Pro und Contra: Soll man Solarenergie fördern?

Die Bürgersolar-Anlage in der Plauener Goette-Straße erhitzt die Gemüter. Die einen feiern das Projekt als demokratisch, umweltfreundlich und zukunftsträchtig - andere verurteilen die hohen Subventionen, die "Umverteilung von unten nach oben" und sprechen von Vernichtung von Volksvermögen.

Plauen - 23 Einwohner der Stadt Plauen haben sich zusammengeschlossen für die 168 000 Euro teure Bürgersolar-Anlage in der Wilhelm-Goette-Straße 16 bis 28: Jeder hat sich am Projekt beteiligt - in unterschiedlicher Höhe: Einige haben 500 Euro Einlage gezahlt, manche 1000 Euro, einer 20 000 Euro. Insgesamt sind 86 000 Euro zusammengekommen, in 171 Anteilen, teilt die BürgerSolarKraftwerk Plauen 01 GbR mit, die dazu gegründet wurde. Der Rest der Investition wird den Angaben zufolge über Kredit finanziert. Die Photovoltaik-Anlage im Stadtteil Reusa bedeckt 410 Quadratmeter des Süddaches eines Hauses der Plauener Wohnungsbaugesellschaft. Die "Bürgerfirma" schätzt, dass pro Jahr 50 000 Kilowattstunden Strom gewonnen werden - das entspreche dem Stromverbrauch von 25 Haushalten. Für die Nutzung des Daches muss der Verein Pacht zahlen.

Die Gewinnschwelle soll den Vereinsangaben zufolge in acht Jahren erreicht sein: Dann werde jeder - entsprechend seiner Einlage - am Gewinn beteiligt. Wer beispielsweise 500 Euro Einlage hat, bekommt ein 171stel des Gewinns. Der berechnet sich aus dem Erlös (laut Gesetz erhalten die Solarbetreiber 33 Cent pro Kilowattstunde) verringert um die Aufwendungen: Pacht, Instandhaltungskosten, usw.

Jetzt hat CDU-Stadtrat Dieter Blechschmidt die verbale Keule gegen die Bürger-Solaranlage Projekt geschwungen. Nach seiner Meinung dürften derartige Projekte keinesfalls gefördert werden. Die Anlage sei nur etwas für reiche Kapitalanleger - zu Lasten der vielen (kleinen) Stromkunden. Dieter Rappenhöner hält dagegen. Der Grünen-Stadtrat ist der Kopf des Projektes - und auch einer der Investoren. "Bei uns können gerade Kleinanleger mitmachen und etwas gegen den Klimawandel tun. Und unser Projekt ist klein gegen das von Andreas Heinz, dem CDU-Landtagsabgeordneten." Ist Heinz der größte Solar-Investor in Plauen? Das wisse er nicht, sagt Heinz auf Anfrage, aber er bestätigt, dass er in die Solaranlage auf dem Dach des Plauener Amtsgericht investiert hat. ufa

"Am Projekt sind die verschiedensten Leute beteiligt mit den verschiedensten Einlagen - Studenten und Rentner, Verkäuferin und Geschäftsführer, Dachdecker, Schornsteinfeger und Rentner", sagt Dieter Rappenhöner (58), Grünen-Stadtrat und Projekt-Initiator. "Ein Rechtsanwalt ist dabei, und ja, auch ich habe mich beteiligt." Und obwohl unterschiedliche Einlagen getätigt wurden - von 500 bis 20 000 Euro - habe jeder Gesellschafter die gleichen (Stimm)Rechte. Was sei schlimm daran, dass die Anlage eine Rendite abwerfe?, fragt Rappenhöner. "8 Prozent sind toll für ein Sparbuch - für ein Unternehmen sind sie mickrig." Nach seinen Worten schießt sein Widerpart Dieter Blechschmidt grundsätzlich gegen erneuerbare Energie. "Er ist ein stadtbekannter Klimaänderungsleugner, weil er bestreitet, dass es einen von Menschen gemachten Klimawandel gibt."

