Ralf Oberdorfer: "Dann reden wir mal, was alles gebraucht wird"

Fakt ist: Die Zahl der Kameraden in den Freiwilligen Feuerwehren der Plauener Ortsteile ist seit sieben Jahren gewachsen. Fakt ist aber auch: Zum Einsatz rücken immer weniger aus.

Plauen - Diesen scheinbaren Widerspruch ließen sich die Stadträte am Dienstag vom Leiter der Plauener Berufsfeuerwehr, Jörg Pöcker, erklären. In der Tat ist es so, dass die Zahl der Floriansjünger "auf dem Papier" stieg, tatsächlich aber immer weniger im Ernstfall ausrücken - weil auch bei den Kameraden der Freiwilligen Wehren der demografische Faktor greift, vor allem aber, weil immer mehr tagsüber nicht erreichbar sind, weil sie woanders arbeiten. Und manchmal - dazu später - liegt es auch an der zur Verfügung stehenden Technik.

Für die 219 aktiven Kameraden und 60 hauptamtlichen Feuerwehrleute stehen jährlich pro Mann 108 Euro zur Verfügung. Allein für Bekleidung und Ausrüstung beträgt der Etat 30. 000 Euro jährlich, die Hälfte davon sind Landkreismittel. Ein vermeintlich stolzes Sümmchen, allerdings, so Pöcker, seien für die Erstaustattung eines Kameraden rund 1.500 Euro zu veranschlagen. Die insgesamt rund 1,5 Millionen Euro Fördermittel müssen sich 40 Kommunen teilen und wenn man berücksichtige, dass ein Feuerwehrfahrzeug schnell mal 400.000 Euro koste und auch ein Gerätehaus nicht viel preisgünstiger sei, dann schmelze diese Summe wie Schnee in der Sonne.

Gegenwärtig verfügt die Plauener Berufsfeuerwehr über 29 Fahrzeuge - darunter sechs Löschfahrzeuge und drei Tanklöschautos. Allerdings: Ein Viertel des Bestandes stammt noch aus DDR-Zeiten. Und ein weiteres Dilemma kommt hinzu. Ein Großteil der Fahrzeuge wurden Mitte der 90er Jahre angeschafft. Was bedeutet, dass sich die Ersatzteilfrage für viele zeitgleich stellt. Rund 86.000 Kilometer bekommen alle Fahrzeuge der Berufswehr jährlich auf den Tacho, rund ein Drittel dieser Strecke legen die Löschfahrzeuge zurück.

Pöcker verwies auf die Kostenexplosion aufgrund ständig neuer Anforderungen und Normen an Technik und Ausstattung. Allein die avisierte E6-Norm verursache unterm Strich Mehrkosten von 30.000 Euro pro Fahrzeug. Ein freudiges Lächeln dann im Gesicht des Straßberger Ortschaftsrates Dieter Blechschmidt. Pöcker avisierte für das kommende Jahr die Sanierung des dortigen Gerätehauses.

Von vergleichbar günstigen Bedingungen sprach anschließend der stellvertretende Wehrleiter Großfriesens, Rüdiger Maetzig. Dennoch benötige Plauen in seiner Funktion als Oberzentrum mehr - die Großfriesener Technik und Ausrüstung für die 32 Kameraden stamme beispielsweise noch aus der Zeit vor der Eingemeindung. Zudem seien viele Fahrzeuge für Einsätze ungeeignet - es passen schlicht zu wenig Kameraden rein. Es sei einem Ehrenamtlichen aber einfach nicht zuzumuten, immer wieder nach Hause geschickt zu werden, so Maetzig weiter.

Und: Obwohl die Großfriesener der Autobahn am nächsten sind, sei an technische Hilfeleistung auf der A72 aufgrund der Ausrüstung nicht zu denken. Für ungläubige Gesichter bei den Stadträten sorgte er mit seiner Bemerkung, dass während des Juni-Hochwassers für die Kameraden nicht mal Gummistiefel zur Verfügung standen.

Ähnliches konnte Rocci Pelz, Leiter der "Freiwilligen" Plauen Mitte berichten. Auch hier hatten die Kameraden im Vorjahr weder Gummistiefel noch Regenjacken im Kampf gegen die Fluten. Pelz mahnte an, die Ortsleiter in die Beschaffungsplanung einzubeziehen und auch die Weiterbildung nicht aus den Augen zu verlieren. Oberbürgermeister Ralf Oberdorfers knappes Fazit: "Ich lade alle Wehrleiter ein und dann reden wir mal über alles, was so gebraucht wird." - Ja, die Wehren sind eine Macht, vor allem kurz vor der Wahl.