"Ranch"-Urgestein geht shoppen

Frieder Stephan hat früher die Nacht zum Tag gemacht. Vor 30 Jahren öffnete der Plauener einen Rockschuppen neu, der bereits zu DDR-Zeiten zur Legende wurde. Doch im Kultur- und Partytempel " Ranch" herrscht gegenwärtig Totenstille.

Von Karsten Repert

Plauen Weil in seiner "Ranch" derzeit nicht der Bär steppt, ist Frieder Stephan raus ins Wohngebiet gegangen, um einzukaufen. Nicht nur für sich, sondern vor allem auch für andere. "Ich besorge alles, was die alten Leutchen während der Coronakrise brauchen. Ich weiß schon, eigentlich bin ich selbst auch nimmer der Jüngste", lacht der 69-Jährige, der zeitlebens den Trubel liebte. "Und den Zusammenhalt", sagt der Gastronom von der Eugen-Fritsch-Straße.
Bestellzettel in Briefkasten
und schon gehts los

Im Viertel wohnen einige Senioren, die derzeit aus den verschiedensten Gründen keine Einkäufe tätigen können und für die gleichzeitig aber auch keiner was mitbringen kann aus dem Supermarkt. "Mir werfen diese Nachbarn einfach einen Zettel in den Briefkasten. Darauf stehen deren Adresse und alles, was ich besorgen soll. Und dann bringe ich das den Leuten nach Hause", erklärt Frieder den simplen Bestell-Liefer-Vorgang. Die 81-jährige Nachbarin ist genauso dankbar wie der 75-jährige Opa, dessen Kinder nicht in Plauen leben. Frieder ist froh, dass er etwas tun und helfen kann. Dabei gehört der Lokalbetreiber eigentlich zu denen, die selbst Hilfe bräuchten.
Geld, Kraft, Liebe -
jeder kann was abgeben

Frieder Stephan erlitt vor sechs Jahren einen Schlaganfall. Es sah nicht gut aus, als ihn eine Gehirnblutung aus einem Leben aufder Überholspur zu Boden riss. Doch er sprang nochmal von der Schippe, wie der Volksmund sagt. Deshalb weiß Frieder auch wie wichtig in Momenten der Hilflosigkeit starke Hände sind. "Wir leben in einem Land, wo wir alle in der Lage sind, dem Nachbarn etwas abzugeben. Ob es Geld, Kraft oder Liebe ist. Egal. Wir müssen genau jetzt zusammenhalten", sagt Frieder und fügt hinzu: "Ich bin verdammt stolz, ein Vogtländer zu sein. Und ich bin stolz auf meine Stadt. Es ist toll, was in Plauen, aber auch in den anderen Orten unserer Heimat gerade passiert. Viele tun, was ich auch gerade mache. Diese Solidarität ist unser Lebenselixier." Falls es noch jemanden gibt, für den Frieder einkaufen gehen könnte: Die Adresse lautet Eugen-Fritsch-Straße 7. Dort - in der legendären Ranch - wird eigentlich seit 1947 gefeiert. "Wir haben nur vorübergehend zu", sagt Frieder schmunzelnd.