Praxis gehen Atemmasken aus

Atemmasken und medizinische Schutzkleidung werden immer knapper. Das führt dazu, dass Ärzte nur noch bedingt praktizieren. Auch die Auerbacher Zahnärztin Dr. Jana Weigelt hat den Praxisbetrieb aufs Nötigste runtergefahren.

Von Cornelia Henze

Auerbach Volle Wartezimmer - das war gestern. Wer zu der Zahnärztin am Auerbacher Altmarkt will, muss jetzt unten klingeln. Nur einzeln dürfen die Patienten die Räume zwischen Anmeldung, Wartezimmer und Behandlungsstuhl betreten. Prophylaxe-Termine wurden abgesagt, nur Notfälle nehmen noch auf dem Stuhl Platz.
"Um Ressourcen zu schonen, fahren wir den Praxisbetrieb runter", sagt Dr. Jana Weigelt. Einerseits deshalb, um den Publikumsverkehr in der Praxis zu drosseln und Infektionen zu vermeiden. Andererseits, um für die Behandlung unabdingbar wichtige Schutzkleidung zu sparen. Seit Wochen seien im Online-Medizinhandel Atemschutzmasken und Desinfektionsmittel vergriffen, sagt die Medizinerin. Verwiesen wird auf mehrwöchige Wartezeiten. Und wer dann Glück hat, bekommt nur Schutzmasken zum Wucherpreis - teilweise 20 Mal so teuer. Masken der Kategorie FFP2 waren vor Wochen im Fünferpack noch für 6,44 Euro zu haben - jetzt kostet eine einzige 22,55 Euro. "Trotz den in vergangenen Jahren durch das Robert-Koch-Institut vorgelegten Pandemieplänen, schafft es unsere Industrie nicht, diese Masken auf Abruf herzustellen", konstatiert Jana Weigelt. Das mache sprachlos. Jana Weigelt ist enttäuscht über das Versagen der Politik.
Noch hat die Zahnärztin Atemschutzmasken, Schutzbrillen, Desinfektionsmittel und Einwegkittel auf Lager. Doch schon kündigt ssich an, dass einiges knapp zu werden droht. Zum Beispiel Gummihandschuhe. Oder der Atemschutz. Am Behandlungstuhl kommt Jana Weigelt ihren Patienten bis zu 30 Zentimeter nah. Eine Distanz, die eine Ansteckung mit dem Corona-Virus möglich machen könnte. Eine Behandlung ohne Mund- und Nasenschutz ist also keinesfalls drin. "Wir sind am Patienten ganz nah dran, das verunsichert."
Von den Schutzmasken der unteren Kategorien FFP1 und FFP2 hat die Praxis noch einige vorrätig. Die Masken vom Typ FFP3, die mit ihrem Partikelfilter den höchsten Schutz gewähren und vorrangig in der Medizin eingesetzt werden, sind hingegen Mangelware. Ganze vier Stück sind in der Zahnarztpraxis noch vorrätig. Jana Weigelt hütet sie für den Moment, in dem besondere Notfallpatienten, die gleichzeitig eine Infektion mitbringen, die Praxis betreten. Die Corona-Krise kommt für die Zahnärztin zur echten Unzeit, stellt sie doch ab April zu ihren vier Helferinnen noch eine weitere sowie eine Zahnärztin an. Denn in den vergangenen Wochen haben in der Großen Kreisstadt mehrere Zahnärzte altersmäßig die Praxen zugeschlossen. Die Patienten teilen sich nun auf die verbleibenden Praxen auf. Dennoch musste die Chefin für ihre Helferinnen Kurzarbeit anmelden.
Doch auch in der schweren Zeit gibt es Solidarität. Ärzte habeneine Whatsapp-Gruppe gegründet und helfen sich gegenseitig aus, wenn dem Kollegen der Vorrat an Masken oder Handschuhen ausgeht. Das krasse Gegenteil musste Jana Weigelt allerdings in diesen Tagen auch erleben: Aus der Praxistoilette wurde ihr ein Kanister Desinfektionsmittel gestohlen.