Plauenerin rettet alte Bücher

Plauen - Die Plauener Industriebuchbinderin und Handwerksmeisterin Gabi Meichsner verkörpert die Ruhe und Gelassenheit in Person. In ihrem kleinen Geschäft, es ist eine Einfrau-Werkstatt in der Plauener Windmühlenstraße, wirkt die Szenerie still und beschaulich wie in vergangenen Zeiten. In der Buchbinderei liegt eine Menge an Material auf Tischen und in den Regalen aus, Papier, Pappe, Schnüre, Zubehör, alle möglichen Farben.

 

Dazu sammeln sich Stifte, Scheren und andere Hilfsmittel in Behältnissen um die Arbeitsfläche, jederzeit gebrauchsbereit. Die alte Tischpresse, eine Prägepresse, ein riesig wirkendes Schneidegerät in der Ecke, ein so genannter Eckenabrunder, ein Computer mit Kopierer und eine Station, in der ein Buchstabensatz aufbewahrt ist, vervollständigen die Ausrüstung.

Die 59-Jährige zaubert nach langen Stunden sorgfältiger, geduldiger Arbeit schön anzusehende Schätze. Bücher, Drucksachen, eingebundene Broschüren und Schriften von der Diplomarbeit, Dissertation bis zur Dankesschrift. Manchmal sieht sie über den Tag kaum einen Kunden, doch wenn einmal die Tür aufgeht, reißt der Strom der Leute, die mit kleinen persönlichen Aufträgen eintreten nicht ab, erzählt sie mit froher Miene. Irgendwie kriegt sie es immer hin, ihre Vertragspartner zufrieden zu stellen. Genau hinhören, was gewünscht wird, gehört dazu wie die pünktliche, individuelle und saubere Ausführung. "Ein Mal wollte eine Dame eine Geschichte zu ihrem 80. Geburtstag eingebunden haben. Ich produzierte für sie eine kleine Auflage und schon hatte die Frau ein eigenes Buch, das sie zu ihrem Jubiläum verschenkte. Es war ihre Lebensgeschichte darin zu lesen", erzählt Gabi Meichsner.

Ihre eigene Lebensgeschichte erzählt sie eher nicht. Sie macht nicht viel Reden über sich. Sie hat immer im Druck- und Papiergewerbe gearbeitet, viele Jahre in der Industrie und seit einigen Jahren als eigener Chef. Sie hat den Schritt nicht bereut. Bevor man als älterer Arbeitnehmer aus der Firma herausgeekelt werde, macht man das, was man kann halt in Eigenverantwortung, erwähnt sie wie nebenbei, während sie mit flinken, ruhigen Händen an ein paar Exemplaren winziger Büchlein bastelt. Der Leim riecht wunderbar, Kleister, selbst gerührt ausschließlich mit Stärke. Die kleinen Kunstwerke fertigt die Meisterin mal mit Pappe, mal mit Leder oder Pergament. Und wenn es gewünscht ist und dazu passt, verwendet sie sogar richtige Fischhaut. "Das ist Lachsleder, ein sehr schönes Material", sagt die Expertin mit Kennermiene und zeigt auf ein zartes, beinah fragiles Gebilde. Mittlerweile hat sie mit ihrem Verlag eine ganze Menge an Miniaturen veröffentlicht, mitunter in einer Auflage von lediglich bis zu 40 Stück. Sie verbindet mit diesem Wirken Altes mit Neuem, berichtet die Handwerkerin. "Ich habe ja auch einen Computer, in dem ich den Satz und Druck für kleine Bücher selbst bewerkstelligen kann. Aber ich nehme auch klassische Buchstaben, die zu Wörtern zusammengelegt werden."

Gabi Meichsner sieht man die Freude an ihrer Arbeit an. Sie schaue nie auf die Uhr, sie lebt in ihrer Werkstatt. "Was nicht heißen soll, dass ich nix anderes mache. Ich gehe gern schwimmen, ich wandere sehr gern und ich lese. Am liebsten Science Fiction Romane. Ich will immer schon wissen, wie sich die Welt entwickelt und wie es mal werden könnte - es ist sehr interessant, was man so liest."

Ein älterer Herr kommt in die Werkstatt mit einem abgegriffenen Buch unterm Arm. Er wolle es wieder "aufgehübscht" haben, sagt er. "Klar, ich werde sehen, wie ich das Buch wieder hinbekomme." Gabi Meichsner kennt sich aus, sie restauriert auch beschädigte Bücher, allesamt Schätze, die von der Menschen Vergangenheit berichten. Kinderbücher, alte Romane, historische Werke sieht man in einem Regal liegen. Beim Gehen entdeckt der Besucher noch ein kleines Buch mit der Aufschrift "Versunkene Heimat". "Ja, es ist die Geschichte, die mein Vater über Pöhl aufgeschrieben hat. Mit vielen Fotos und Episoden. Nun habe ich das Buch herausgebracht, eine schöne Erinnerung." fb