Posaunen-Fest trotzt Wind und Wetter

Ein Jahr Vorbereitung hatte es gekostet, Widerstände waren überwunden worden für den großen Bläsergottesdienst am Samstag an der Kapelle Santa Klara in Heinersgrün. Zu feiern galt es den 30. Jahrestag der Deutschen Einheit.

Von Renate Wöllner

Und dann das. Zu all den Corona-Sorgen öffnete der Himmel noch seine Schleusen für eine Wasserflut, wie sie zu anderen Zeiten hoch willkommen gewesen wäre. Doch Aufgeben, Absagen oder Verschieben war für die Organisatoren, den Freundeskreis "Wallfahrtskirche…", nicht in Frage gekommen. "Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit", predigte Sachsens Alt-Bischof Dr. Carsten Rentzing nach dem Bibel-Wort. Er war auf Einladung von Organisatorin Dr. Brigitte Wunderlich nach Heinersgrün gekommen. Zahlreiche Besucher hatte es auf den Kirchberg gezogen, die sich nun unter Zeltplanen und Regenschirmen drängten. Rund 50 Posaunenbläser aus dem Vogtland, sächsischen Gefilden und Oberfranken sorgten im Schutz des Festzelts für ein starkes Hörerlebnis mit geistlichen Liedern. Den roten Faden des Gottesdienstes hielt Pfarrer Thomas Seltmann in den Händen. Für das musikalísche Programm hatte der ehemalige Sächsische Posaunenwart Siegfried Mehlhorn gesorgt, der das Konzert auch leitete.
Rentzing schilderte die Entwicklung zur Deutschen Einheit - die kaum noch erhofft, manchem als Wunder erschien - als einen Prozess auch des eigenen Reifens zur Persönlichkeit. Die erste Wende-Demonstration der deutschen Geschichte in Plauen hatte der gebürtige Berliner am Bildschirm verfolgt. Nicht zu vergessen sei bei den Ereignissen damals "die gewichtige Rolle der Kirche". "Was wäre ohne die Kirche aus der Friedlichen Revolution geworden?", gab er zu bedenken. Es ärgere ihn, wie heute mit Panik und Angst gespielt wird, sagte Rentzing. Es brauche Vertrauen, Liebe und Kraft, um eine gute Zukunft zu gestalten.
Landrat Rolf Keil würdigte die "großartige Veranstaltung selbst bei unfreundlichem Wetter". Die Kapelle Santa Klara sah er als Symbol der deutschen Teilung wie auch der Wiedervereinigung. In Sicht- und Hörweite der innerdeutschen Grenze gelegen, schreckten die Menschen zu ihren Füßen immer wieder auf, wenn es vom nahen Waldrand knallte, weil Wild auf die Minen getreten waren. Keil erinnerte auch an die Zwangsaussiedlungen der 50er und 60er Jahre, beispielsweise mit dem menschenverachtenden Namen "Aktion Ungeziefer". Heinersgrün geriet in die Isolation des Sperrgebiets, die Kirchgemeinde zerbrach. Santa Klara auf dem Kirchberg aber blieb und erlebte nach dem Fall des Eisernen Vorhangs eine Wiederauferstehung. Mit Hilfe zahlreicher Spenden und Fördergelder gelang die Sanierung der uralten Wallfahrtskirche.
Wer heute von Ost nach West und vice versa auf der Autobahn unterwegs ist, dem sendet der markante Zwiebelturm seinen Gruß. "Heute können wir angstfrei und geordnet leben - und wenn man nur will - auch die blühenden Landschaften sehen. Aber unser Selbstbewusstsein müssen wir uns immer noch erarbeiten", sagte Keil mit Verweis auf Sachsens historische Spitzenleistungen in Kunst und Kultur, Wissenschaft und Technik.
"Die Wiedervereinigung, das war so etwas wie Gemüseanbau auf dem Mars", erinnerte sich MdL und Landwirt Andreas Heinz in seinem Grußwort. Es hätte alles auch ganz anders kommen können, meinte er. "Je größer der Wohlstand, umso größer die Unzufriedenheit", mahnte er zu mehr Dankbarkeit. Das "ewige Grenzland" zu überwinden, zu helfen, dass Deutschland wieder eins wird, hat auch der Wunsiedler Alt-Landrat Dr. Peter Seißer einen Beitrag in der Euregio Egrensis geleistet . "Ich wollte ein guter Nachbar sein", sagte er über 18 Amtsjahre.
Neben zahlreichen ehrenamtlichen Helfern wie der Freiwilligen Feuerwehr dankte der Landrat dem ehemaligen MdL
Frank Heidan, Dr. Brigitte Wunderlich, Peter Dörfelt, Anja Preuß und Siegfried Mehlhorn als unermüdlichen Organisatoren und Unterstützern des Bläsertreffens, das von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und der Sparkasse Vogtland gefördert wurde.