauriert werden soll. Im Volksmund sprach man davon als der "Geisterbahn". Gemeinsam mit Friedrich Kracht, einem Maler und Grafiker aus Dresden, schuf er das farbige Werk - und zwar in der seltenen Technik der Glaskeramik, einem Verfahren zur Oberflächenbeschichtung, das sich beide patentieren ließen.
Was alle Plauener wissen sollten: Der Eingang zum Rathaus wird an die Herrenstraße verlegt. Von dort ist auch das Bürgerbüro (Zimmer 13) zu erreichen, wo es unter anderem die begehrten "Gelben Säcke" gibt.