Polizeipräsident Conny Stiehl zu Redaktionsgespräch im Vogtland

In bestimmten Bereichen der Plauener Innenstadt soll demnächst ein Alkoholverbot gelten. Doch wird damit das Sicherheitsempfinden der Bürger gestärkt? Ist die Spitzenstadt tatsächlich ein so gefährliches Pflaster? Ist eine erhöhte Polizeipräsenz das Allheilmittel? Diese und viele andere Fragen beantwortete der Zwickauer Polizeipräsident Conny Stiehl, im Redaktionsgespräch.

Plauen - Conny Stiehl hat nicht nur seinen Pressesprecher Oliver Wurdak mitgebracht, sondern beide auch ausreichend Zeit, um die Fragen einer kompletten Redaktionsmannschaft zu beantworten.

Wie erklären Sie sich, dass die tatsächliche und die gefühlte Sicherheit so weit auseinanderdriften?

In der sicheren vogtländischen Region liegt Plauen hinsichtlich der Straftaten seit Jahren traditionell über dem Durchschnitt. Wahrgenommen werden die besonders im Stadtzentrum. Und tatsächlich hat die Straßenkriminalität in diesem Bereich auf relativ geringem Niveau zugenommen.

Wir haben es am Tunnel - wie es in den Medien immer heißt - mit drei Tätergruppen zu tun. Jener die schon immer da war, viel Zeit hat und gerne einen trinkt. Einer zweiten aus anderen Regionen, für die Plauen ebenfalls interessant zu sein scheint, und die Gruppe der Ausländer.

Die erkennt der Bürger, deren Sprache versteht er aber nicht, was wohl auch zu einer gewissen Verunsicherung führt. Was wir hier nicht haben, sind so genannte Kapitaldelikte, auch unter diesen drei Gruppen nicht. Kurz gesagt: Wir haben eine geringe Veränderung der Kriminalitätslage und eine große bei der subjektiven Wahrnehmung.

Was unter anderem zu einer schlechten Außendarstellung der Stadt führt...

Dieses wunderschöne Stadtzentrum und das Benehmen mancher Leute dort - das passt einfach nicht zusammen. Dies in den Griff zu bekommen, dient auch das Alkoholverbot, über das die Plauener Stadträte heute Nachmittag entscheiden werden.

Aber ist es aus Sicht der Polizei auch sinnvoll?

Der engere Kern des Plauener Zentrums umfasst einen Radius von gerade mal 300 Metern. Wenn wir jetzt diesen Bereich stärker kontrollieren, ist das ein guter Anfang. Sicher wird das neue sächsische Polizeigesetz, das vermutlich ab Herbst greifen wird, vieles vereinfachen - ich könnte mir schon ein größeres Gebiet eines Alkoholverbots vorstellen.

Und die Kontrolle hat die Polizei allein zu stemmen?

Das ist Aufgabe der Polizei, gemeinsam mit der Stadt. Wir können bei Bedarf nur frühzeitiger eingreifen, in Fällen, wo jemand deutlich über den Durst getrunken hat. Natürlich haben wir einen Ermessensspielraum, und den werden wir auch ausschöpfen.

Was halten Sie in diesem Zusammenhang von privaten Sicherheitsdiensten?

Sie sind vielleicht nicht der Stein des Weisen, aber ein Element, das man mit anderen Kontrollmöglichkeiten vernünftig verknüpfen kann. In dem neuen Polizeigesetz werden die Zuständigkeit von Polizei und Kommune auch klarer getrennt sein.

Folgt dem Alkoholverbot möglicherweise doch die Videoüberwachung?

Die gibt das Gesetz gar nicht her. Ich habe eine solche Überwachung in meiner Zeit als Polizeipräsident in Ostsachsen für Görlitz durchgedrückt, aber ich bin im Nachhinein nicht stolz drauf. Dort ging es darum, die Diebstahlssituation in den Griff zu bekommen und die Wege zu dokumentieren, wohin das Diebesgut ging. Ich sags mal ganz flapsig: So schlecht kann man Plauen gar nicht reden, um hier eine Videoüberwachung durchzubringen.

Welche Rolle spielen Drogen am Tunnel?

Wenn man dort kontrolliert, findet man auch was. Aber es gibt keine Rauschgiftszene. Dass die Delikte von 2016 bis 2017 leicht anstiegen, stellt kein ernsthaftes Problem dar. Unser Hauptaugenmerk gilt vor allem den Dealern.

