Prosit auf viel Neues in Plauen

Ein 50-Millionen-Geldsegen, viele Vorhaben und die Verwirklichung lang gehegter Wünsche in der Spitzenstadt - darauf erhob gestern Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer mit den rund 300 Gästen sein Glas beim Neujahrsempfang der Stadt. Angestoßen wurde auf Gesundheit und Wohlergehen, dieses Mal im Helios Vogtland-Klinikum.

Von Marjon Thümmel

 

Plauen - Das hiesige Krankenhaus, 1889 am heutigen Standort mit 114 Betten eröffnet, kann in diesem Jahr auf eine 130-jährige Geschichte zurückblicken. Ein gewichtiger Grund für den Oberbürgermeister, zum Neujahrsempfang der Stadt Plauen, gerade hierher einzuladen. Und Geschäftsführerin Peggy Uhlmann sowie der ärztliche Direktor Dr. Oliver Schilling waren stolz, das Helios Vogtland-Klinikum mit seinen 19 Fachabteilungen und zwei Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) den Gästen aus Wirtschaft, Politik, Kultur, Sport, aus Behörden, Institutionen, Vereinen und Verbänden vorstellen zu können. Besonders begrüßte der OB vor allem die ehrenamtlich engagierten Frauen und Männer: "Ohne sie wäre es nicht möglich, die Stadtgemeinschaft aufrecht zu erhalten". Stellvertretend für die Ehrenamtler würdigte er die Plauener "Neideitel" und Tanzpädagogin Ruth Müller-Landauer, die im Mai 90 Jahre alt wird und durch ihre Tanzgruppe "Vergissmeinnicht" immer noch jung geblieben sei.
 140 Millionen Euro schwer sei der Stadthaushalt für 2019. OB: "Der größte, den es in meinen fast 20 Jahren OB-Zeit je gab und damit ist alles finanziert und mittelfristig auf weitere vier Jahre gesichert." Dabei befinde sich Plauen weiter in der Haushaltskonsolidierungsphase. Doch sprudelnde Steuereinnahmen und höhere Schlüsselzuweisungen machten konstante Zuschüsse in Soziales, Sport, Kultur und Infrastruktur möglich. "Die Fördermittelprogramme aus Bund und Land sind großzügig. Und ich denke, beide haben auch etwas gut zu machen, denn Sachsen hat über Jahre an allem gespart und der Bund seit 2015 den Kommunen einiges abverlangt", so Oberdorfer.


 Sein Dank galt vor allem Yvonne Magwas, die als Bundestagsabgeordnete einen 25-Millionen-Geldsegen für Plauen ermöglichte - eine von vier Städten bundesweit. Aufgestockt wurde die Summe um weitere 25 Millionen vom Land Sachsen. 50 Millionen Euro für die Städtebauförderung, die nicht mit Eigenmitteln untersetzt werden müssen. Damit lassen sich lang gehegte Wünsche umsetzen, wie Ralf Oberdorfer unterstrich.
 Dringend benötige Plauen weitere Industrie- und Gewerbeflächen an der Autobahn. Die sieben Gewerbegebiete von Zadera bis Neuensalz seien belegt. "Weitere Flächen haben wir in Oberlosa in Richtung Oelsnitz und Stöckigt gekauft oder optioniert. Dafür werde ich mich bei Oberlosa mit einer Aufwertung der Ortsteils revanchieren", versprach er. "Denn Arbeitsplätze sind das A und O für eine wirtschaftliche Zukunft."

