Psychiatrie-Anbau eingeweiht

Anderthalb Jahre nach der Grundsteinlegung wurde gestern der Erweiterungsbau für die Psychiatrie eröffnet. 130 Jahre nach Gründung der Nervenklinik in Plauen, die vor zwei Jahrzehnten ihr eigenes Gebäude erhielt. 5,8 Millionen Euro hat der Anbau gekostet.

Von Marjon Thümmel

Plauen - "Sieben Jahre hat es von der Idee über die Anträge bis zur heutigen Eröffnung gedauert. Wir haben es gemeinsam geschafft. Und ich freue mich, dass der Termin und die Kosten eingehalten wurden", sagt Helios Vogtland-Klinikum-Geschäftsführerin Peggy Uhlmann und zieht mit einigen Zahlen sogleich die rund 150 Festgäste in ihren Bann: 570 Kubikmeter Erde seien ausgehoben, 1280 Kubikmeter Beton gegossen und 238 Quadratmeter Glasfläche verbaut worden. 5,8 Millionen Euro hat der Anbau gekostet, 4,8 Millionen steuerte der Freistaat aus Fördermitteln bei. Dass nicht, wie bei Bauten der öffentlichen Hand üblich, Gelder nachgelegt werden mussten, verblüffte Sozialbürgermeister Steffen Zenner, der in seinem Grußwort aber vor allem anmahnte, seelische und körperliche Erkrankungen gleichzustellen und nicht psychische Krankheiten zu stigmatisieren. "Wir brauchen mehr Aufklärung über die Krankheitsbilder", sagte er und lobte zugleich die wohnortnahe medizinische Versorgung in der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik. "Der Erweiterungsbau gibt Raum für die Behandlung von Leiden, die immer mehr Zuwendung erfordern. Erst Ende März wurde bundesweit berichtet, dass sich die Zahl der Krankentage auf Grund psychischer Probleme in den letzten zehn Jahren verdoppelt hat", betonte Dr. Roland Bantle, Regionalgeschäftsführer der Helios Kliniken Sachsen.
 Vor 20 Jahren war die psychiatrische Klinik eröffnet worden. Angesichts einer steigenden Patientenzahl - in den vergangenen 14 Jahren hat sie sich verdoppelt - platzte das Gebäude aus allen Nähten. Der barrierefreie Neubau, der an das vorhandene Klinikgebäude angebunden wurde, schafft Platz für eine 20-Betten-Station mit geschütztem Bereich, tagesklinischen Plätzen sowie neuen, modernen Funktionsgebäuden für Therapie und Sport. Insgesamt verfügt die Klinik für Psychiatrie somit über 110 stationäre Betten, 30 Plätze in der Tagesklinik sowie die Institutsambulanz. "Die Psychiatrie ist der größte Fachbereich im Vogtland-Klinikum. Jährlich werden 1800 Patienten stationär und 7650 ambulant behandelt. Psychische Erkrankungen sind schon Volkskrankheiten. 27 Prozent der Erwachsenen sind innerhalb eines Jahres betroffen. Dazu kommt die älterwerdende Gesellschaft", sagt Peggy Uhlmann und dankte allen Mitarbeitern für ihren Einsatz.
 "Ich freue mich anderthalb Jahre nach der Grundsteinlegung - es war eine der spektakulärsten, die ich erleben durfte - wieder hier zu sein", sagte Sozialministerin Barbara Klepsch und verwies auf den Erweiterungsbau als wichtiges Zeichen in die Region. "Gerade seelische Krankheiten nehmen zu. Um die medizinische Versorgung generell im ländlichen Raum sicher zu stellen, müssen wir auch neuen Ideen Raum geben. Digitalisierung und Telemedizin werden noch mehr an Bedeutung gewinnen ebenso das Zusammenspiel von stationärer und ambulanter medizinischer Versorgung. Die größte Herausforderung ist aber für uns das Personal", betonte die Ministerin. 
 Den Schlüssel für den Anbau konnte gestern die neue Chefärztin der Klinik für Psychiatrie übernehmen: Jeanette Böhler hat im April die chefärztliche Leitung übernommen. Die gebürtige Hessin aus Limburg an der Lahn hat zwei Kinder (23 und 21 Jahre), hat nach dem Abi Biologie und anschließend Medizin in Frankfurt am Main studiert. Ihre medizinische Laufbahn begann sie als Ärztin in der Anästhesie und Intensivmedizin in Italien und kam von dort nach sieben Jahren zurück nach Deutschland, genauer gesagt nach Hagen in Westfalen. Dort entschied sie sich für einen Wechsel in die Psychiatrie. "Ich wollte einfach mehr Zeit für die Menschen haben, die uns Ärzten anvertraut sind, den als Intensivmedizinerin bleibt oft wenig Zeit, sich eingehend mit den Sorgen und Ängsten der oft Schwerkranken und ihren Angehörigen zu beschäftigen", sagt Jeanette Böhler, die über 29 Jahre Erfahrung im Gesundheitswesen verfügt. Sie war Oberärztin, Chefärztin für Suchtmedizin und ärztliche Direktorin bevor sie nach Plauen kam. "Ich fange hier einen neuen Job an und bekomme gleich ein neues Gebäude", freut sie sich bei der Übergabe des symbolischen Schlüssels aus der Hand von Architekt Carsten Bauer von der Bauplanung Plauen GmbH - und lädt gleich alle Festgäste zu einem Rundgang durch den Neubau ein.