Ralf Oberdorfer: "Mein Herz schlägt für Neubau"

"Viel erreicht - noch viele Pläne". Mit diesem Slogan warb Ralf Oberdorfer im Wahlkampf um die Stimmen der Bürger. Doch sind seine Pläne auch die der Plauener?

Plauen - Nur wenige Minuten nach dem Einblenden des offiziellen Endergebnisses, noch deutlich gezeichnet von der Hitze, die er im blauen Anzug samt Krawatte erlitt, begab sich Ralf Oberdorfer selbst ein wenig in die Rolle des Wetterfrosches. Ähnlich den Meteorologen, die Voraussagen über längere Zeit als unseriös ablehnen, plädierte auch der OB dafür, den Blick erst mal auf die nächsten drei Jahre zu richten.

Für die in diesem Zeitraum anstehenden Projekte stehe er als OB in der Pflicht, Vorschläge zu machen. Nicht mehr und nicht weniger. Nach Rechthaberei und mit-der-Faust-auch-mal auf den Tisch-hauen, klingt das nicht. Dabei war es gerade diese vermeintlich fehlende Entschlossenheit, die ihm die politischen Gegner immer wieder ankreideten. Ob er "der nette Ralf" bleibt, als den ihn Herausforderer Steffen Zenner schon zu Beginn des Wahlkampfes bezeichnete, oder ob er auch mal den Basta-OB gibt, wird sich zeigen.

Höhere Bildung in der Region etablieren

An den Prioritäten für Plauen lässt er jedenfalls keinen Zweifel. Ganz obenan steht für Oberdorfer das Etablieren höherer Bildungseinrichtungen. Die fehlt bisher im Vogtland - umso hartnäckiger verfolgt er das Ziel, dass in möglichst kurzer Zeit 400 Studenten den Campus auf dem Amtsberg bevölkern sollen. Auch die Zahl 1.000 machte schon mal die Runde. Und so weiß er auch das Engagement von Leuten wie Dr. Bernd Märtner zu würdigen, der kürzlich neue Studiengänge für die Berufsakademie "kreierte", wie Oberdorfer es ausdrückt.

Generell gelte es aber, auch in die Sanierung der bestehenden Grund- und Mittelschulen, der Gymnasien zu investieren. "Das bewegt die Leute, da haben sie einen Blick drauf", fügt er an. Wie sie auch eine besondere Sensibilität entwickelt haben, wenn ein einstiger "Leuchtturm" der Region ins Wanken gerät.

Und so bezeichnet Oberdorfer eine funktionierende Wirtschaft auch als entscheidend, möchte aber die Entscheidungmöglichkeiten der Politik gegenüber Konzerninteressen nicht überbewerten. "Wir dürfen den Kopf nicht in den Sand stecken und vor allem den bereits ansässigen Firmen Bedingungen zum Wachsen schaffen", sagt er. Und fügt hinzu, was bisher so konkret nicht benannt wurde: "Wir müssen über eine Wirtschaftsagentur vor allem die Aquise potentieller Investoren verstärken." Und meint damit vor allem mittelständische Unternehmen.

Weitere Stichworte des in nächster Zeit auf der Agenda Stehenden fallen: Elsteraue, Weisbachsches Haus, Komturhof, Schlossterrassen.

Und schließlich die aufgrund steigender Kosten zum Zankapfel gewordene Rathausfassade. "Wir haben keine absolute Eile, aber dringenden Handlungsbedarf, mit dem Bau werden wir erst 2016 beginnen können", sagt Oberdorfer. Und eingedenk der Endlos-Diskussionen im Stadtrat zu Neubau oder Sanierung, kündigt er schon mal einen Bürgerentscheid an - inklusive Datum. Die Bürgerbefragung könne in Verbindung mit der Landratswahl 2015 stehen.

Wirtschaftsagentur muss Aquise verstärken

"Mein Herz schlägt für einen Neubau", legt sich Oberdorfer fest, auch, weil er sich Fördermittel vom Freistaat in Größenordnungen erhofft. Wenn der Eigenanteil der Kommune dann zwei Millionen höher liege, dann müsse man das auch mal ins Verhältnis zu den Summen setzen, die bisher eingespart wurden. Seit seinem ersten Amtsantritt habe sich der Schuldenberg von 100 auf 53 Millionen Euro nahezu halbiert.

Bliebe die Frage nach den Gratulanten zu seiner Wiederwahl. Oberdorfer ahnt den Hintergrund. Ja, der Landrat habe früh gleich mit ihm telefoniert. Und natürlich sei man sich grundsätzlich einig, im Sinne des Vogtlandes zusammenzuarbeiten. Dass es unterschiedliche Positionen gebe, klar - "wenn der eine Geld haben will und der andere keins geben will, dann ist das so."

Glückwünsche und Kritik von Sozialdemokraten

Namens der Plauener SPD und der neuen SPD/Grünenfraktion im Stadtrat, richtete auch Benjamin Zabel Glückwünsche an Ralf Oberdorfer. Es bleibe aber festzustellen, dass weniger als ein Drittel der Plauener diesen Oberbürgermeister gewählt haben. Zabel sieht die Verantwortung dafür in der Plauener Kommunalpolitik und nicht nur bei den daheimgebliebenen Wählern. Über Jahre hinweg wurde im Stadtrat eine Einheitspolitik betrieben, mit der einige politische Vorhaben nach außen hin als Wohlfühlprogramm für Plauen dargestellt wurden, aber intern häufig unausgegoren waren.

Gestalten heißt nicht nur reden, sondern auch im Hintergrund mit den Beteiligten an der konkreten Umsetzung politischer Vorhaben zu arbeiten. Was bleibe, sei die Hoffnung, dass der alte und neue Oberbürgermeister erkannt habe, dass sein Politikstil der letzten Jahre gescheitert ist und er mehr denn je auf die Bürgerschaft und den Stadtrat zugehen muss.

Zenner: Zustimmung tut gut und spornt an

Er bedanke sich sehr herzlich bei allen die ihn aktiv unterstützt und gewählt haben, teilt der unterlegene Herausforderer Steffen Zenner (CDU) mit. Die ermutigenden Gespräche und die erlebte Zustimmung so vieler Plauener habe gut getan und sporne ihn an. Er freue sich, dass seine Wahlziele in die künftige Politik einfließen würden.