Problemlöser für Riesenbild in Oelsnitz gesucht

Erst gegen Mittag ist die Arbeit vollbracht, denn Volkmar Maria Groebe - der seinen standesamtlich eingetragenen Namen mit dem Vornamen seiner Mutter zum "Künstlernamen" veredelt hat - und sein Nachbar und Helfer, Roland Werner, müssen immer wieder Auskunft geben über das entstehende Riesenbild. Am Vormittag setzt ein stetiger Besucherstrom ein, der bis in den frühen Abend andauert.

Explodierende Farben in Acryl und geometrische Formen verbinden sich in jedem Bild zu immer wieder neuer, phantasievoller Gestaltung. Zusammengehalten wird die Vielfalt durch das Prinzip der Kreise und das leuchtende Neongelb, das Groebe mit einem Textmarker aufträgt.

Seit der ersten Ausstellung in der Halle im März vergangenen Jahres und der Präsentation im Stadtrat im Mai ist die Bildersammlung um mehr als das Doppelte gewachsen. Groebe, der in seinem Berufsleben Musterdesigner in den Halbmond-Teppichwerken war, will "Deutschlands größtes begehbares Bild" schaffen. Es soll Gestalt annehmen auf einem Platz der Stadt - "am besten gegenüber der Sparkasse im ehemaligen Thälmann-Ehrenhain", sagt er. Ein modernes Wahrzeichen für Oelsnitz schwebt ihm vor. Einwohner, Besucher, Touristen und vor allem Kinder sollen darauf laufen und staunen - oder auf allen Vieren herumkriechen, um jede Einzelheit zu entdecken. Kann Groebe den Stadtrat von seiner Idee überzeugen? Aus dem Gremium kam bisher keine Reaktion.

"Wir wollen Problemlöser sein, keine Nein-Sager von vornherein", beschwört er die Volksvertreter. Ein gewichtiges Argument verbucht er inzwischen - eine Oelsnitzer Firma habe zugesagt, das Sicherheitsglas für das Bodenbild zu spenden. Eine Investition von 30 000 Euro wäre damit ausreichend, schätzt er.

Wie reagieren die Besucher? Anneliese Spranger, bekannt für ihre Gemälde des Vogtlands, ordnet Groebes Kunst der Pop-Art zu. "Die Idee finde ich gut. Aber ist sie machbar? Überall fehlt das Geld", meint sie. Manfred Danner hat einen Vorschlag, der nur Nachahmer braucht. "Ich würde die Patenschaft übernehmen für ein Bild und zehn Euro dafür spenden", sagt er. Auch Hannelore Kupfer würde das Projekt auf diese Weise unterstützen. Von dem Bodenbild ist sie begeistert. Es sollte den Eingangsbereich vor Schloss Voigtsberg schmücken, meint sie. "Als Teppichstadt sollten wir uns das Bild nicht wegnehmen lassen", erklärt Stadtrat Dr. Jürgen Schlick (DSU). Das größte Problem sei ein geeigneter Platz. "Wir werden uns im Rat damit befassen", kündigt er an. Notfalls will er den Antrag einbringen. "100 Prozent Pro", signalisiert Bernd Blau, der Ortsvorstand von Raasdorf. Etwas "Kreatives und Außergewöhnliches" sieht Manfred Gerullis in der Arbeit Groebes. "Man sollte eine Möglichkeit finden, sie dauerhaft auszustellen, das Bild gehört in die Teppichstadt", meint er. "Einen Gesamteindruck von diesem Kunstwerk" wollte sich auch stellvertretender Bürgermeister Mario Horn verschaffen. "Ich bin sehr beeindruckt", hält er im improvisierten Gästebuch fest.

Bis Mai will Groebe mit seinem Werk fertig werden. "Jeden Tag male ich zwei Bilder, manchmal drei, manchmal bis nachts um 3 Uhr", erzählt er. Jedes Bild signiert er mit dem Datum - eine Art Tagebuch entsteht. Für sein Riesenbodenbild braucht er 1225 Blätter, die eine Fläche von 17,50 mal 14 Metern ergeben. Er ist besessen von seiner Arbeit, acht bis zwölf Stunden gehen dafür täglich drauf. Die 40-Quadratmeter-Wohnung in der Otto-Riedel-Straße und sein Atelier sind eins. Rund 180 Gemälde - Landschaften, Stillleben, Porträts - bedecken Wände und Tür. Fotos davon und Zeichnungen hat er in der Halle ausgelegt. Leben muss Groebe in großer Bescheidenheit. Seine Rente stockt das Sozialamt auf. Einen neuen Job fand er nicht, nachdem er 1991 beim Personalabbau in den Halbmond-Werken arbeitslos wurde. Nach AB-Maßnahmen blieb nur der vorzeitige Ruhestand mit hohem Abschlag bei der Rente, schildert der Künstler seine Lage. Farbe, Pinsel und Papier zu kaufen, wird so zum Drahtseilakt, häufig sei das Geld am 10. des Monats alle.