Puppendoktorin hilft jedem Teddy

Das Rodewischer Museum "Göltzsch" auf der Schlossinsel wandelte sicham Sonntag in eine Teddybären-Klinik. Puppendoktorin Antje Reiter hielt Sprechstunde.

Rodewisch - Auweia - das Lieblingskuscheltier ist vom Bett gefallen und hat sich dabei den Arm gebrochen! Kein Problem, für diesen Ernstfall wurde am Sonntag das Rodewischer Museum Göltzsch zum Teddy- und Plüschtier-Lazarett. Dabei war es völlig egal, ob die Hilfesuchenden als Kassen- und Privatpatienten zur Sprechstunde von Antje Reiter kamen. Alle wurden gleich behandelt.

Die Patienten kamen mit Risswunden im Gesicht, ausgerissenen Haaren oder Abschürfungen am ganzen Körper, manche sogar kopflos. Vorsichtig begutachte Antje Reiter die kleinen Patienten. Ihre Prognose: Die Heilungschancen stehen gut. Man merkte die Erleichterung bei den vorwiegend älteren Kunden, die ihre Lieblinge aus Kindertagen zum Aufarbeiten gegeben haben. "Da hatte ich schon hoffnungslosere Fälle", sagte Reiter, die seit rund einem Jahr ihre Kuscheltierklinik in Heinsdorfergrund betreibt.

"Die meisten der kuscheligen Gesellen wurden über die Jahre zerliebt. Ich versuche mit einer sanften Reparatur so viel wie möglich von der ursprünglichen Substanz zu erhalten und damit ihren Charakter zu bewahren", erklärt die gelernte Spielzeuggestalterin. Während ihres Studiums in Sonneberg habe sie viel über die "Anatomie" der Kuscheltiere und Teddys gelernt. "Schlimm ist, wenn unfachmännische Selbstreparaturen vorgenommen wurden und zum Beispiel etwas geklebt wurde. Das Ausbügeln solcher Dinge dauert oft länger als die eigentliche Überarbeitung", so Reiter. Für die Fellreinigung hat sie einen Tipp parat: Vorsichtig in Wasser gelöste Kartoffelstärke auftragen, einziehen lassen und anschließend ausbürsten sei die schonendste Art.

Die 50-Jährige entwickelte sich zum Multitalent. Sie malt Portraits aller Art, verschönert mit ihrer Wandmalerei in luftiger Höhe Fassaden oder gestaltet Räume mit Tiermotiven in Kindergärten. Auch fertigt sie Tonskulpturen und ist in der Werbung tätig. Wer einen Oldtimer fachgerecht restauriert, möchte auf die schöngeschwungenen handgemalten Linien nicht verzichten. Die Arbeit mit dem Schlepppinsel erfordert eine besonders ruhige Hand.

"Einige Jahre arbeitete ich auch in einer Bibliothek und lernte kaputte Bücher zu reparieren. So konnte ich schon einige liebe Erinnerung aus der Kinderzeit retten", berichtet die dreifache Mutter. Ihr selbst ausgedachtes Lernspiel "3 x 4 = Klatsch" zum Üben der Grundrechenarten entwickelte sich zu einem Riesenerfolg. "Es ist ein Spiel für Rechenmuffel. Im Spiel ist man damit beschäftigt mit einer Klatsche die Fliege mit der richtigen Zahl zu finden und man merkt gar nicht, dass man das Rechnen übt", so Reiter. Mit ihrer Kuscheltierklinik wollte sie ursprünglich den Bezug zu ihren alten Beruf nicht verlieren und so war sie froh, als erste Anfragen aus ihrer Verwandtschaft kamen.