Polizist sucht genetischen Zwilling

Um im Notfall für andere da zu sein, hat Dieter Langner fast 40 Jahre als Hauptkommissar bei der Kriminalpolizei sein Leben eingesetzt. Jetzt ist er in Not: Nach der Diagnose Blutkrebs braucht er dringend die Hilfe eines Stammzellenspenders.

Von Marjon Thümmel

Plauen -  Ehefrau Heidi Langer ist von Berufswegen darauf geeicht, dass alles in geordneten Bahnen verläuft - als Marketingleiterin der Plauener Straßenbahn ist sie ständig auf Achse und mit ihrer herzlichen und humorvollen Art vielen bekannt. Doch über ihre fröhliches Wesen legt sich ein trauriger Schleier, wenn sie über ihren Dieter spricht. Vor Weihnachten erhielt er nach drei Monaten der Angst, zahlreicher Tests und großer Ungewissheit die Nachricht, dass er an einer hochriskanten Form von Blutkrebs erkrankt ist. Durch MDS, eine Erkrankung des Knochenmarks werden zu wenig funktionierende Blutzellen gebildet und damit nicht genügend Sauerstoff ins Gehirn transportiert. Die bislang regelmäßigen Bluttransfusionen schlagen nicht mehr an, deshalb braucht Dieter Langner dringend eine Stammzellenspende. "Demnächst beginnt in Schöneck eine Chemotherapie, die aber nur für vier bis sechs Monate eine Übergangslösung sein kann. Danach sind laut Ärzte alle medizinischen Möglichkeiten ausgeschöpft. Wenn in spätestens sechs Monaten kein Stammzellenspender gefunden ist, gibt es keine Rettung mehr für meinen Mann. Uns rennt die Zeit davon", sagt Heidi Langer mit Tränen in den Augen. Diese fangen wieder an zu leuchten, wenn sie von der großen Hilfsbereitschaft der Menschen erzählt, die Typisierungsaktionen für ihren Mann organisieren oder sich bereits testen ließen, ob sie als genetischer Zwilling für eine Spende in Frage kommen können. "Gerade in einer Zeit, in der man meint, jeder denke nur an sich, ist dieses Zusammenstehen in der Not etwas ganz besonderes für uns. Ein ganz großer Dank geht an den Oelsnitzer Oberbürgermeister Mario Horn, der sich fast täglich bei meinem Mann erkundigt und die Typisierungsaktion am Freitag ab 8.30 Uhr gemeinsam mit der Markt-Apotheke organisiert hat", so Heidi Langner. Dankbar ist sie ihren beide Kindern Marcel und Mary, die schon die Fäden für die Suche nach Unterstützung in die Hand nahmen, Aufrufe starteten, "als mein Mann und ich noch dabei waren, aus dem schwarzen Loch, in das wir nach der Nachricht gefallen waren, heraus zu krabbeln. Inzwischen ist uns das gelungen, denn der Alltag geht auch weiter. Wir haben ja auch noch einen 89-jährigen Vater zu versorgen", erzählt Heidi Langner: "Wir gehen positiv weiter durchs leben, haben eine aufmerksame Familie und Freunde hinter uns. Und wir gehen noch behutsamer miteinander um, denn das wichtigste ist, dass wir uns haben", fügt sie hinzu. 40 Jahre sind Heidi und Dieter Langner zusammen, seit 32 Jahren verheiratet. Neben den beiden Kindern gehören auch vier Enkel zwischen zwei und 20 Jahren zur Familie: "Und alle wollen ihren Papa und Opa noch lange, lange nicht verlieren."
 Derzeit werden die beiden Schwestern von Dieter Langner darauf getestet, ob sie als Stammzellenspender geeignet sind. Seine beiden Kinder haben schon den Test gemacht. "Nun müssen wir auf das Ergebnis warten", sagt Heidi Langner. Da nach Aussagen der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) nur etwa ein Drittel der Patienten innerhalb der Familie einen Spender finden, hofft Heidi Langner, dass sich noch recht viele Menschen typisieren lassen: "Es geht dabei nicht nur um uns, sondern um alle, die ebenfalls an Blutkrebs erkrankt sind." Dieter Langners Erkrankung war durch Zufall entdeckt worden. Der 66-Jährige war im Dezember eigentlich wegen einer nicht enden wollenden Erkältung zum Hausarzt gegangen, der eine Blutuntersuchung machte. Diese brachte alles ins Rollen und schließlich die bittere Diagnose. "Mein Mann war immer ein Hans Dampf. Doch nun muss er kürzer treten. Das fällt ihm besonders schwer", sagt Heidi Langner. Für den früheren Polizisten keine einfache Situation. 1978 hatte Dieter Langner, der Schlosser und Tiefbohrtechnik gelernt hatte, als Streifenpolizist in Oelsnitz angefangen. Sein Traum ging in den 1990er Jahren in Erfüllung, als er bei der Kripo in Plauen anfing. 2012 wurde er mit Stellenabbau in Rente geschickt. "Das war nicht einfach für ihn, denn er liebte seinen Beruf", sagt Heidi Langner und freut sich, dass mit einer Typisierungsaktion am 4. April, 14 bis 20 Uhr, in der Turnhalle am  Polizeirevier auch in Plauen geholfen wird.