Plauenerin Gudrun Seifert in Haiti wohlauf

 

Plauen/Port-au-Prince - Eine "unbeschreibliche Dankbarkeit" erfährt Dr. Gudrun Seifert derzeit in Haiti. Die Plauenerin ist Mitglied der Schnell-Einsatz-Einheit-Wasser-Ausland (SEEWA) des Technischen Hilfswerkes und befindet sich seit Anfang Februar im Erdbebengebiet.

 

Zusammen mit anderen THW-Helfern betreut sie zwei Wasseraufbereitungsanlagen im Katastrophengebiet und sichert so die Versorgung der Bevölkerung mit sauberen Trinkwasser. Dem Vogtland-Anzeiger gelang es, über das THW Plauen, Kontakt mit Gudrun Seifert aufzunehmen.

 Nach einer 26-stündigen Anreise mit extrem harten und zeitintensiven Flugkontrollen erreichte die Plauenerin zusammen mit vier weiteren Helfern die Dominikanischen Republik, erzählt sie. Nach einer kurzen dreistündigen Schlafpause in einem Hotel ging es weiter mit einer kleinen Maschine der Welternährungshilfe nach Haiti ins Krisengebiet. Im Flugzeug befanden sich zahlreiche Helfer aus Italien, Schweden, Frankreich und Dänemark. Bereits vor dem eigentlichen Einsatz bekam Gudrun Seifert von mehreren Seiten anerkennende Worte und Dank. Ein amerikanischer Fluggast bot ihr auf der Reise sogar mit tränen in den Augen 500 Dollar an.

 Auf dem Weg zum Einsatzort in Port-au-Prince wurde der Plauenerin bewusst, welches Ausmaß und welche Zerstörungskraft das Jahrhundertbeben hatte. Auf der Fahrt sah sie die Bevölkerung, die zum Teil in riesigen Zeltlagern haust, die aus Spannleinen, Tüchern und Wäschestücken bestehen. Vor Ort erfolgte eine Einweisung der bereits laufenden Trinkwasseranlagen, die zuvor von einer anderen Einsatzgruppe aufgestellt wurden.

 Die Arbeit von Gudrun Seifert wird erschwert durch die drückende Hitze. Am Tag liegen die Temperaturen zwischen 30 und 40 Grad. In der Luft schweben unangenehme Gerüche von verbranntem Müll und Plaste. Essen gibt es aus der Dose und geschlafen wird auf einem Feldbett, immer umgeben von unzähligen Mücken und Fliegen. Aber auch schöne Seiten gibt es, schreibt die Plauenerin. Unmittelbar neben dem Schlafzeit hat ein Kolibri sein Nest und macht mit wilden Flügelschlägen und schönem Gesang auf sich aufmerksam.

 Eine weitere Aufbereitungsanlage betreut die THW-Helferin in Leogane, dem Epizentrum des ersten Bebens. Hier ist die Zerstörung besonders groß. Hilfsorganisationen aus unzähligen Ländern sind inzwischen bis hierhin vorgedrungen. Erschütternd sei, sagt Gudrun Seifert, die breite Anwesenheit bewaffneter Soldaten, auch Panzer sind im Einsatz.

 Die Bevölkerung im Land ist erstaunlich ruhig und sehr geduldig. Um Lebensmittel zu erhalten stellen sich die Einwohner an Kilometer langen Schlangen an. Überall türmen sich Berge von Abfall und an den Straßenrändern fließen Gerinne entlang, die eine grünbraune und stinkende Kloake enthalten. Sollte starker Regen ausbrechen, werden in dem verdrecktem Wasser bereits vorhandene Krankheitskeime rasend schnell wachsen und könnten so zu Seuchen führen, sagt die Plauenerin besorgt.

 Die Inselbewohner hätten alle eine unendliche Geduld, bis sie an der Reihe sind und ihre Flaschen, Behälter und Tanklaster voll Wasser füllen dürfen. Gudrun Seifert wird Anfang März wieder nach Plauen zurück fliegen, in ein, wie sie sagt, intaktes Land, in ein Zuhause, wo es fast alles zu essen gibt, wo fast jeder ein Dach über dem Kopf hat. Die Haitianer haben teilweise gar nichts mehr - außer ihr nacktes Leben. 

 

Von Martin Reißmann