Polizeischutz für Plauener Rotkittel?

Kommunales Politikum

Doch nicht nur die Blätter mit den großen Buchstaben hat der Streit längst auf den Plan gerufen, am Dienstag geriet der Weihnachtsmannstreit nun auch zum kommunalen Politikum und beschäftigte die Stadträte. Zur Erinnerung: Bürgermeister Manfred Eberwein, quasi oberster Dienstherr des Weihnachtsmannes Gerd Köhler, hatte diesem in einem persönlichen Gespräch mitgeteilt, dass dessen Vertrag als Rotkittel in städtischen Diensten nicht mehr verlängert und so ein "Generationswechsel" eingeleitet werden solle. Köhler seinerseits hängte das Gespräch im Wortsinne an die große Glocke, fühlte sich ungerecht behandelt. Allerdings: Vom Auslaufen des Vertrages wusste er bereits seit Mai dieses Jahres.

Geschmacklose Entgleisung

Als Nachfolger beworben hatte sich und als geeignet befunden Mario Martin, der wiederum seit Jahren für die Beschallung des Weihnachtsmarktes mit saisontypischen Weisen zuständig ist und auch im Kostüm des regelmäßig den Markt besuchenden Sandmannes steckt.

Damit könnte die Geschichte beendet sein. Wenn inzwischen nicht ein regelrechter Grabenkrieg zwischen Traditionalisten und Nonkonformisten toben würde und Erstere auch nicht vor massiven Drohungen gegen "den Neuen" zurückschrecken.

Die Liste der geschmacklosen Entgleisungen und mittlerweile auch Straftatsbeständen scheint täglich länger zu werden. Auf der Motorhaube von Martins Auto stand ein geköpfter Weihnachtsmann, Unbekannte zerstachen kurz darauf einen Reifen seines Fahrzeuges, Sachbeschädigungen an Hüpfburgen des bekannten Plauener Kostümverleihers wurden angekündigt und mittlerweile schaue man gar nicht mehr ins E-Mail-Fach, um nicht weitere Drohbriefe lesen zu müssen, sagt Nicole Martin, Ehefrau des "ungeliebten" Weihnachtsmannes am Mittwoch dem . Schlimmer aber noch seien die Anfeindungen, denen ihre achtjährige Tochter in der Schule ausgesetzt sei, fügt Nicole Martin an. "Die Kleine kommt heulend nach Hause, ich hoffe, dass das endlich mal aufhört."

Inzwischen habe sich ihr Mann, der inzwischen auch Strafanzeige erstattete, überlegt, alles hinzuschmeißen. "Er hätte sich garantiert anders entschieden, wenn er gewusst hätte was da auf ihn zukommt." Eine gehörige Portion Mitschuld trägt ihrer Meinung nach Bürgermeister Eberwein, der mit seinen unglücklichen Bemerkungen Öl ins Feuer goss, wonach der bisherige Weihnachtsmann zu alt für den Job sei. "Die Leute springen darauf an, 'der junge Kerl, der noch nicht mal einen Bart hat, bekommt es nicht auf die Reihe' müssen wir lesen und mein Mann muss das alles ausbaden", sagt Nicole Martin.

Und auch im Stadtrat wurden nun die verbalen Ruten ausgepackt. Was sich aus der Angelegenheit entwickelt habe, sei für die Stadt beschämend, sagt Linken-Stadtrat Wolfgang Hinz und bezeichnet es als kriminell, wie mit Familie Martin umgegangen wird. Wie auch CDU-Stadtrat Steffen Zenner, sieht er die Stadt in der Verantwortung.

Gutsherrenmanier

Zenner findet noch drastischere Worte: In Plauen müsse der Weihnachtsmann um seine Existenz kämpfen - der eine werde unfein entsorgt, der andere massiv bedroht. Die Entscheidung sei von Eberwein in Gutsherrenmanier getroffen worden und bis heute lasse man die Stadträte über die wahren Gründe im Unklaren. Eine unsägliche Provinzposse die am Ende befürchten lasse, dass der Weihnachtsmann auf dem Markt beschützt werden müsse.

Derweil erhält Eberwein von Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer Rückendeckung. Er stehe zu den Entscheidungen seines Stellvertreters, der Köhler auch Schutz gewähre, in dem er die wahren Gründe der Entlassung nicht nenne. Was die hitzige Diskussion wohl eher beflügeln als besänftigen dürfte, denn nun ist zu befürchten, dass Spekulationen erst recht ins Kraut schießen.

"Wollte die Situation nicht"

"Ich habe mich nicht zu rechtfertigen, überhaupt nicht", sagt derweil Eberwein. "Ich wollte diese Situation nicht", fügt er an und: Ein Weihnachtsmann sei nie zu alt und gefeuert habe er ihn auch nicht.

Es gehe in erster Linie um die Figur des Weihnachtsmannes, nicht um den Namen im roten Kittel. Es gebe aber nun mal keinen Automatismus und auch ein Vertrag mit Herrn Köhler wäre wieder einmal denkbar. "Jeder Weihnachtsmann sollte kindgerecht mit den Kindern sprechen", fügt er an und es bleibt offen, ob nun das der wahre Grund für den Generationenwechsel ist.

Die beiden Rotkittel derweil sind um ein gutes Verhältnis zueinander bemüht. Sie planen sogar eine offizielle Amtsübergabe, die schon am Mittwoch nächster Woche stattfinden könnte. Oh du fröhliche Weihnachtszeit.