Powerfrau Isa Suplie steckt in der Materie

Schöneck - Auf dem Balkon des Vogtlands ist der Bürgermeisterstuhl vakant, seit Rolf Keil als 1. Beigeordneter ins Landratsamt zog. Deshalb wird am Sonntag neu gewählt. Einzige Bewerberin ist die 46 Jahre alte Schöneckerin Isa Suplie.

 

Erhält sie mehr als 50 Prozent der abgegebenen Stimmen, rückt die Hauptamtsleiterin im Rathaus auf den Chefsessel. Von der Verwaltung wechselt sie in die Kommunalpolitik.

"Ich wurde von vielen Leuten angesprochen, zu kandidieren, es sei die nahe liegendste Lösung", erzählt sie, "weil ich in der Materie stecke".

Die Mittlere Reife, die Ausbildung zur Finanzkauffrau, das Fachhochschulstudium zur Diplombetriebswirtin und die Weiterbildung zur Verwaltungsfachwirtin markieren ihren beruflichen Werdegang. Dabei stand es für sie nie zur Debatte, Schöneck den Rücken zu kehren. Sie beschreibt sich "als tief verwurzelt" in ihrer Heimatstadt, wo ihre Familie seit Generationen lebt. Die Familie ihres Mannes und ihr seltener Name dagegen stammen aus dem Sudetenland. Seit elf Jahren ist Frau Suplie Hauptamtsleiterin, acht Jahre arbeitete sie als Kämmerin im Rathaus. Auch Bauamt und Ordnungsamt sind in der kleinen Schönecker Verwaltung dem Hauptamt unterstellt. Die jahrelange Erfahrung spricht für ihre Bewerbung als Bürgermeisterin.

Dennoch sagt sie: "Ich habe lange gebraucht, um die Entscheidung zu treffen." Zu bedenken galt es "ein ganzes Stück mehr Verantwortung und Zeitaufwand, welcher zulasten der Familie geht". Doch ihre Kinder sind erwachsen. Der Sohn ist Bauingenieur, die Tochter absolviert ihre Ausbildung als Krankenpflegerin in der Schönecker Klinik. Isa Suplie sah die neue Aufgabe dann als Herausforderung.

Vorwiegend aus der Bevölkerung und Betrieben sei der Ruf gekommen, für das Amt zu kandidieren, aber auch aus der Kommunalpolitik, gibt die parteilose Bewerberin Auskunft. Die CDU als dominierende Partei im Stadtrat habe sie unterstützt. "Sonst hätte ich mich wahrscheinlich nicht für die Kandidatur entschieden. Die Zusammenarbeit mit dem Stadtrat ist mir wichtig", sagt Isa Suplie. Neben den Christdemokraten sitzen SPD und die Wählervereinigung auf den 16 Volksvertreterstühlen. Im Stadtrat seien bisher Sachentscheidungen politisch nicht zerredet worden. Das wünsche sie sich weiter so.

Im Rathaus könne sie auf eine straffe, gut funktionierende Verwaltung bauen. "Auf die Mitarbeiter ist Verlass", lobt Isa Suplie. "Falls ich gewählt werde, wird die Stelle des Hauptamtsleiters neu ausgeschrieben", kündigt sie an. Dass eine Person in der Verwaltung fehle, sei schon jetzt am Papierkrieg zu spüren.

Welche Akzente will die mutmaßlich nächste Bürgermeisterin von Schöneck setzen? "Die Richtung bleibt, aber mich auf den Lorbeeren ausruhen will ich nicht", sagt die Kandidatin. Als ein wirtschaftlich extrem wichtiges Projekt, das bereits angeschoben sei, nennt sie den Bau des Parkhauses an der Hohen Reuth mit 600 Parkplätzen. An Winter-Wochenenden ist der Parkplatz dem Ansturm nicht gewachsen. Der Bedarf müsse befriedigt werden, um die Liftanlagen auszulasten. Straßenbau, Schul- und Kita-Sanierung sind zu bewältigen. Das Dorfgemeinschaftshaus in Gunzen soll gebaut und die Stadtsanierung auf Niveau gehalten werden. Mit dem Anteil aus dem Konjunkturpaket II will die Stadt einen Kunstrasenplatz schaffen.

Finanziell gibt es in Schöneck die Probleme "wie in anderen Gemeinden auch". Der Haushalt kann nur noch mit der Mindestrücklage rechnen. Die Pro-Kopf-Verschuldung liegt bei rund 1000 Euro. "Wir haben viel geschaffen an Infrastruktur", erklärt Frau Suplie. "Bei fast allen Projekten sind wir auf Fördermittel angewiesen, aber wir haben noch Reserven für den Eigenanteil."

In der "aktiven, guten Bürgerschaft" wünscht sie sich "eine noch bessere Zusammenarbeit der Vereine, um Projekte gemeinsam umzusetzen". Wie steht es mit ihrer Teilnahme am Vereinsleben? "Ich war jahrelang aktiv im Verein für Bewegungsspiele(VfB)", erzählt sie. Die Zeit reiche dafür aber nicht mehr. Privat reist Isa Suplie gern und nutzt an den Wochenenden dann und wann die Skipisten und die Liftanlagen von Schöneck.

Auf ihrem Wunschzettel ganz oben steht eine hohe Wahlbeteiligung am Sonntag. Ex-Bürgermeister Rolf Keil erhielt bei der Wahl im Juni vergangenen Jahres 98,7 Prozent Zustimmung bei einer Wahlbeteiligung von 49,8 Prozent.                             Renate Wöllner