Plauens Oma Courage für Gerechtigkeit

Plauen - "Es ändert sich eh nix", "Es lohnt nicht", "Die machen sowieso, was sie wollen", "Schweig lieber, sonst hast du Nachteile" - derlei Sätze hat Christa Beck in ihrem Leben schon oft gehört und vernimmt sie in diesem Tenor immer wieder, auch und gerade, wenn die Plauenerin am Arbeitsamt an der Neundorfer Straße steht oder auf dem Platz am Tunnel gegenüber der "Stadtgalerie".

 

Doch Christa Beck steht nicht einfach nur da und sie findet auch nicht, dass es sich nicht lohne. Die Rentnerin ist jeden Donnerstag eine Demonstrantin, die sich ein Schild mit einer Losung um den Hals hängt und damit ihren Unwillen über Missstände in unserer Gesellschaft bekundet. Dazu verteilt sie kleine Flugblätter. Gegen den Abbau des Sozialstaates, für ein Sparen in der Rüstung, für Arbeit statt Unterhalt. "Öffentlicher Protest ist wichtig", sagt die Plauenerin, als nähme sie die aktuellen Entwicklungen in Sachen Arbeitsplätze bei Philips vorweg.

Mit Pullover, Schal, Mütze ausstaffiert, harrt die 62-Jährige auch bei kaltem Wetter am Eingang der Ämter oder am Tunnel, um unentwegt freundlich- zurückhaltend den Passanten ihre Zettelchen zu übergeben, ihnen froh über ihre Brille blickend eine guten Tag zu wünschen und zu animieren: Hallo? Schaut her, auf mein Plakat. Ihr aktuelles trägt die Aufschrift: "Der Mensch geht vor Profit!" "Früher nannte es sich soziale Marktwirtschaft. Jetzt ist das Soziale verschwunden. Wenn die Chefs sagen, es brauche Kostensenkungen, meinen sie in Wahrheit Gewinnsteigerung."

 

Christa Beck will das nicht hinnehmen. Weniger wegen sich selbst. Vielmehr ihrer zwei erwachsenen Kinder und ihrer beiden Enkel wegen. Sie hat ja ihr Leben schon gelebt, war Lehrerin, Hortnerin, hat die vielen Kinder aufwachsen sehen, hat ihnen Werte vermittelt. Klug sein, anständig sein, hilfsbereit, ehrgeizig, solidarisch - doch wozu diese Charaktereigenschaften, wenn nur Ellenbogen, Gier und Egoismus Teilhabe und Macht garantieren? Sie steht nicht nur auf Plätzen, sie macht nicht nur seit 2005 bei den Plauener Montagsdemonstrationen mit, erzählt sie. "Ich bin auch in der ATTAC organisiert und im Bürgerforum Sozialkultur." Und sie hat auch ein privates Leben, bei dem sie die notwendige Kraft tankt.

 

Christa Beck ist in der Folkloregruppe Plauen, spielt dort Mandoline, sie liest, kocht, hört Musik, geht auch mal zu Veranstaltungen, Lesungen und Konzerten. Ihre Liste der Forderungen an die Mächtigen für ein besseres Deutschland ist lang. Christa Beck verteilt weiter Zettel. Einer jungen Frau, die gerade mit grimmiger Miene aus dem Arbeitsamt kommt, ruft sie hinterher: "Montag ist wieder Demo am Theaterplatz. Kommen Sie doch mal vorbei!" F. Blenz