Plauenerin hilft bei der Fußball-WM

Die Fußball-WM der Frauen steigt derzeit in Frankreich - und das mit vogtländischer Beteiligung. Die Plauenerin Wanda Poitschke ist mit von der Partie - als freiwillige Helferin.

Von Mario Wild

Plauen/Nizza - Wanda Poitschke hat schon viel von der Welt gesehen. Die 29-Jährige hat unter anderem in Griechenland, England und den USA gearbeitet. Seit diesem Jahr ist die Vogtländerin beim Goethe-Institut in Brüssel tätig. Derzeit ist ihr Arbeitsplatz allerdings ein anderer, er liegt etwas weiter südlich und in einem anderen Land. Die "Weltenbürgerin" ist derzeit bei der Frauen-Fußball-WM im französischen Nizza im Einsatz. Am Sonntag hat sie ihren Dienst begonnen. Ihre Aufgaben: "An den Spieltagen die Zuschauer im Stadion einweisen und Auskünfte jeglicher Art erteilen", so Frau Poitschke. Das Ganze auf Französisch. Für Wanda kein Problem, schließlich hat sie Sprachen und Wirtschaft studiert - da waren Auslandsaufenthalte in Belgien und Frankreich Pflicht.
Wanda Poitschke wurde in Karl-Marx-Stadt geboren, kam aber schon als Kind in die Spitzenstadt und kickte in der Jugend bei der SG Jößnitz - "im offensiven Mittelfeld oder im Sturm, dabei habe ich bereits einige Paare an Fußballschuhen verbraucht und Tornetze durchlöchert", erinnert sie sich an ihre aktive Kicker-Karriere im Vogtland zurück. 
"Plauen ist meine Heimat", stellt die 29-Jährige klar. "Es ist immer schön, wenn man wieder an einen Platz zurückkehren kann. Je länger man im Ausland ist, desto mehr weiß man auch die Heimat zu schätzen", fügt sie hinzu. Etwa zwei, drei Mal pro Jahr ist sie bei ihren Eltern in der Spitzenstadt. Dann trifft sie Freunde, zu denen auch ehemalige Teamkameraden zählen. Sogar die eine oder andere Trainingseinheit wurde bei dieser Gelegenheit beim Post SV Plauen absolviert. Da hat die 29-Jährige demnächst sicher viel zu erzählen - von ihrem Einsatz bei der WM. 
Beworben hat sie sich im November 2018 beim Deutsch-Französischen Jugendwerk (DFJW). Drei Monate später kam die Zusage - nach zwei telefonischen Interviews - geführt auf Deutsch, Englisch und Französisch. Drei Präferenzen durften die Bewerber in Sachen Einsatzorten angeben. "Ich hatte mich für Montpellier, Paris und Nizza entschieden", so die Plauenerin. Letztlich ist es die Stadt an der Côte d'Azur geworden - dort sind die Helfer in einem Studentenwohnheim untergebracht.
Am Mittwochabend war Wanda Poitschke besonders gefordert - dann stieg in Nizza die Top-Partie Frankreich gegen Norwegen. Ihren Dienst verrichtete die Vogtländerin zuvor bei dem Duell Schottland gegen England - und das stets mit einem Lächeln im Gesicht. "Schließlich ist man ja quasi Botschafter seines Landes", so die Plauenerin.
Dieses Motto galt für sie auch bei einem anderen Einsatz in Frankreich. Bereits im Schuljahr 2015/16 war sie für das DFJW im Einsatz - ebenfalls in Südfrankreich. In der Provence weckte Wanda bei französischen Schülern das Interesse an der deutschen Sprache. Das sei für die Jungen und Mädchen schon etwas Besonderes gewesen, "schließlich kommen sie sonst mit Deutsch kaum in Berührung, sie lernen eher Spanisch oder Italienisch", so die "Botschafterin", die mit ihren elf Kollegen den südfranzösischen Nachwuchs Deutschland näherbrachte - nicht nur die Sprache, sondern auch Geografie, Musik und vieles mehr.
In diesem Sommer bietet sich nun für Wanda Poitschke die Gelegenheit, ihre "beiden großen Leidenschaften zu vereinen" - Frankreich und Fußball. Wanda jagt immer noch aktiv dem runden Leder nach, sucht sich stets an ihren Arbeits-und Wohnorten - wenn möglich - eine Mannschaft, bei der sie ihrem Hobby nachgehen kann. 
Bei der WM bleibt an den spielfreien Tagen auch Zeit, um Land und Leute noch besser kennenzulernen. Dabei hat es der Plauenerin vor allem das Hinterland mit seinen vielen Bergdörfern und idyllischen Flusslandschaften angetan. Das ist für Wanda Poitschke um einiges reizvoller als beispielsweise das mondäne Monaco.
Nach dem Telefonat mit dem Vogtland-Anzeiger war übrigens Kaffeetrinken angesagt - unter der Sonne Südfrankreichs. "Natürlich mit Croissants", lacht die Plauenerin.