Protest der Klinik-Mitarbeiter

Die Belegschaft der BG Klinik Falkenstein protestiert am Donnerstag gegen die mögliche Schließung der Einrichtung. Die recht guten Patientenzahlen aus den Vorjahren rechtfertigten kein Aus - meinen Mitarbeiter und Gewerkschaft ver.di.

Von Cornelia Henze

Falkenstein - Anlass der Protestaktion ist die Krisen-Sitzung, welche die Geschäftsleitung des BG Klinik-Verbundes Berlin vor Ort in ihrer Einrichtung in Falkenstein/Dorfstadt abhält. Hinter verschlossenen Türen wird über die Zukunft des Hauses und rund 100 Mitarbeitern entschieden.
Am 29. März verkündete Reinhard Nieper, der Geschäftsführer des BG Klinik-Verbundes, den Falkensteinern, dass eine Schließung des Standortes im Raum steht. Das Ergebnis eines intern im BG Klinik-Verbund angefertigten Gutachtens soll am 16. Mai die Zukunft des Hauses weisen. 
Für Zorn in der Belegschaft sorgte Niepers "guter" Ratschlag an die Beschäftigten, sich bis dorthin doch schon einmal anderweitig zu bewerben, "um Ihren Marktwert zu testen". "Das ist unverschämt und frech. Viele Mitarbeiter haben für diese Klinik einen Großteil ihrer Lebenszeit gegeben", kommentiert ver.di-Gewerkschaftssekretärin Simone Bovensiepen diesen Satz. Die Beschäftigten stehen in Begriff, ihren nach Tarif und daher gut bezahlten Arbeitsplatz zu verlieren. Auch wenn medizinisches Personal sicher schnell anderweitig unterkommt, nach Tarif bezahlen die wenigsten - in der Altenpflege schon gar nicht. Ein Wechsel würde also für viele Einbußen bedeuten, ahnt Bovensiepen. Suspekt kommt der ver.di-Frau auch die Art des angeblichen Gutachtens vor. Wolle man die Lage des Hauses objektiv bewerten, müsse ein Exposé von externen Gutachtern angefertigt werden - etwa von der sächsischen Unfallkasse. Aber keinesfalls vom BG Klinik-Verbund selbst. Mitarbeiter und Gewerkschaft befürchten, dass das Gutachten nichts anderes ergeben werde, wie die vorweg genannten Schließungsgründe der BG: Ärzte- und Patientenmangel, die Abnahme der in Falkenstein behandelten typischen Berufskrankheiten (Atemwegs- und Lungenkrankheiten) und die schlechte Lage der Klinik - mitten im Wald ohne Verkehrsanbindung.
"Es ist offensichtlich, dass die Geschäftsleitung darauf hin arbeitet, diese Klinik zu schließen", so die Erkenntnis, die Simone Bovensiepen aus Mitarbeitergesprächen und Recherche gewonnen hat. Wie anders ist es erklärbar, dass die Klinik trotz angeblichem Ärztemangel schon länger keine Inserate im Ärzteblatt oder lokalen Medien geschalten habe. Einem türkischstämmigen Arzt, der in Falkenstein arbeiten wollte, habe die Geschäftsleitung nahegelegt, statt der sächsischen die bayerische Zulassung zu beantragen, um wohl im bayerischen Bad Reichenhall, wo sich die zweite BG Klinik befindet, eine Stelle anzutreten.
Die dem Vogtland-Anzeiger vorliegende Patienten-Auslastungszahlen nähren den Verdacht der Mitarbeiter, dass bewusst Patienten nach Bad Reichenhall zur Behandlung umgeleitet werden - auch die, die schon jahrelang in Falkenstein kuren. Nach einer Klinik-Schließzeit zu Weihnachten und um den Jahreswechsel sei gewöhnlich die Zahl der anreisenden Patienten wieder angestiegen. Die meisten kommen am liebsten im Frühjahr und Sommer. 
"Nur dieses Jahr wollte sich das nicht erholen. Die Anreisen haben sich nicht gesteigert", hat ein Mitarbeiter beobachtet. Dieser abrupte Absturz der Patientenzahlen, den die Geschäftsleitung gegen Jahresende 2019 im Diagramm schon vorauseilend gegen Null fahren lässt und im Jahresdurchschnitt mit 47 Prozent angibt, passt so gar nicht zu den recht guten Auslastungszahlen der Vorjahre 2016 bis 2018. Im Gegenteil: Lagen die Pflegetage im Jahr 2016 noch bei rund 68 Prozent, stiegen sie 2018 auf über 77 Prozent. Von Patientenschwund kann also keine Rede sein.
Auch der Ärztemangel sei nicht so akut, wie von der Geschäftsleitung dargestellt, meint der Mitarbeiter. Zurzeit arbeiten in der Pulmologie sieben Ärzte plus Chefarzt, die Dermatologie hat fünf. "In früheren Jahren war die Fluktuation größer", sagt der seit den 1990er Jahren beschäftigte Mitarbeiter.
Auch das Argument, die Falkensteiner Klinik befinde sich in Randlage, wollen die Mitarbeiter nicht gelten lassen. Vielmehr liege die einzige BG Klinik Sachsens in Mitteldeutschland und von allen Patienten der Republik gut zu erreichen. Patienten, die einmal in Falkenstein behandelt worden seien, wollten wegen der Ruhe und des Waldes immer wieder gern kommen. 
Unklar ist der Belegschaft, warum die Klinik-Leitung alle ins Auge gefassten Neuausrichtungen des Hauses abgeschmettert hat. Der bis 2018 in Falkenstein tätige Chefarzt Prof. Matthias Fischer bemühte sich durch neue Behandlungsfelder Patienten aus den Branchen Chemie, Kfz und Bau zu akquirieren - ebenfalls wollte er Kontakte zum Sächsischen Krankenhaus Rodewisch aufnehmen zwecks Zusammenarbeit bei psychosomatischen Erkrankungen. Auch die Firma Goldbeck meldete Therapiebedarf für ihre Bauarbeiter an. Alles sei abgeschmettert worden, weiß auch Bovensiepen. Für den Erhalt der Klinik treten aktuell auch Patienten ein. Mitarbeiter haben eine Unterschriftensammlung gestartet.

Gegendarstellung

Unter der Überschrift "Protest der Klinik-Mitarbeiter" ist im Vogtland-Anzeiger vom 6. Mai 2019 und im Internet unter www.vogtland-anzeiger.de, ein Beitrag über die BG Klinik für Berufskrankheiten Falkenstein erschienen. In Bezug auf meine Person werden in diesem Zusammenhang unrichtige Behauptungen verbreitet, die ich wie folgt richtigstelle: "Unwahr ist, dass ich den Beschäftigten den guten Rat gegeben habe, sich bereits jetzt schon einmal anderweitig zu bewerben, um ihren Marktwert zu testen. Wahr ist, dass ich eine entsprechende Äußerung nie getätigt habe."

Berlin, den 10. Mai 2019

Reinhard Nieper, Vorsitzender Geschäftsführer,  BG Kliniken - Klinikverbund der gesetzlichen Unfallversicherung gGmbH