Politiker lieben den Schmerz

1000 Gäste erleben großartiges TVF-Weinfest in der Festhalle und Rathauselektriker Lutz Reinhardt sorgt dafür, dass der OB die Bühne stürmt.

Von Karsten Repert

Plauen Verfolgungsjagd in der Festhalle. Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer stürmte plötzlich auf die Bühne. Das Plauener Stadtoberhaupt wollte sich den "Rathauselektriker" schnappen, der gerade vor 1.000 Gästen den neuesten Behördenklatsch kundtat. Die Überraschung war gelungen. Natürlich gehörte auch dieses Szenenbild ins Programm. Das 72. TVF-Weinfest bot Tanz, Show und jede Menge Unterhaltung.
"Dem Rathauselektriker Lutz Reinhardt brennen ja immer wieder Mal die Sicherungen durch. Wir kommen jedes Jahr gerne wieder und lachen über diesen Komödianten", berichteten Claudia und René Jahn. Das Plauener Ehepaar vergnügte sich in der ausverkauften Festhalle, in der auch die drei Plauener Bürgermeister sowie der Landtagsabgeordnete Frank Schaufel (AfD) saßen. Obwohl die Politiker während des 90-minütigen Programms immer wieder ihr Fett wegkriegen, sitzen sie regelmäßig in der ersten Reihe. "Die lieben den Schmerz", feierte Liane Minks aus Oelsnitz an einem der Nachbartische.
In Anwesenheit von Brauerei-Chef Jan Gerbeth wurde bereits 18 Uhr die Aufwärmphase eingeläutet. Günther Scholz stimmte sich ein und vertrieb die schlechte Laune vom Tisch: "Sternquell hilft gegen alles. Mir sogar, wenn ich früh Kopfschmerzen habe."
Danach waren die Damen und Herren vom Trogisten Vaschings Fergnügen (TVF) dran. "Unsere Amateure, echte Profis", schrie einer aus dem Publikum, weil Conferencier Karsten Hellgoth das zu dem Zeitpunkt bereits veraltete Zwischenresultat der deutschen Fußballer gegen Weißrussland durchgegeben hatte. Nach dem 0:0-Zwischenstand landeten nicht nur Jogis Jungs auf dem Fußballplatz beim 4:0-Sieg einen Treffer nach dem anderen. Auch "Hellgoth & Reinhardt" schossen treffsicher ins Schwarze. "Rathauselektriker" Lutz Reinhardt hatte sich selbst als 08/15-Handwerker mit der Lizenz zum Löten ausgestattet und der Freizeitkomiker ließ die millionenschwere Sanierung des Nord-West-Flügels vom Plauener Rathaus erst mal alt aussehen. Angeblich hätte ein Schwabe beim Stadtrundgang gefragt: "Eine Fassade kostet bei euch zehn Millionen Euro? Dafür bekommt man bei uns ein ganzes Haus!"
Und der Elektriker plauderte weiter aus dem Nähkästchen. "50 Millionen Euro Extra-Fördermittel für die Plauener Südvorstadt? Der Abriss hätte die Hälfte gekostet!" Jetzt platzte dem OB die Hutschnur. Ralf Oberdorfer (FDP) vertrieb den Querulanten von der TVF-Bühne und machte den Weg frei fürs große Finale. "Elektriker", schrie der OB: "Falls der Umbau nicht rechtzeitig fertig wird, bekommst Du eine verwischt."
Viel Applaus gab es auch für das vom Verein sehr amüsant inszenierte Rathaus-Musica,l und das TVF-Showballett glänzte einmal mehr mit tollen Tanznummern. Das galt auch für die VVC-Konfettis und die Tanzgruppe Vergissmeinnicht.
Die Karo-Partyband machte im Festsaal gegen Jubilar Gerd Schremmer zwischenzeitlich nur den zweiten Platz. Conferencier Karsten Hellgoth verriet auch warum: "Unser DJ Gerd feiert sein 40-jähriges Bühnenjubiläum und er legt heute alle Platten auf, die er zu seiner Geburt geschenkt bekommen hat." Wie man im weiteren Verlauf des Abends erfuhr, hat sich der zu DDR-Zeiten staatlich geprüfte Schallplatten-Unterhalter inzwischen aber auch digitale Medienträger besorgt.
Wie Vereins-Chef Lutz Reinhardt mitteilt, findet am 25. April 2020 an gleicher Stelle das Starkbierfest statt. Kartenbestellungen werden bereits unter der Rufnummer 03741-432395 entgegengenommen.