Prager Solist begeistert zum Auftakt

Mit einem anspruchsvollen Symphoniekonzert wurde am Sonntag der 16. "Chursächsische Sommer" als "Sächsisch-Böhmisches Kulturfestival" im ausverkauften König Albert Theater eröffnet.

 

Bad Elster - Zum Auftakt der kulturellen Saison in der deutsch-tschechischen Bäderregion wurde das Konzert vom Westböhmischen Sinfonieorchester Marienbad gemeinsam mit der Chursächsische Philharmonie gestaltet. Unter der Leitung des jungen Chefdirigenten Michael Rohác erklang zunächst das Violinkonzert D-Dur, op.77 von Johannes Brahms mit dem Prager Violinsolisten Prof. Jindrich Pazdera.

Bei dem 1879 in Leipzig erstmals aufgeführten Werk handelt es sich um das einzige Violinkonzert von Johannes Brahms und gleichzeitig eines der bekanntesten seiner Gattung überhaupt. Es entstand für den Violinisten und Freund Brahms?, Joseph Joachim, einem ungarisch-österreichischen Violinisten und Komponisten, dem es gewidmet war und der Brahms beim Schreiben des Soloparts um Rat gesucht hatte. Orchester und Solist beeindruckten mit einer hervorragenden Interpretation des Werkes, das mit leisen, dunklen Klangfarben begann und in einer Dominanz der Solovioline und triumphalen spritzigen Stretta seinen Höhepunkt fand.

Ein stürmischer Applaus verlangte zugleich nach einer Zugabe des Solisten. Jindrich Pazdera wurde 1945 geboren, studierte am Konservatorium in Zilina, an der Akademie der musischen Künste in Bratislava und am staatlichen Konservatorium in Moskau bei Professor Leonid Kogan und begann seine Karriere bereits mit 16 Jahren. Als Solist und Mitglied eines Klaviertrios trat er bereits in 22 Ländern auf. Feinfühlig und ausgeglichen dirigierte Michael Rohác das Konzert. Der 1974 in Kanada geborene Dirigent war vielen der Zuschauer bereits aus dem Eröffnungskonzert im vergangenen Jahr bekannt. Michael Rohác hat das Dirigieren an der University of Toronto unter Leitung des Professors Raffi Armenian studiert und dann an vielen internationalen Kursen für Dirigenten erweitert. Danach kam er in die Tschechische Republik und wurde in der Saison 2004/2005 Chefdirigent des Westböhmischen Orchesters Marienbad.

Das 1814 erstmals erwähnte und heute 56 Musiker umfassende Orchester, umfasst von Baraockmusik über klassische Werke bis zur zeitgenössischen Musik ein umfangreiches Repertoire. Im zweiten Teil des Konzertes erklang die Sinfonie Nr. 8 G-Dur op. 88 von Antonín Dvorák unter der Leitung von Generalmusikdirektor Florian Merz. Den Beinamen "Die Englische" erhielt die Sinfonie, weil Dvorák sie in London verlegen ließ. Mit großem Genuss lauschten die Zuschauer der harmonischen Melodienfolge und kräftigen Instrumentierung bei einer großartigen Fülle von musikalischen Stimmungsbildern der lyrischen Komposition. Noch einmal wird das Gemeinschaftskonzert übrigens zu den Saisoneröffnungen in Franzensbad am 20. Mai und in Marienbad am 1. Juli zur Aufführung kommen. S. Adler