"Plauens Potenziale ausreizen"

Kerstin Wolf heißt Plauens neue Baubürgermeisterin und ist seit dem 1. September für den Geschäftsbereich II - Bau, Umwelt, Sicherheit und Ordnung zuständig. Wolf übernahm das Amt von Levente Sárközy. Über ihre Arbeit, ihre Pläne und Ansichten berichtet die Bürgermeisterin bei einem Rundgang durch die Altstadt.

Von Frank Blenz

Plauen Sie ist immer noch ein wenig von dem Wahlergebnis überrascht, gesteht Kerstin Wolf. "Ich hätte nicht gedacht, dass ich im Mai schon im ersten Wahlgang gewählt werde", so Wolf, die Levente Sárközy ablöste, welcher seit 2013 Baubürgermeister war. Mit dieser neuen Aufgabe setzt sich eine stete berufliche Laufbahn im Rathaus fort, immerhin schon 1993 startete die Plauenerin, von Beruf Diplomingenieur für Wasserwirtschaft, in der Stadtverwaltung.
Großes Team mit
umfangreichen Aufgaben

Das Tagesgeschäft des Geschäftsbereiches ist umfangreich, sie leitet den Fachbereich Bau und Umwelt, den Fachbereich Sicherheit und Ordnung und die Vergabestelle. Unterstellt ist ihr ebenfalls der Eigenbetrieb Gebäude- und Anlagenverwaltung. "Das klingt nach viel, ist es auch, aber wir sind ja ein großes Team mit sehr guten Kolleginnen und Kollegen", lobt die Bürgermeisterin.
Kerstin Wolf ist eine echte, eine gebürtige Plauenerin (Jahrgang 1962) mit einer engen Bindung an ihre Heimatstadt. Das ist zu merken bei dem Rundgang durch die Innenstadt, mal einer anderen Art des Pressegespräches.
Wolf: "Es ist eine schöne Stadt, eine mit viel Potenzial, das noch lange nicht ausgereizt ist." Nicht am Schreibtisch sitzen, sondern vor Ort sein, am Geschehen, sich selbst ein Bild machen, Ideen entwickeln, die womöglich umgesetzt werden können - die Stunde durch die Spitzenstadt vom Schlossgebiet durch die Elsteraue bis zum Altmarkt nutzt die neue Baubürgermeisterin, ihre Vorstellungen, ihre Aufgaben und Vorhaben zu skizzieren.
Sie kennt jede Ecke, jede Straße, jeden Stadtteil, jede Baustelle. "Hier entsteht ein sehr wichtiges, attraktives Objekt für den Tourismus und die Geschichte der Stadt", sagt Kerstin Wolf am Schlosshang, auf die Baustelle am Luftschutzmuseum zeigend. Besonders erwähnenswert findet sie, dass das Informationsgebäude eventuell mit speziellem Glas zur Verschattung ausgestattet wird - in der Region produziert und überaus modern und zukunftsweisend.
Reserven in
den Gewerbegebieten

Von der Aussichtsplattform am Turm neben dem Schloss blickt Wolf über die Stadt und sagt: "Für Plauen ist es wichtig, die Stadt als Standort in der Region aufzuwerten, wir haben Reserven in den Gewerbegebieten, in Oberlosa, in Kauschwitz, um Industrie und Gewerbe anzusiedeln. Das ist unser Vorhaben." Als Beispiele nennt sie die Zulieferbranche für die Automobilindustrie und die Nahrungsmittelbranche.
Auch in der Innenstadt gibt es viele Flächen, die es zu nutzen gilt. "Das Gebiet um den Stahlbau, das Mammengebiet, die Elsteraue, all diese Bereiche werden sich in den nächsten Jahren verändern", ist sich die Fachfrau sicher. Eine Basis dafür ist, dass Plauen in der Förderung zu einem halben Dutzend deutschen Städten (Plauen, Hamburg, Duisburg, Erfurt, Rostock und Saarbrücken) zählt, die jeweils als Modellkommunen für Stadtentwicklung und Städtebau von Bund und Land hohe Fördermittelsummen bekommen.
Derzeit gilt ihre Aufmerksamkeit auch der bevorstehenden Adventszeit. Aus wirtschaftlichen Gründen. "Wir hoffen, dass wir den Weihnachtsmarkt unter Corona gut hinbekommen, erarbeiten Konzepte, haben mit den Händlern gute Partner. Vielleicht kann uns auch unser Theater etwas unterstützen. Wir wollen das Geschehen über eine größere Fläche verteilen, Platz und Plätze haben wir genug", so die Baubürgermeisterin, die auf den Topfmarkt zeigt und auf den Platz an der Johanniskirche.
Bessere Bedingungen
für Radfahrer schaffen

Ein anderes Thema - Plauen ist eine schwierige Fahrradstadt. "Das stimmt. Das ergibt schon allein unsere hügelige Landschaft. Da ist es für die Leute ein Leichtes, die ein E-Bike haben", meint Kerstin Wolf mit einem Lächeln. Doch ist es tatsächlich geboten, die Mobilität für Radfahrer - der Trend zum Rad ist am Ansteigen - zu unterstützen, so Wolf, bessere Wege zu schaffen, mehr Markierungen für Radler auf den Straßen. "Man sieht das gut an der Straße zwischen Möschwitz und dem Gunzenberg Richtung Jocketa, wo beiderseits Radwegmarkierungen die Straße für Radfahrer sicherer machen."
Campingmobil-Stellplatz
an der Auenstraße

Der Rundgang durch die Innenstadt endet am Rathaus. Noch schnell formuliert Kerstin Wolf einige Gedanken: "Die Innenstadt ist ein großes Thema. Die Bahnhofstraße steht auf der Liste ebenso wie der Stadtteil Haselbrunn. Die kleineren Baustellen gehören auch dazu, so wie der Stellplatz für Campingmobile an der Auenstrasse in der Nähe zum Neustadtplatz. Nicht mitten auf dem Parkplatz halten müssen sondern einen eigenen ordentlichen Aufenthaltsort zu haben mit sanitären Einrichtungen - das steht auf der Tagesordnung." Sagt es und geht ins Rathaus zu einer Sitzung, Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer vertretend. Denn Kerstin Wolf ist auch dessen 2. Stellvertreterin.