Rampensau und Staatsschauspieler

Greiz - Basecap, Wildlederjacke, Hemd, ausgefranste Jeans, schwarze Schuhe, über der Schulter hängt eine Kuriertasche. Armin Rohde stürmt auf die Bühne des Greizer Theaters.

 

Hier ist er also, der Typ, den wir aus zahlreichen Film- und Fernsehrollen kennen, in denen er häufig den sympathischen Proleten gibt, dessen Herz stets an der richtigen Stelle sitzt. Der Schauspieler, bekennende Buddhist, einstige Judokämpfer, der Jobs vom Postsortierer bis zum Reisebegleiter hinter sich hat, bevor er seine Berufung fand, ist zu Gast beim XXI. Greizer Literaturabend. "Das ist keine Autobiografie, schließlich bin ich noch keine 75", sagt er über sein Buch "Größenwahn und Lampenfieber", aus dem er liest.

Mütze runter, Jacke aus, Rohde ist quirlig, aber zugleich zielstrebig, aus der Tasche fischt er zwei Exemplare seines Buchs, lässt sich in den bereit stehenden Sessel fallen und legt los. Es bleibt keine Zeit, Distanz aufzubauen zum Publikum, vom ersten Augenblick an ist der Kontakt zu den Zuhörern vorhanden, da oben auf der Bühne sitzt keine Diva, da ist einer, der trotz seines großen Erfolgs festen Bodenkontakt behalten hat. "Zum Star sein habe ich keine Zeit, weil ich arbeiten muss", wird der 55-Jährige später sagen.

 

Zu diesem Zeitpunkt ist schon längst klar, Rohde ist ein Besessener, der für seinen Beruf brennt, dem es wichtig ist, sich in seinen Rollen in die Figuren hineinzuversetzen. Schauspielerei, Komik im Besonderen, sei harte Arbeit, widerspricht der an der Essener Folkwang-Schule und der Pierre Bylands Clown-Schule ausgebildete Mime dem Klischee vom Lotterleben eines Bühnen- oder Filmdarstellers. Rohde liest, es sind oft selbstironische, heitere, Lacher im Publikum garantierende Momentaufnahmen aus seinem Leben; der Kindheit in Wuppertal, als er als Ministrant versuchte, mit seinem Messdienergewand, das Weihrauchfässchen schwenkend, seine Kinderliebe Gabi und Annerose zu beeindrucken.

 

Er erzählt, wie er Fan von Winnetou und Old Shatterhand war, wie er glaubte, seinen kleinen Bruder hypnotisieren zu können; Geschichten aus der Jugend, den Jobs, mit denen er sich über Wasser hielt, bis endlich der Knoten platzte und er den Weg zum Schauspielkunst fand. Rohde liest nicht stur Passagen aus seinem Buch, das legt er immer wieder weg, erzählt Anekdoten aus dem seinem Leben, von seiner Verehrung für Maria Adorf, von der Aufnahmeprüfung an der Schauspielschule, von seiner ersten Rolle als Räuber Grimm in Schillers "Die Räuber" in Bochum, und um die zu demonstrieren, legt er sich rücklings auf den wackeligen Tisch. Doch trotz aller amüsanter Episoden, Rohde wird ernst, wenn es um seinen Beruf geht, schimpft auf manche Scharlatanerie, die in Fernsehen und Film den Zuschauern vorgesetzt wird. 90 Minuten sind vergangen, Rohde muss los, bittet um Verzeihung, dass er an diesem Abend keine Bücher signieren kann, weil er noch nach Hamburg fahren muss, zum nächsten Dreh.  K. Schaarschmidt