Ralf Oberdorfer im Interview

Ja, er möchte im nächsten Jahr wieder für das Amt des Oberbürgermeisters kandidieren, sagt Ralf Oberdorfer im Vogtland-Anzeiger-Redaktionsgespräch. Bis dahin und darüber hinaus gibt es in Plauen eine Reihe von Baustellen - wörtlich wie symbolisch, die dem Stadtoberhaupt am Herzen liegen.

Plauen - Themen gibt es in Hülle und Fülle, bestätigt Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer zu Beginn des Gespräches - und eine ganze Zeit später sind davon noch lange nicht alle "abgearbeitet". Ein Projekt, von dem Oberdorfer mehrfach betont, man müsse bei seiner Realisierung "die Menschen mitnehmen", ist die Gestaltung der Rathausfassade. Unter dieser Bezeichnung jedenfalls haben sich die umfangreichen Arbeiten im und am Gebäude der Stadtverwaltung im Bewusstsein der Bürger festgesetzt, obwohl es um deutlich mehr geht, als ein wenig "Fassadenkosmetik".

Rathaus-Sanierung beginnt nicht vor 2015

Im vorigen Jahr fand das Thema Eingang ins Bewusstsein der Bürger, diskutierten nicht nur die Stadträte hinter den maroden Fenstern des Ratssaales, wohin der Weg gehen soll. Bereits der Architektur-Wettbewerb wurde begleitet von großem Interesse der Plauener. Und als unmittelbar zu Jahresbeginn die drei nach Meinung der Jury besten Entwürfe öffentlich vorgestellt wurden, platzte der Ratssaal förmlich aus allen Nähten. Letztlich entscheiden die Stadträte, aber zuvor will Oberdorfer noch einen eher außergewöhnlichen Weg gehen. "Dem nächsten Amtsblatt ist ein Stimmzettel beigelegt. Auf dem können die Bürger ihren Favoriten ankreuzen und ihre Wahl auch kommentieren", avisiert Oberdorfer. Die Entscheidung werde wohl zwischen dem an das historische Aussehen orientierten Entwurf und dem modernen in Form einer Brücke fallen, fügt er an. In beiden Fällen seien die Architekturbüros zur "Nacharbeit" aufgerufen, müssten Details noch geändert werden. Der Baubeginn 2015 sei realistisch, denn zunächst muss das Landratsamt bezugsfertig und der Umzug der 180 Landkreis-Mitarbeiter, die derzeit noch im Rathaus untergebracht sind, erfolgt sein. Die Genehmigung der Fördermittel von Bund und EU soll so schnell wie möglich in trockene Tücher gebracht werden. Deren Höhe liegt bei 75 Prozewnt, "und mit dieser Summe können wir uns den Bau auch leisten", sagt Oberdorfer. Die Gesamtkosten belaufen sich auf sechs bis acht Millionen Euro - so jedenfalls die Schätzung der Fachleute. Zusätzlich zu Buche schlagen Abrissarbeiten und die Anpassung der bestehenden Flächen.

Campus auf Amtsberg bedeutendstes Vorhaben

So sehr ihm ein bürgerfreundlicher Amtssitz auch am Herzen liegt - die Realisierung des Campus bezeichnet Oberdorfer als das wichtigste Vorhaben für die Stadt. "Als sich das Projekt nicht im Entwurf des aktuellen Doppelhaushalts des Freistaates wiederfand, habe ich in Dresden Krach geschlagen". Acht Büros beteiligten sich am Wettbewerb den der Freistaat als Bauherr initiierte, die ersten drei sind demnächst im Rathausfoyer zu sehen. Die Jury favorisierte eine Bebauung auf dem Gelände der einstigen JVA. Um genügend Baufreiheit für Erweiterungsbauten zu schaffen, wird der größere Teil des früheren Gefängnisses abgerissen, das Amtsgericht als zentrales Gebäude erhalten. Die Gefängnismauer wird auf ihre historische Höhe zurückgebaut, damit ist die Sicht frei auf die Altstadt wie auch umgekehrt. Mit der Sanierung des Schlosshanges beteiligt sich die Stadt an der Finanzierung. Dass der Freistaat die überwiegenden Kosten für die Bebauung der 2,2 Hektar auf dem höchsten Punkt der Altstadt übernimmt, resultiert daraus, dass er Eigentümer der Fläche und Betreiber der Berufsakademie ist. Das nun frei werdende Gebäude, in dem die BA in der Melanchthonstraße bisher untergebracht war werde künftig schulisch genutzt - Konkreteres wolle er erst mit den Stadträten besprechen, so Oberdorfer.

Andere Projekte stehen derzeit vor Spitzenwelt

Ob das künftige Spitzenzentrum am Oberen Graben sein Domizil haben wird oder doch im Weisbachschen Haus, darüber gab es im Stadtrat im Vorjahr heiße Diskussionen. Ein 50 000 Euro kostendes Gutachten zur möglichen Eignung des Weisbachschen Hauses werde in wenigen Wochen fertig sein, so Oberdorfer. Vor dem Hintergrund der weiteren geplanten Großprojekte mahnt er an, hinsichtlich der Ausgaben "diszipliniert zu sein und nach den aktuellen Möglichkeiten zu entscheiden". Auch über die Zukunft der Schaustickerei im Obstgartenweg, steht eine Entscheidung in Kürze an. Die Stadt habe dem Eigentümer der unter Denkmalschutz stehenden Immobilie ein Kaufangebot unterbreitet. Ein künftiges Spitzenzentrum werde auf alle Fälle drei Aspekte unter einem Dach vereinen: den musealen, den Bildungs- und den innovativen Teil. Was Oberdorfer aber auch sagt: "Von einem Spitzenzentrum ist die Zukunft Plauens nicht abhängig."

