Plauenerin nach Au-Pair in den USA wieder zu Hause

Nicole Brunisch sitzt auf einem Stuhl im Garten ihrer Eltern, trägt ein grünes Tuch um den Hals, der die mittelschwere Erkältung lindern soll; eine schicke Brille sitzt fest auf ihrem Kopf. "Es ist komisch, wieder hier zu sein", erklärt die 22-Jährige nach ihrem zwölfmonatigen Trip in die US-amerikanische Kleinstadt Southport, unweit des gigantischen New York City.

 

"Ich fühle mich hier in Deutschland wie im Urlaub", beschreibt die Rückkehrerin ihre Empfindungen. Als "fremdes Land" empfand sie das hiesige direkt nach ihrer Ankunft am Flughafen in Frankfurt/Main. Dann, nach einem anschließenden Inlandsflug endlich in Leipzig angekommen, das lang ersehnte Wiedersehen mit Familie und Freunde unter Tränen. Per Auto ging es dann weiter in die vogtländische Heimat, nach Plauen: "Es war alles wie im Traum, als ich die Wohnung, mein Zimmer, wieder betrat", erzählte Nicole. Anschließend ging es zu den Großeltern, ehe sie sich in der Innenstadt mit dem Notwendigsten neu ausstattete - schließlich musste Nicole für ihr Übergewicht an Gepäck am Kennedy-Airport in New York eine stattliche Gebühr von 200 Dollar berappen. Und dann ging es wieder zurück nach Hause, um den ersten Abend im Kreise ihrer Eltern verbringen zu können, bei langen Erzählungen über das Erlebte.

 

Am nächsten Tag dann eine faustdicke Überraschung: Nach einer kurzen Nacht für Nicole und ihren Eltern ging es zu einem Autohaus, wo sie ihr Traumauto überreicht bekam. Einen neuen, metallic-blauen Opel Corsa. Damit kann dann die 22-Jährige zu ihrer neuen Arbeitsstelle - sie beginnt in wenigen Tagen eine Tätigkeit als Erzieherin einer vierten Klasse an der evangelischen Montessori-Grundschule in Chrieschwitz - düsen. "Vor einem Jahr habe ich die Bewerbung abgegeben, und jetzt hat es geklappt", sagte Nicole mit einem strahlenden Lächeln.

Ihren Lebensabschnitt im US-Bundesstaat Connecticut betrachtet sie dagegen mit gemischten Gefühlen, da die Zeiten für sie in ihrer Gastfamilie nicht immer rosig waren. "Im Grunde waren die Eltern lieb, aber ich musste oft für die schlechte Laune meiner Gastmutter hinhalten und war in meiner Arbeit als Au-pair stets auf mich alleine gestellt."

Auch der achtjährige Sohn der Gastfamilie, der unter Autismus leidet - von dem Nicole vorher nicht in Kenntnis gesetzt worden ist - bereitete ihr Kopfzerbrechen. "Er hat mich getreten, gebissen und geschlagen, doch die Eltern haben nichts unternommen", resümiert sie verärgert. Und da war dann noch die Arbeitszeit: Acht bis zehn Stunden täglich, fünf bis sechs Tage die Woche. Doch ihre freie Zeit versüßte sich die Plauenerin mit zahlreichen Reisen quer durch die Staaten, von Miami bis Chicago, von Los Angeles bis Las Vegas, vom Grand Canyon bis nach San Francisco. Dennoch möchte sie die einjährige Auszeit nicht missen, ihr Fazit fällt durchweg positiv aus: "Ich habe viel gelernt, bin selbstständiger geworden, habe viel gesehen und erlebt. Das Jahr hat mich für das Leben stark gemacht und ich bin stolz auf mich."

Und auf die Frage, ob sie denn ein solches Abenteuer noch einmal machen würde, antwortete Nicole: "Das ist eine schwierige Frage. Ich weiß es nicht, vielleicht später noch einmal." Australien schwebt ihr da im Kopf herum, als Work-and-Travel-Reise. Als Au-pair möchte sie dann alleredings nicht mehr tätig sein, fügt sie an. E. Holtschke