Bei allen Investitionen verringerten sich laut OB aber keineswegs die Zuwendungen für Soziales, Sport und Kultur. "So haben wir die Begrenzung der Kita-Gebühren im Stadtrat beschlossen. Ein wichtiges Zeichen an junge Familien", sagt er und nannte auch die Erfüllung lang gehegter Wünsche. "In den nächsten Tagen werden wir am Diesterweg-Gymnasium die neue für eine Million Euro gebaute Aula einweihen. Das Lessing-Gymnasium erhält einen Anbau und acht Klassenzimmer neu, damit alle Schüler von der 5. bis zur 12. Klasse unter einem Dach lernen können. Auch eine neue Sporthalle wird entstehen. Und wir wollen über eine Schulsporthalle hinaus die Hallenkapazitäten für vereine verbessern und auch etwas mit zwei Tribünen für künftige Sportveranstaltungen tun", sagte Oberdorfer. Fertig sei die Astrid-Lindgren-Grundschule, der Umzug der Dittes-GS stehe schon fast vor der Tür und die Vorbereitung der Generalsanierung der Wartberg-GS liefen auf Hochtouren.


 Investiert werde auch immens in den Straßenbau, was die vielen Baustellen beweisen würden.
 Im April beginne die Sanierung des Nord-West-Flügels des Rathauses. "Ich hätte mir zwar einen Ersatzbau gewünscht, aber es fehlte ein toller Vorschlag. So werden wir mit dem einmaligen Architekturbruch bei der Fassade werben", so Oberdorfer. Zugleich dankte er dem Plauener Maler Manfred Feiler für die großzügige Schenkung seiner Bilder, die im Foyer künftig Platz finden sollen.
 Das Vogtlandmuseum bekommt ein neues Depot in Teilen des ehemaligen BSZ an der Seminarstraße. Damit wird auch das Depot im Ex-Brandschutzamt frei, das dann zur Erlebnisgastronomie umgebaut werden soll, verriet der OB.


 Im März werden im ehemaligen Amtsgerichtsgebäude die Vorlesungen der Studienakademie beginnen. Und auch für die Schlossruine ist eine Lösung in Sicht: Der Freistaat gibt mehr Geld, damit die Ruine, der derzeit die Tragfähigkeit fehlt, doch noch in Mehrzweckgebäude für den Campus umgebaut werden kann. Allerdings wird das zwei Jahre länger dauern. An den Schlossterrassen gehe der nächste Bauabschnitt im Frühjahr los.
 Für den Breitbandausbau werden die Stadtwerke Strom zehn Millionen Euro investieren, "damit in jedes Haus ein Kabel gezogen werden kann".
 In der Elsteraue werde die neue Kita mit 120 Plätzen gebaut und auch das Weisbachsche Haus werde zum Spitzenzentrum umgebaut.
 Die Elvis-Wette hat der OB verloren: Sein Versprechen, an den Schlossterrassen Sträucher zu pflanzen, werde er halten.
 Natürlich kam auch der Blick auf das Theater Plauen-Zwickau nicht zu kurz. "Wir wollen eine vernünftige Lösung für die 290 Beschäftigten, die ein vollumfängliches Vier-Sparten-Theater garantieren, auch wenn mit der Fusion vor 18 Jahren es noch 450 waren. In beiden Theatern gibt es das gleiche Angebot und das Publikum merkt nichts von dem logistischen Aufwand. Wenn jetzt der Freistaat deutlich mehr Geld für den Kulturraum geben will, dürfen die Gespräche über die Zukunft des Theaters zwischen Zwickau und Plauen nicht scheitern. Das wäre nämlich ein wahrer Treppenwitz", machte Oberdorfer seinen Standpunkt deutlich.


 Zum Verhältnis Stadt und Vogtlandkreis sagte Oberdorfer: "Der Landrat und ich streiten uns manchmal. Aber dabei geht es eigentlich nur ums Geld - ob für Theater, unsere Straßenbahn oder die Kreisumlage, die von 18 auf 30 Millionen Euro seit Verlust der Kreisfreiheit gestiegen ist."
 Mit dem Zitat "Wenn du ein Problem hast, versuche es zu lösen. Kannst du es nicht lösen, dann mache kein Problem daraus", stieß er mit seinen Gästen auf das neue Jahr an und wünschte etwas mehr Gelassenheit.