Prüfung mit Zuckerguss

Anna Schneider ist endlich Konditorin. Das Gesellenzeugnis gibt es Ende Juli - "und es sieht gut aus", sagt die 21-Jährige, die mit Torten, Pralinen und einem Gnom die Prüfer überzeugt hat.

Lengenfeld Die praktische Prüfung in der Handwerkskammer Chemnitz stand unter dem Motto "Hörst Du das Gras wachsen - der Frühling erwacht" und dauerte zwei Tage - insgesamt zwölf Stunden, berichtet Anna Schneider von der Stangengrüner Mühlenbäckerei in Lengenfeld. "Ich habe drei Buttercremetorten in den Geschmacksrichtungen Mango-Maracuja, Erdbeere und Rhabarber mit einem ,Grasband‘ aus grün gefärbtem Marzipan verziert, mit einer Schokokante sowie Blumen aus Buttercreme und Schmetterlingen aus Schokolade."
Die Torten, präsentiert auf einer Etagere, krönte ein Schaustück aus Zucker, Fantasie und Geschick: "Ich habe mich inspirieren lassen von dem Kinderbuch ,Gisbert hört das Gras wachsen‘, in dem ein Gnom Abenteuer in einem Garten erlebt."
Anna hat Gisbert gezeichnet - und "nachgebaut": Um die Einzelteile zu erhalten, hat sie eine Mischung aus Wasser, Zucker und Glykosesirup in zugeschnittene Moosgummi-Formen gegossen. Nach dem Aushärten wurde gefärbt, zusammengesetzt, mit Schokolade verziert.
Zur Prüfung gehören auch A2-große Zeichnungen, die den Betrachter informieren, wie die Torten von der Seite aussehen, von oben - und von innen. "Damit ein fremder Konditor alles nachbauen kann."
Anna Schneider wohnt in Zwickau und hat dort das Abitur abgelegt. "Eigentlich wollte ich Geschichte studieren, bin dann auf Konditor gekommen: Kochen und backen sind mein Hobby, angeregt durch TV-Sendungen und Kochbücher." Auf der ersten Lehrstelle in einer Zwickauer Konditorei habe allerdings die Chemie nicht gestimmt - dafür umso mehr in Lengenfeld, der Zentrale der Mühlenbäckerei, die 550 Leute beschäftigt und mehr als 100 Filialen betreibt.
Hier gefällt es der jungen Frau nach eigenen Worten, auch weil die Firma die Ausbildung unterstützt hat. "Man muss für die praktische Prüfung üben, sonst klappt es nicht."
Zum Examen gehörte nach Schneiders Angaben ebenfalls das Herstellen von zwei Sahnetorten sowie Marzipanfiguren. "Ich habe Schnecken und Katzen gestaltet und drei Sorten Pralinen - aus Schokoplättchen, Likör und Marzipan, aus Kuvertüre und Zutaten für die Geschmacksrichtungen Orange, Mango-Balsamico und Kardamom-Honig. "Und ich habe eine essbare Pralinenschachtel gesetzt - aus Zucker, Schoko und Krokant."
Wie geht es beruflich weiter? "Ich werde sobald als möglich eine Meisterausbildung beginnen. Noch weiß ich nicht, ob ich mich irgendwann selbstständig mache oder vorher ins Ausland gehe."
Klar sei jedoch, dass sie zum Geburtstag ihrer Mutter im Oktober, die Gewandmeisterin am Plauener Theater ist, zu Hause wirbelt: "In der Küche darf ich mich austoben." Gut möglich, dass sie dann eine Buttercremetorte zaubert und dazu Pudding verwendet, obwohl die Berufsschullehrer in Chemnitz und Wilkau-Haßlau fordern, nur von gekochter Vanillecreme zu sprechen… ufa