Pöllwitzer Erzieherinnen stehen vor Gericht

Wenn Eltern ihr Kind in eine Krippe gegeben, dann möchten sie es dort gut aufgehoben wissen. In einem Kindergarten in Pöllwitz bei Greiz war das offensichtlich nicht der Fall.

Pöllwitz - Sie sollen Krippenkinder in einen dunklen Raum gesperrt und zum Essen fixiert haben: Im Prozess um Nötigung und Körperverletzung gegen zwei Erzieherinnen haben am Montag weitere Zeugen Missstände im Kindergarten "Spatzennest" in Pöllwitz im Landkreis Greiz geschildert. Anhand einer Puppe zeigte die heutige Leiterin, wie die Hauptangeklagte ein Krippenkind beim Essen mit einem Geschirrtuch am Stuhl festgebunden habe.

Die Zeugin, damals für eine andere Gruppe zuständig, saß ursprünglich mit auf der Anklagebank, doch war das Verfahren gegen eine Geldstrafe eingestellt worden. Auch die ehemalige ehrenamtliche Bürgermeisterin und eine Mitarbeiterin des Jugendamtes berichteten, dass ihnen die Angeklagte von dem Festbinden erzählt habe. "Sie hätte es im Einvernehmen mit den Eltern gemacht, weil das Kind so unruhig war", erinnerte sich die Ortschefin an das Gespräch.

Sie sei mit dem Mädchen sichtlich überfordert gewesen, berichtete die Mitarbeiterin des Jugendamtes von einer Hospitation in der Gruppe. "Es war spürbar, dass sie mit diesem Kind ein Problem hat." Das Mädchen selbst sei unauffällig gewesen. Am Amtsgericht Gera angeklagt sind zwei Erzieherinnen, die Vorwürfe beziehen sich auf die Jahre 2011 und 2012. Damals sollen Sie auch Kinder zum Essen gezwungen oder in ein enges Laufgitter gesperrt haben. Außerdem mussten Kleinkinder bei einer Nikolaus-Veranstaltung fast drei Stunden im Skianzug in einem warmen Raum im Kinderwagen angegurtet bleiben.

Die beiden Frauen hatten zu Prozessauftakt Anfang Dezember die Vorwürfe bestritten. Das Mädchen sei nur zu seiner eigenen Sicherheit an den Stuhl gebunden worden, weil keine geeigneten Stühlchen zur Verfügung gestanden hätten, hatte die 43-Jährige damals unter anderem erklärt. Auch das Klima unter den Erzieherinnen des kleinen Kindergartens war offensichtlich schwierig. So sprach die ehemalige Bürgermeisterin von Mobbing untereinander. Die Verteidigung versuchte die Glaubwürdigkeit der heutigen Kita-Leiterin in Zweifel zu ziehen.

Diese habe von den Vorwürfen profitiert und sei erst dadurch Leiterin geworden. Wann das Urteil gesprochen wird, stand vorerst nicht fest. Am Montagnachmittag sollten noch weitere Zeugen gehört werden. dpa