Protest an der Klinik

"Wir werden in den nächsten Wochen versuchen, eine gute Lösung zu finden", verspricht Reinhard Nieper der Belegschaft der BG Klinik Falkenstein. 90 Mitarbeiter und die Gewerkschaft ver.di protestierten vor dem Haus, während der Vorstand intern beriet. Das Personal ist froh: Die kurzfristige Schließung ist vom Tisch.

Von Cornelia Henze

Falkenstein - "Es hat uns überrascht, dass sich die Herren dem Gespräch gestellt haben", sagt die stellvertretende Bezirks-Ver.di-Chefin Kerstin Eger nach der gestrigen Protestaktion. Hier gehe es nicht um Lohn- und Tarifstreik, sondern knallhart um den Erhalt von 90 Arbeitsplätzen. Dass der Vorstand einlenkte, bis September alle Möglichkeiten, den Standort zu erhalten, prüfen zu wollen, habe sie positiv überrascht. "Hätte sich keiner von der Geschäftsleitung gezeigt, hätten wir mit lauten Trillerpfeifen dies eingefordert. Aber so hat der stille Protest gereicht", sagt sie zufrieden. "Ich bin zufrieden, was da rausgekommen ist", so auch Falkensteins Bürgermeister Marco Siegemund. Sören Voigt, CDU-Landtagsabgeordneter, deutet es als gutes Zeichen, dass die Chefs in Berlin versprachen, in erster Linie das Wohl der Patienten, gefolgt von dem der Mitarbeiter und erst an dritter Stelle den finanziellen Aspekt bedenken zu wollen.
Während die Geschäftsführung beriet, zeigten Ärzte, Pfleger, Schwestern und sonstiges Personal Flagge. Ihre Transparente zeigen Statements wie "Aufgeben ist keine Option. Wir machen uns stark für die Klinik", "Nicht mit uns - wir bleiben!", "Wollen Sie uns unsere Arbeitsplätze wegnehmen?" 
Solidarisch mit ihren früheren Kollegen zeigten sich Magdalena Brumbauer und Melanie Dönitz, beide in der medizinischen Bäderabteilung und der Physiotherapie tätig - um die 40 Jahre. "Es hat mich erschüttert, als ich hörte, dass unsere Klinik geschlossen werden soll. Ich weiß, dass viele Patienten gerne und immer wieder hier zu uns kommen", so Frau Brumbauer. 
Einer, der schon um die 20 Mal da war, ist Theodor Herber. Der alte Herr im Rollstuhl findet deutliche Worte für die Geschäftsleitung aus Berlin: "Hier ist man nicht nur Patient, hier ist man auch Mensch!", sagt er laut und fügt an: Ein einziges Mal habe er in Bad Reichenhall kuren wollen - doch dort habe man Rollstuhlfahrer nicht haben wollen. 
Seit zwei Jahren ist die Ukrainerin Oksana Nalyvaiko Ärztin am Haus. Sie finde als Ärztin zwar leicht anderswo Arbeit, aber hier gehe es um den Arbeitsplatz aller und um den Standort.
 Gesundheit dürfe nicht zur Ware verkommen, sagt auch Linken-Landtagsabgeordnete Janina Pfau.
Sie habe das Gefühl, dass die Geschäftsführung noch nicht alles ausgeschöpft habe, um die Klinik zu erhalten, so ver.di-Gewerkschaftssekretärin Simone Bovensiepen. Wenig später tritt BG-Klinik-Geschäftsführer Reinhard Nieper mit Landrat Rolf Keil sowie weiteren Kommunal- und Landespolitikern vor die Protestierenden und verspricht Lösungen. 
Seit einiger Zeit sei die Klinik mit etwa 1400 Patienten - das entspricht rund 77 Prozent - nicht ausgelastet. Um rentabel zu sein, müsste die Auslastung zwischen 85 und 90 Prozent liegen, sagt Nieper zum Vogtland-Anzeiger. Das liege am Rückgang der Rentenbezieher und der potenziellen Patienten. Auch bekomme man immer schlechter qualifizierte Fachkräfte - zudem bestünden an der Klinik "bauliche Notwendigkeiten" (Brandschutz). Dass Patienten absichtlich nach Bad Reichenhall geleitet werden, wie manche Mitarbeiter behaupteten, entspreche nicht der Wahrheit, so Nieper. Der Versicherte habe die Wahl, in welchem Haus er die Kur antreten wolle. Bis September wolle man nach einer Lösung suchen: Man will Kontakt zur öffentlichen Hand aufnehmen und zu anderen Krankenhausträgern zwecks Kooperation. Nieper: "Wir werden alles ausloten".