Mittlerweile scheint die Polizeipräsenz am Tunnel gewachsen zu sein...

Wir sind auch vor Ort, wenn nichts passiert. Daran müssen sich die Leute noch ein wenig gewöhnen, aber es geht ja genau darum, mit Präsenz die subjektive Sicherheit, unabhängig von der objektiven Gefahr, zu stärken. Und da sehen wir von Zwickau aus Plauen durchaus als Schwerpunkt. Wir werden den Sommer über jedenfalls permanent präsent sein und versuchen dazu beizutragen, dass die "normalen" Bürger wieder den Postplatz bevölkern.

Dafür braucht es Personal. Der Ruf nach mehr Polizei ist allenthalben zu vernehmen.

Eine vor Jahren getroffene politische Entscheidung ging davon aus, man brauche nicht mehr so viel Polizei. Inzwischen wissen wir: Wir brauchen 1000 Mann mehr. Die Wahrheit aber ist, dass erst ab 2020 die Zahl der Neuzugänge die der in Rente gehenden Polizisten übertrifft. Bis dahin werden wir in der Polizeidirektion erst mal noch weniger zur Verfügung haben.

Und deshalb müssen wir neben der notwendigen Quantität auch die Qualität unserer Arbeit weiter verbessern. Die Kollegen in Plauen machen traditionell eine gute Arbeit, da kann man mit mehr Leuten kaum noch was verbessern.

Respekt oder gar wie früher Angst vor den Ordnungshütern zu haben, scheint der Vergangenheit anzugehören?

Anpöbeln und Beleidigen gehört schon fast zur Tagesordnung. Und Plasteflaschen bei Demos sind nahezu Ritual. Doch dabei bleibts leider oft nicht. Im Verhalten zur Polizei kommt zum Ausdruck, was derzeit in der Gesellschaft abläuft - nicht vorhandene Achtung, zunehmende Gewaltbereitschaft.

Unterm Strich aber bleibt: Wir müssen präsenter werden. Und das Streifensystem muss so funktionieren, dass wir in kurzer Zeit da sind, wenn der Bürger ruft. In Plauen gibt es im Zentrum viel zu tun, aber wird dürfen auch das Umland nicht aus dem Auge lassen.

Doch gerade da, um es volkstümlich zu sagen, scheint der Hase im Pfeffer zu liegen?

Tatsache ist, wir haben in der Region keinen polizeifreien Raum. Die Polizeidirektion Zwickau umfasst fünf Bereiche. Dabei verfügen Plauen und Auerbach über jeweils ein Revier. Im Bereich Auerbach sind derzeit drei Funkstreifenwagen rund um die Uhr im Einsatz, im Idealfall vier. In Plauen sind es vier Fahrzeuge, in "guten Zeiten" fünf.

Meine Vision ist, in Auerbach immer 4 und in Plauen immer 5 einsetzen zu können. Neben dem Streifendienst gibt es den Bürgerpolizisten als permanenten Ansprechpartner vor Ort. Diese Polizisten sind wiederum flächendeckend über das gesamte Territorium verteilt und werden in ihren jeweiligen Zuständigkeitsbereichen tätig. Dadurch ist beispielsweise auch in Orten wie Falkenstein und Treuen ein Bürgerpolizist im Wortsinne zugange.

Mein Ansatz ist es, Polizei nicht an bestimmten Punkten zu konzentrieren. Beispiel: Kollegen des Reviers Auerbach beginnen ihren Dienst in Reichenbach und beenden ihn dort auch wieder. Tagsüber sind sie auf Streife im Reichenbacher Umland. Gleiches stelle ich mir für das Obere Vogtland von Bad Elster aus vor. Dort werden wir noch etwas präsenter werden.

Sind Social-Media-Teams ein Thema für die Polizeidirektion Zwickau?

Derzeit sind solche Teams in Dresden und Leipzig für die gesamte sächsische Polizei präsent. Der nächste Schritt ist, in jeder Pressestelle einer Polizeidirektion Mitarbeiter zu installieren, die die sozialen Medien bedienen. Das dauert aber noch ein bisschen.

Sie gelten als Verfechter des Schutzmannes an der Ecke...

So ist es, den brauchen wir wieder im positiven Sinne, als Ansprechpartner für Jedermann. Und der muss auch wieder respektiert werden.