Begeisterung für Landesgartenschau

Die Stadt peilt an, die Landesgartenschau 2021 nach Plauen zu holen. Da die Austragungsorte innerhalb Sachsens einer gewissen Rotation zwischen den Großräumen Dresden, Leipzig und Chemnitz unterliegen, wäre dies ein geeigneter Zeitpunkt. Ein gedanklicher Vorlauf von zehn Jahren sei günstig - "den haben wir", sagt Oberdorfer und verweist auf drei mögliche Szenarien: Den Bereich der Elsteraue unter Einbeziehung des Weisbachschen Hauses und der Hempelschen Fabrik, das Syratal oder eine Mischung, die das Zentrum samt Schlossterassen einbezieht. "Wir verfolgen die Idee mit Begeisterung", sagt der Rathaus-Chef, denn schon der Gedanke daran sei hilfreich bei Überlegungen zur Stadtbauplanung.

Industriepark einzige Lösung für Plamag-Gelände

"Die Plamag ist nicht zu kompensieren. Die Schließung hat richtig weh getan und da gibt es nichts schön zu reden", kommentiert Oberdorfer das Aus für den Plauener Traditionsbetrieb. Dass ihm Tatenlosigkeit, Desinteresse gar, am Schicksal der Plamagianer vorgeworfen wird, schmerzt ihn. Weil er sich ein Stück ungerecht behandelt fühlt, "denn eine Kommune kann immer nur werben, die Entscheidungen zur Schließung werden woanders getroffen." Die Märkte für Druckmaschinen seien eingebrochen und haben sich nicht wieder erholt. Die Installierung eines Industrieparkes auf der Fläche der Plamag sei die einzige Antwort - wenn sich kein großer Investor finde, dann mehrere kleinere Ansiedlungen mit innovativen Produkten. "Das darf keine Industriebrache werden, da muss Leben rein", fordert Oberdorfer. Und sieht dabei auch den Freistaat in der Pflicht. Das Land könne Investoren gewissermaßen lenken, ihnen bestimmte Standorte anbieten. Den Kauf der Fläche durch die Kommune sieht er dagegen als das falsche Signal.

Schwimmhalle Hainstraße liegt Oberdorfer am Herzen

"Das Objekt ist keine 30 Jahre alt und die Architekten sagen, es sei 'unkaputtbar"", macht Oberdorfer kein Hehl daraus, dass ihm der Erhalt und eine Umnutzung der einstigen Schwimmhalle am Herzen liegt. Ein Abriss sei halt ein bisschen schade. Und: Wer erwartet, dass sich eine Sportanlage rechnet, der irrt. Die Immobilie als künstliche Eislaufbahn zu nutzen, erwies sich einem Gutachten zufolge als kaum machbar. Aktueller Stand: Die Sportstättenplanung soll noch mal überlegen, ob ein Abriss die einzige Alternative ist.

Jährlich 3,5 Millionen Euro für Theater Plauen-Zwickau

Insgesamt, einschließlich der über den Kulturraum fließenden Mittel, stellt die Stadt dem Theater Plauen/Zwickau jährlich 3,5 Millionen Euro zur Verfügung. Eine ähnliche Summe "stemmt" Zwickau. Es sei unklar, ob man bei diesen Größenordnungen bleiben kann, sagt Oberdorfer nachdenklich. Er sagt aber auch eindeutig: "Wir haben das Gebäude und das Ensemble - und das soll so bleiben." Über Größenordnungen und eventuell weitere Partner, müsse aber vermutlich irgendwann nachgedacht werden müssen.

Abbau der Schulden soll fortgeführt werden

"Wenn man davon ausgeht, dass alles schlimmer wird, ist man gut gerüstet", gibt sich Oberdorfer schwarzhumorig. Denn Tatsache ist: Aus Solidarpakt und Länderfinanzausgleich fließen bis 2019 rund vier Milliarden Euro weniger nach Sachsen. "Das wird auch an Plauen nicht spurlos vorbei gehen und auch nicht durch Steuermehreinnahmen abzufangen sein." Mit einer schlanken Verwaltung und konsequentem Schuldenabbau - um immerhin 40 Millionen Euro in den vergangenen zehn Jahren - versuche die Kommune gegenzuhalten. Langfristig werde man mit weniger Geld auskommen müssen, denn wie sich Gewerbe- und Einkommenssteuern entwickeln, lasse sich nur mutmaßen. Am Kurs, die kommunalen Schulden von gegenwärtig 58 Millionen Euro weiter zu minimieren, lässt Oberdorfer keinen Zweifel - auch wenn ein weiterer Schuldenabbau aufgrund der zahlreich anstehenden Investitionen, aktuell nicht möglich ist.

Stadtchef plant vier Jahre voraus

"Die kommunale Haushaltsplanung und meine persönliche Planung bezieht sich auf die nächsten vier Jahre", sagt der OB und "da geht es weniger um Visionen und Träume, als die Einhaltung von Aussagen und Versprechen gegenüber den Bürgern. Natürlich müssen freie Flächen in Gewerbe- und Industriegebieten besiedelt, Arbeitsplätze mit Zukunft geschaffen werden." Vor allem im Gewerbegebiet Oberlosa seien noch Kapazitäten frei. - "Ja und klar will ich wieder kandidieren. Es gibt schließlich noch genug anspruchsvolle Projekte auf den Weg zu bringen, zu realisieren und neue anzugehen."