Ramadan in kleinem Kreise

Gestern Abend begann für Millionen Muslime in aller Welt der diesjährige Ramadan, der bis 23. Mai andauert und mit dem Fest des Fastenbrechens endet. In der Zeit dazwischen wird vieles anders sein als sonst.

Von Torsten Piontkowski

Plauen Das einzig Zuverlässige ist die Wandelbarkeit. Das trifft übrigens auch auf den Ramadan selbst zu, denn Beginn und Ende hängt vom Mondkalender ab.
"Es wird eine schwierige Situation in diesem Jahr", sagt Hassan Mayah Arab, der vor der Flüchtlingswelle den Status genoss, der wohl einzige nichtdeutsche Muslim im Vogtland zu sein. Der heute 52-Jährige, der auch am Telefon aufgrund seiner nahezu perfekten Sprachkenntnisse mühelos zu verstehen ist, floh 2000 nach Deutschland. Im Iran hatte er Elektrotechnik studiert. Über die Stationen Köln und Chemnitz verschlug es ihn schließlich 2004 nach Schreiersgrün im Vogtland, wo er mit seiner deutschen großen Liebe zusammenlebt, die er beim Teetrinken in Plauen kennenlernte. Inzwischen besitzt Hassan Mayab Arab die Staatsbürgerschaft seines Heimatlandes Iran und die seiner Wahlheimat Deutschland. Ja, der diesjährige Ramadan werde schwierig, wiederholt er. Allerdings betreffe das nicht nur die in Deutschland lebenden Muslime, sondern Gläubige in aller Welt. In Pakistan beispielsweise sind die Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie teilweise noch einschneidender, sagt er. Und aus Gesprächen mit seinen Angehörigen im Iran weiß er auch, dass dort ebenfalls sämtliche Veranstaltungen abgesagt wurden, die mit dem Ramadan in Zusammenhang stehen. In allen islamischen Ländern sei es derzeit verboten, die Moscheen zu besuchen oder nach Mekka zu pilgern. Wer zuwider handelt, dem drohen harte Strafen.
Die Pilgerreisen nach Mekka und Medina sind verboten, so übrigens der Vorsitzende des Zentralrates der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, der sich dieser Tage mit einem Brief an seine Glaubensbrüder wandte und sie auf das richtige Verhalten während des Ramadan hinwies. Pilgerreisen zu den heiligsten Stätten der Muslime filen übrigens letztmals 1798 aus, als Napoleon in Ägypten einmarschierte.
Auch Hassan Mayah Arab wird sich an die Worte Mazyeks halten. Eigentlich treffe man sich nach Sonnenuntergang mit der gesamten Familie zum Essen. "Das wird in diesem Jahr nur in kleinem Rahmen stattfinden", sagt er. Und hofft, dass sich alle seine Glaubensbrüder auch in Plauen daran halten. "Kann aber auch sein, manche Leute kapieren das nicht", dämpft er seinen eigenen Optimismus.
Der Ramadan beginnt übrigens mit einem Gebet bei Sonnenaufgang und endet bei Sonnenuntergang, wobei es noch feine Unterschiede zwischen Sunniten und Schiiten gibt, sagt Hassan. Für Letztere sei die Zeit erst gekommen, wenn es tatsächlich völlig dunkel sei.
Hassan Mayah Arab jedenfalls versucht, auch der jetzigen Situation Positives abzugewinnen. Die Gottesdienste - übrigens auf persisch und arabisch abgehalten - finden für eine begrenzte Anzahl Gläubige statt und, nicht weniger wichtig: Die Einzelhändler, die die zum Ramadan gehörenden typischen Speisen anbieten, haben ja auch wieder geöffnet.