Polizei-Razzia bei braunen Nazi-"Hirschen"

Reichenbach/Chemnitz - Beamte des Operativen Abwehrzentrums (OAZ) der Polizei haben in Chemnitz, Döbeln und Leisnig sechs Wohnungen sowie Räume des NPD-Jugendverbandes Junge Nationaldemokraten durchsucht.

Dabei seien Computer, Mobiltelefone und digitale Speichermedien beschlagnahmt worden, so Staatsanwältin Ingrid Burghart. Gegen die sieben Mitglieder des rechtsextremen Verbandes wird wegen Hausfriedensbruchs ermittelt. Sie verschafften sich im Juli 2014 Zutritt in Klassenräume am Berufsschulzentrum Reichenbach und einer Döbelner Schule und verteilten dort Flyer mit rechtsradikalem Inhalt. Einer der Jung-Nazis steckte in einem braunen Hirsch-Kostüm, was zunächst bei den Schülern Heiterkeit auslöste.

Unter dem Deckmantel, Drogenprävention mit den jungen Leuten durchführen zu wollen, verbreiteten sie ihr rechtes Gedankengut in den Schulen. "Eine raffiniert verpackte Aktion", sagt Tasso Börner, Oberstudiendirektor des BSZ Reichenbach. Er erstattete Anzeige gegen die Leute im Hirsch-Kostüm. "Ich finde es gut, dass die Staatsanwaltschaft ermittelt und die Razzia durchgeführt hat. Diese Dinge kann man in einem Rechtsstaat nur vor Gericht aufklären", so Börner am MIttwoch.

Damals haben sich Lehrkräfte und Schüler zunächst nichts gedacht, als sich der Hirsch und sein Gefolge mit den Flyern unter die Schüler mischte. Börner: "Wir dachten es ist ein Scherz unserer Landwirte-Schüler." Die jungen Leute, die gut und gerne als Lehrlinge hätten durchgehen können, drängten in ein Klassenzimmer im Erdgeschoss, zogen ihre "Show" ab, machten Fotos, die später auf Facebook auftauchten, verteilten Flyer, verwirrten die Lehrerin.

"Erst einer unserer Schüler machte uns darauf aufmerksam, dass auf den Flyern verdächtig deutschnationales Gedankengut steht. Darauf verließ die Truppe schnell den Raum und die Schule", so Börner. cze