Plauenerin auf Mars-Mission

Seit 2019 ist die Plauenerin Anika Mehlis Analog-Astronautin. Im Oktober wird sie in der Wüste Negev in Israel bei ihrer ersten Mars-Simulation eingesetzt.

Von Stephanie Rössel

Analog-Astronautinnen und Astronauten sind speziell ausgebildet um Marsanzug-Prototypen richtig verwenden zu können. Nach einem umfassenden Auswahlverfahren sowie einer mehrmonatige Grundausbildung erfolgen Einsätze bei technischen Tests und Mars-Mission-Simulationen. Dabei werden Anzüge des Österreichischen Weltraum Forums (ÖWF) für Forschungs- und Entwicklungszwecke getestet. Vorher muss das Tragen und die richtige Steuerung trainiert werden. Die Plauenerin Anika Mehlis ist eine von zwei Deutschen und lediglich eine von zwei Frauen in dem 13-köpfigen internationalen Team des ÖWF.


Im vergangenen Jahr konnte die Mars Analog Mission nicht stattfinden und wird nun vom 4. bis 31. Oktober 2021 durchgeführt. Als einzige Frau wird die Plauenerin mit fünf Männern, in einer extra erbauten Basisstation in der Negev Wüste in Israel, in Isolation von der Außenwelt, Experimente durchführen, die extra für die Mission ausgewählt wurden. Dabei geht es um die Suche nach Spuren von Leben, Geologie, Technik, Psychologie und Humanmedizin.


Das ÖWF hat sich auf die Vorbereitung zukünftiger astronautischer Expeditionen zu anderen Planeten spezialisiert. Damit alles klappt, wenn der erste Mensch den Mars betritt, müssen Abläufe und Gerätschaften gut getestet werden und auch die Auswirkungen einer solchen Expedition auf den Menschen möglichst gut erforscht sein.


Der 45 Kilogramm schwere Marsanzug-Prototyp ist wie ein "Raumschiff zum Anziehen". Er kann alle wesentlichen Einschränkungen eines realen Mars-Raumanzugs wiedergeben, wie etwa Gewicht, Druck-Gegenkräfte oder eingeschränkte Wahrnehmungsfähigkeit. Um die Simulation möglichst lebensnah zu gestalten, wurde für die Kommunikation zwischen Analog-Astronauten und MSC (Kontrollstation Erde) eine zehn minütige Verzögerung eingebaut. Das entspricht der durchschnittlichen Zeit, die ein Funksignal von der Erde zum Mars braucht. Es können aber bis zu 20 Minuten sein, je nach Position der Planeten zu einander.


Anika Mehlis hat Biologie studiert und war danach in einem Labor beschäftigt. Parallel begann sie ein Studium als Umweltingenieurin und hat fast acht Jahre im Landratsamt des Vogtlandkreis als Sachgebietsleiterin für Hygiene und Umweltmedizin gearbeitet.


Inzwischen ist sie selbstständig und führt Beratungen durch oder lehrt als Dozentin an der Berufsakademie. Seit März ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Akademie für Öffentliches Gesundheitswesen Düsseldorf.
Die Anzeige zur Suche nach Analog-Astronauten hat sie 2018 in der Zeitung gesehen und sich beworben. Die Tätigkeit ist ehrenamtlich, für Anika Mehlis aber eine gute Gelegenheit Einblicke in wissenschaftliche Bereiche zu bekommen, sich weiterzubilden und Kontakte zu knüpfen.


Bereits jetzt gibt es einen Trainingsplan zur Vorbereitung auf Herbst. "Für mich persönlich ist der Anzug die größte Herausforderung. Dafür muss man körperlich wirklich fit sein", sagt die 39-Jährige.
Im Oktober steht ihr die erste so lange Mission bevor. Bisher war sie lediglich mal bis zu vier Tage im Monat am Stück zum Training unterwegs. Das alles bekommt die dreifache Mutter aber gut organisiert, denn auch so sei sie beruflich immer viel unterwegs.


Anika Mehlis hat großen Wissensdurst und ist immer auf der Suche nach einer Herausforderung. Ein Grund mehr, warum sich sie jetzt bei der ESA auf eine Ausschreibung als Astronautin beworben hat.