Plauens Ausländerbeauftragte geht in Ruhestand

Zwei Jahrzehnte fungierte Silvia Liersch in der Plauener Stadtverwaltung als Ausländerbeauftragte. Nun wurde die engagierte Frau in den Ruhestand verabschiedet.

Plauen - Vielleicht hat der eine oder andere ein Bild von ihr "geschossen" und es den Verwandten und Freunden in die Heimat geschickt. Ausgeschlossen ist das nicht, denn die Frau mit der weißen Kurzhaar-Frisur ist unter den Migranten und Asylbewerbern Plauens bestens bekannt - als jemand, der sich auskennt im deutschen Bürokratie-Dschungel, der vor allem aber auch zuhört und mal als "Kummertante" fungiert, wenn mal wieder gar nichts voranzugehen scheint mit der begehrten Aufenthaltserlaubnis oder gar der Einbürgerung.

Am Dienstag wurde Silvia Liersch, zwei Jahrzehnte lang Ausländerbeauftragte der Stadtverwaltung, in den (vorzeitigen) Ruhestand verabschiedet. Und in ihrem Falle waren sich alle Stadtratsfraktionen in seltener Manier einig: Hier geht eine, die vor allem das Herz auf dem richtigen Fleck hat. Für die vielen Blumen zur Verabschiedung musste sich Frau Liersch eigens einen "Träger" besorgen. Mit ihrer unglaublich zuverlässigen Arbeit habe sie unter den ausländischen Bürgern für eine ruhige und sachliche Atmosphäre gesorgt, zog Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer ein anerkennendes Fazit seiner langjährigen Mitarbeiterin.

Und auch die Betreffende selbst schaute wohl etwas wehmütig zurück. "Als ich im Juli 1974 mein Sprachstudium an der Humboldt-Uni beendet hatte glaubte ich, nun sei es genug mit dem Lernen, nun weiß ich genug. Aber das war jugendliche Selbstüberschätzung", gab sie augenzwinkernd kund, bevor sie "trockene Zahlen" bemühte, um ihre Arbeit der letzten Jahre zu verdeutlichen.

In den vergangenen zehn Jahren, seitdem existiert erst eine Statistik, habe sie Menschen aus 76 Ländern betreut. Bei 6400 Beratungen habe sie immer versucht, die Bedürfnisse der Ratsuchenden nachzuvollziehen. Mit verantwortlich war sie für die Organisation und Durchführung von neun Hilfstransporten - einige begleitete sie selbst. "Der Kontakt zu den vielen bunten Menschen wird mir fehlen", verabschiedete sie sich von ihrem Arbeitgeber und den Stadträten, denen sie ein Extra-Lob spendete. Immerhin entschieden deren Vorgänger sich bereits Anfang der 90er Jahre, die Stelle einer Ausländerbeauftragten einzurichten.

Einen Überblick über die derzeitige "Ausländersituation" in Plauen gab anschließend der OB. Derzeit leben 1300 Ausländer in der Stadt - gerade mal zwei Prozent der Bevölkerung. Wie in vielen anderen Städten auch bilden vietnamesische Bürger den Hauptanteil. Aber auch ein Australier und ein Haitianer haben sich für Plauen als neue Heimat entschieden. An Plauener Schulen lernen über 200 Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund - allein 30 sind es an der Wartberg-Grundschule. Im gesamten Vogtland leben 3000 ausländische Bürger, 49 wurden im Vorjahr eingebürgert. Oberdorfer machte mit einem Vergleich darauf aufmerksam, wie gering der Ausländeranteil in Plauen sei. In manchen Stadtteilen deutscher Millionenstädte betrage er mittlerweile bis zu 30 Prozent. Den höchsten Ausländeranteil verzeichnet übrigens Hamburg mit rund 15 Prozent.

 

In Sachsen wohnen 84 000 Bürger ausländischer Herkunft, bundesweit sind es 7,3 Millionen - ein Bevölkerungsanteil von 8,8 Prozent. Als kommissarische Ausländerbeauftragte fungiert künftig die Gleichstellungs- und Behindertenbeauftragte Heidi Seeling. Die Ausländerbetreuung unterliegt künftig der Regie des Landkreises.