Plauens Kulturkonzept 2022 in der Kritik

Nachdenken ist ja an sich eine lobenswerte Sache, aber zuweilen ist Vordenken noch wichtiger. Vor allem, wenn es um Konzepte geht, die auch im Jahre 2022 noch Bestand haben sollen. Um ein solches handelt es sich auch im Falle des Teilfachkonzeptes Kultur, künftiger Bestandteil des Integrierten Stadtkonzeptes. Vorgetragen wurde es den Mitgliedern des Kulturausschusses am Montag von Kulturamtsleiter Frieder Reichel.

Zahlreiche Vertreter kultureller Einrichtung waren an der Erstellung des umfangreichen Dokuments beteiligt. Wie in der Diskussion von mehreren Ausschussmitgliedern allerdings kritisch angemerkt wurde, übten sie sich vornehmlich im Nach-Denken. Nämlich darüber, den Ist-Zustand zu beschreiben, auf Erreichtes zu verweisen. Und so fehlte Stadtrat Benjamin Zabel (SPD) vor allem die Erarbeitung von Leitbildern und Richtungen, wohin sich die Kulturlandschaft Plauens in zehn Jahren bewegen könnte. Weder fänden sich Aussagen zur kulturpolitischen Vernetzung, noch zur Kulturförderung. Die soziale Komponente von Kultur bliebe im Konzept ebenfalls außen vor. Und: Auf freie Kulturinitiativen würde nahezu gar kein Bezug genommen.

Wesentlich schärfere Worte wählte Sven Jahn (SPD). Er sprach dem Konzept Visionen ab, merkte an, dass der demografische Wandel auch vor der Kultur nicht Halt mache. "Wir brauchen Vielfalt. Was nutzen Leuchttürme, wenn keine Schiffe drumherum fahren". Auf scharfen Widerspruch von Bürgermeister Uwe Täschner und Frieder Reichel stieß er, als er das derzeitige Spitzenmuseum als "Aneinanderreihung von Regalen" bezeichnete, "ohne erkennbaren museumsp ädagogischen Anspruch." Die private gegen die staatliche Kultur auszuspielen, davor warnte Prof. Lutz Kowalzick (CDU). Frieder Reichel machte seinem Unmut über fehlendes Engagement potentieller Partner Luft. Man könne die freien Kulturträger nun mal nicht zur Mitarbeit zwingen. Es sei einfach zu wenig Rücklauf da, um aktuelle Zahlen in das Konzept einzufügen. Dies betreffe auch die Kooperation mit Schulen bezüglich des musikalischen Nachwuchses. Wolfgang Schmidt (CDU) dazu: "Wenn wir Kinder heute nicht an Kultur heranführen, fehlen uns später auch die Mäzenaten und Gönner."

Dieter Rappenhöner (Grüne) bescheinigte dem Konzept zwar große "Fleißteile", kritisierte aber ebenfalls die fehlende Auseinandersetzung mit künftigen Entwicklungen, beispielsweise, dass fehlende Besucher auch fehlendes Geld bedeuten. Das Konzept fand in der vorliegenden Form keine Zustimmung und kommt erneut auf die Tagesordnung.    tp