Es sei einfach nicht mehr zeitgemäß, auf Braunkohleverstromung zu setzen, allein wegen des Kohlendioxid-Ausstoßes beim Verbrennen der Kohle. "Auch das Argument ,Arbeitsplätze? zieht nicht: Heute arbeiten vielleicht noch 3000 Leute in Sachsens Braunkohletagebauen - in der sächsischen Solarbranche sind es fünf Mal mehr", sagt Rappenhöner, der studierter Geograph ist und als Geschäftsführer seines eigenen Landschaftsplanungsbüros arbeitet.

Dem Argument, die Solarbetreiber bekämen unverschämt viel Fördermittel, nämlich 30 Prozent, tritt Rappenhöhner entgegen: "Das meiste der investierten 168 000 Euro ist in der Region geblieben: Die Solarmodule wurden in Chemnitz gefertigt, vogtländische Elektriker und Dachdecker haben sie montiert. Die mit der Errichtung der Anlage beauftragte Firma ist eine Plauener. Das Geld ist nicht verschwunden, sondern zurück im Wirtschaftskreislauf der Region." Ja, es stimmt, dass jeder Stromverbraucher mit 3,5 Cent pro Kilowattstunde von jedem Stromkunden subventioniert werde, sagt der 58-jährige Rappenhöner. "Aber Umfragen sagen, dass die meisten Bundesbürger bereit sind, 10 Euro pro Monat mehr auszugeben, um den Ausstieg aus der Kernenergie zu schaffen." Und zum Schluss kündigt Rappenhöner an, eine zweite Bürgersolar-Anlage in Plauen errichten zu wollen: "Wahrscheinlich in der Erich-Ohser-Straße. Wieder werden viele gesucht, die sich beteiligen." ufa

"Ich bin nicht gegen die Solartechnik - aber gegen die Förderpraxis. In meinen Augen ist die Subventionierung legaler Diebstahl", sagt Dieter Blechschmidt (44), der für die CDU im Plauener Stadtrat sitzt und sich als überzeugten Marktwirtschaftler bezeichnet. "Es wäre ökologisch sinnvoller, wenn die so genannte Bürgersolaranlage nicht gebaut worden wäre: Die von der Allgemeinheit zu zahlende zehnfach höhere Vergütung des Solarstromes ist falsch. Jeder ,grüne? Arbeitsplatz kostet bis zu sechs herkömmliche Arbeitsplätze durch die Subventionen, die woanders abgezogen werden müssen", sagt der Diplom-Ingenieur für Energie- und Umwelttechnik, der in einem Planungsbüro arbeitet. Deshalb dürften ab sofort keine Fördermittel mehr für neue Anlagen gezahlt werden. "Schluss mit der Verschwendung. Man sollte es dem Markt überlassen, damit sich die Technik durchsetzt."

Blechschmidt glaubt nach eigenen Worten nicht daran, dass die Klimaänderung menschengemacht ist. "Das sind normale natürliche Schwankungen." Laut Blechschmidt zahlt jeder Stromkunde von den etwa 22 Cent/kWh Strompreis über das Einspeisegesetz 3,5 Cent unter anderem für diese Anlage. "Zum Vergleich, der Stromeinkaufspreis an der Börse liegt zwischen 3 und 6 Cent/kWh. Die Betreiber der Solaranlage erhalten 33 Cent/kWh - Strom aus Photovoltaik ist fast zehn Mal teurer als marktüblich. Der Anteil der Photovoltaik an der deutschen Stromerzeugung liegt bei etwa einem Prozent, der Anteil an den Subventionen liegt bei etwa 30 Prozent. Eine größere Vernichtung von Volksvermögen als durch Photovoltaik ist kaum vorstellbar."

Von Ökologie bei Photovoltaik zu sprechen, sei gewagt. "Nach wie vor ist es umstritten, ob die zur Herstellung der Anlagen erforderliche Energie in der Nutzungszeit überhaupt zurückgewonnen werden kann, zumal in unserer wenig sonnenverwöhnten Region. Zum Vergleich - das Jahr hat 8760 Stunden, die Photovoltaikanlage arbeitet aber nur 950 Stunden im Jahr. Blechschmidt beirrt es nicht, dass es in der CDU Leute gibt, die anderer Meinung sind. "Die Gesetze sind so. Aber eine solche Anlage als große Leistung hinzustellen, das finde ich nicht richtig. Wer Öko-Strom will, der sollte ihn auch selbst bezahlen und nicht der Allgemeinheit in Rechnung stellen." ufa