"Poli-Luchs" an der Pöhl

Andreas Seidel kennen viele - als Sänger, als Ortsvorsteher, als Kreis- und Gemeinderat. Jetzt lernen ihn alle kennen - als Politeur. Parksünder haben Grund, zu zittern.

Von Gabi Kertscher

Pöhl/Jocketa - Der Jocketaer Andreas Seidel ist weit über die Grenzen der Pöhler Gemeinde bekannt. Seit der Wende war er kommunalpolitisch aktiv. Erst als Kreisrat, später als Gemeinderat. Bereits zur 1. Kreistagswahl 1990 stand er auf der Liste und lenkte bis zur Kreisreform die Geschicke des Landkreises Plauen mit. 1996 schaffte er es in den Kreistag des Vogtlandkreises und war ab 1994, dem Gründungsjahr der Gemeinde Pöhl, Ortschaftsratsvorsitzender von Jocketa.
Den Ausstieg aus der Kommunalpolitik habe er sich nicht leicht gemacht. Aber als Parkplatz-Kontrolleur darf er sein Ehrenamt nicht mehr ausüben. "So steht es in den Richtlinien des Sächsischen Gemeindeordnung und an die haben wir uns alle zu halten."
Sein Gerechtigkeitssinn und seine Genauigkeit schätzten vor allem die Mitglieder des Zweckverbandes ÖPNV und des Zweckverbandes Talsperre Pöhl. Es gab kaum eine Sitzung, die er verpasste. Seine Aktivitäten verlegte Andreas Seidel, der CDU-Mitglied ist, vor einigen Monaten in die Gemeinde Pöhl.
Er ist Angestellter im Ordnungsamt und Herr über Knöllchen und Strafzettel. Sein neues Amt füllt den 58-jährigen voll aus. "Es gibt solche und solche." Er kennt fast alle Tricks und habe auch selbst schon mal ohne Parkschein hier gestanden. "Aber das ist lange her", erzählt er mit einem Augenzwinkern.
So richtige Parksünder haben es schwer bei ihm. Laut Vorgabe darf er Parksünder erst nach 31 Minuten ahnden, drückt aber auch schon mal ein Auge zu. Erst vor kurzem sei eine junge Frau mit ihrem Nachwuchs etwas zu spät gewesen, habe sich allerdings entschuldigt. Der Vater von vier Kindern hat Verständnis für die Zwerge, dass sie lieber am Wasser bleiben, als nach Hause zu fahren. Da gibt es viele Ausreden, manche seien so unverschämt, da kennt Andreas Seidel kein Erbarmen. Er lache schließlich auch gern, lässt er wissen.
Außerdem liegt ihm die Musik im Blut. Gemeinsam mit seiner Frau Christiane gründete er 2019 den Bürgerchor von Jocketa. Anlässlich des Dorfjubiläums traten sie mit Liedern aus mehreren Jahrzehnten auf. "Jetzt nach Corona machen wir weiter und treffen uns regelmäßig." Chorgesang hat es Andreas Seidel angetan. Er ist Mitglied im Ruppertsgrüner Männerchor, im Kirchenchor Jocketa und mit der Singakademie stand er schon mehrfach auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Durch seine Heirat 1989 in eine Jocketaer Arztfamilie wurde seine Liebe zur Musik noch ausgeprägter. "Alle Kinder spielen Instrumente und wir machen so richtige Hausmusik."
Seine berufliche Laufbahn begann Andreas bei der Deutschen Reichsbahn und wechselte später als technischer Mitarbeiter in die Arztpraxis seiner Frau.
Als es 2015 galt den vielen Flüchtlingen Unterstützung anzubieten, war Andreas Seidel einer der ersten, die halfen. Er war für die Flüchtlingsarbeit in der Gemeinde bis Januar 2018 verantwortlich. Daran schloss bis Dezember 2020 die Tätigkeit als Mitarbeiter für eine sogenannte KIK-Stelle im LRA Vogtlandkreis als Kommunaler Integrationskoordinator an.
Es entwickelten sich Freundschaften, die zum Teil heute noch bestehen. In Jocketa lebt keiner der Flüchtlinge mehr, alle 60 sind wieder verzogen. "Ich habe so viel Respekt vor einigen, wie sie die deutsche Sprache gelernt haben. Ich habe es mit arabisch versucht, aber beim Versuch blieb es."
Fragt man ihn, was er sich wünsche, muss Andreas Seidel nicht lange überlegen: "Gesundheit ist wichtig. Ich wünsche mir persönlich viele nette Leute um mich, damit die weniger guten besser auszuhalten sind."