Randale bei Mai-Demos in Plauen

Gewalt bei Demonstrationen in Plauen und eine Störaktion von Rechten gegen Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) in Zwickau: In Sachsen ist der 1. Mai von negativen Vorfällen überschattet worden. Insgesamt beteiligten sich nach Angaben des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) rund 18.000 Menschen an Mai-Kundgebungen im Freistaat.

Plauen - "Verdächtig gute Jobs" wirbt die sächsische Polizei an ihren Fahrzeugen für eine Karriere in ihren Reihen. Am Sonntag muss den Einsatzkräften des Freistaates und dem benachbarten Bayern dieser Slogan selbst wie bittere Ironie vorgekommen sein. Bereits am frühen Vormittag kreisten über Plauen Polizeihubschrauber, später lieferten sich Rechtsextreme und Linke bei Demonstrationen gewalttätige Auseinandersetzungen mit der Polizei. Diese sprach in einem Tweet von einem "massiven Gewaltausbruch".

Sowohl von Linken wie auch von Rechten habe es Angriffe gegen Polizisten gegeben, sagte Polizeisprecher Oliver Wurdak. Wasserwerfer und Tränengas wurden eingesetzt. Mehrere Menschen wurden verletzt. Eine Zahl konnte die Polizei zunächst nicht nennen. Zuvor waren gegen einen Aufmarsch von Rechtsextremen nach Polizeiangaben etwa 1.000 linke Demonstranten auf die Straße gegangen. Immer wieder versuchten manche von ihnen, Polizei-Absperrungen zu durchbrechen. Die Polizei war mit mehreren Hundertschaften, darunter auch eine Reiterstaffel, vor Ort und es gelang ihr zunächst lange Zeit, beide Seiten getrennt zu halten.

Der Polizei zufolge versammelten sich etwa 500 Neonazis. Sowohl die Rechtsextremen, in rote Shirts gehüllt, hatten sich am Vormittag vor dem Oberen Bahnhof versammelt, als auch die "traditionell" in Schwarz gekleideten Linken. Beide Gruppierungen hatten bereits seit Wochen auf einschlägigen Internetseiten bundesweit für den 1. Mai in Plauen mobilisiert. Wiederholt haben Neonazis aus ganz Deutschland Plauen am Tag der Arbeit zum Ziel auserkoren - zuletzt vor zwei Jahren, wo es ebenfalls zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der Polizei kam.

Die Polizei löste am frühen Nachmittag nach eigenen Angaben die linke Kundgebung auf. Auf der Strecke entlang der Jößnitzer Straße wurde zunächst eine friedliche Sitzblockade seitens der Polizei beendet. Wenig später kam der Demonstrationszug der Neonazis zum Stillstand. Daraufhin eskalierte an der Ecke Kaiserstraße die Situation, nachdem die Organisatoren der rechten Demonstranten die Demo als beendet erklärt hatten. Sternenförmig rannten die Teilnehmer des rechten Spektrums in die Menge.

Es flogen Rauchbomben und Leuchtraketen. Die Beamten setzten Wasserwerfer und Pfefferspray ein. Manch in der Nähe der Auseinandersetzungen wohnende Plauener konnte von Glück sagen, sich noch rechtzeitig in Sicherheit gebracht zu haben. Angemeldet wurde der Aufzug von der Vereinigung "Der III. Weg". Die Partei, der auch ein Plauener Stadtrat angehört, gilt als rechtsextremistisch und wird vom Verfassungsschutz beobachtet.

Auch der "Runde Tisch für Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit" hatte aufgerufen, den Rechten nicht die Straße zu überlassen. Er organisierte eine Gegendemonstration für die Bürger auf der Bahnhofstraße, an der etwa 400 Menschen teilnahmen. Der DGB hatte auf dem Theaterplatz seine traditionelle Mai-Kundgebung abgehalten. Er sei gekommen, um gemeinsam mit den Plauenern Gesicht zu zeigen gegen Neonazis, sagte der vogtländische Landrat Rolf Keil unter Beifall zur Kundgebung auf dem Theaterplatz. "Lassen Sie uns gemeinsam etwas tun für unser lebenswertes Vogtland", fügte er an. Landesweit gab es am Tag der Arbeit nach DGB-Angaben 15 Veranstaltungen. In Zwickau störten Demonstranten mit Trillerpfeifen und Buh-Rufen auch den Auftritt von Maas. Die Rednerbühne musste von einem Polizei-Aufgebot geschützt werden. va

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